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Proteste in Spanien: Zehntausende demonstrieren gegen Sparkurs

Es geht um Arbeitsplätze und ein Ende der radikalen Sparpolitik: Zehntausende Spanier haben in Madrid gegen den Kurs der Regierung protestiert. Nach der Demonstration kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt.

Demonstranten in Spanien: Aufruf zum "Marsch der Würde" Zur Großansicht
AFP

Demonstranten in Spanien: Aufruf zum "Marsch der Würde"

Madrid - Unter dem Motto "Marsch der Würde" haben zehntausende Menschen aus ganz Spanien am Samstag in Madrid gegen soziale Not und die hohe Arbeitslosigkeit im Land demonstriert. Acht Protestzüge strömten aus verschiedenen Richtungen zum Bahnhof Atocha, wo sie sich zu einem großen Marsch durch die Innenstadt zusammenschlossen.

Zu der Massendemonstration hatten rund 300 Organisationen aufgerufen. Entweder reagiere die Regierung auf die Forderungen der Menschen oder sie könne ihre Koffer packen, sagte Diego Cañamero, Sprecher der Arbeitergewerkschaft in Andalusien. Auf Transparenten stand: "Nein zum Schuldendienst" und "Brot, Arbeit und ein Dach für alle".

Als Demonstranten nach dem Protestzug versuchten, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, kam es zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Insgesamt waren rund 1700 Polizisten im Einsatz. Die Beamten gingen mit Schlagstöcken gegen mehrere Dutzend Jugendliche vor, die Flaschen und andere Wurfgeschosse geschleudert hatten. Laut Polizeiangaben wurden mehr als 60 Menschen verletzt, davon 50 Polizeibeamte. 19 mutmaßliche Gewalttäter seien festgenommen worden.

Die Demonstranten errichteten Barrikaden aus Absperrgittern, zündeten Mülltonnen an und schlugen die Fensterscheiben einer Bank ein. Einige bauten auf einer Hauptstraße im Zentrum Zelte auf und kündigten an, bleiben zu wollen.

"Brot, Arbeit und ein Dach für alle"

Viele Teilnehmer waren hunderte Kilometer zu Fuß nach Madrid gezogen. Die Organisatoren hatten zudem hunderte Busse und mehrere Sonderzüge gemietet. Die Teilnehmer kamen unter anderem aus den Regionen Andalusien, Katalonien, Asturien und der Extremadura. Sie hielten die Flaggen ihrer Regionen hoch und riefen Parolen wie "Nein zur Arbeitslosigkeit, Nein zum Exil, Nein zur Unsicherheit, marschiert für die Würde!".

Spanien leidet noch immer unter denFolgen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Zwar besserte sich die Lage zuletzt leicht; das Land entkam Ende vergangenen Jahres der Rezession, auch die Arbeitslosigkeit sank erstmals seit Krisenbeginn. Sie liegt jedoch mit 26 Prozent immernoch doppelt so hoch wie der Gesamt-Durchschnitt der Euro-Zone. Viele Spanier leben am Existenzminimum. Gerade die junge Generation fühlt sich um ihre Zukunft gebracht.

Die Schuld dafür sehen viele Demonstranten beim konservativen Regierungschef Mariano Rajoy, der ein drastisches Sparprogramm auf den Weg gebracht hatte, um die Schuldenlast zu verringern und das Vertrauen in den Bankensektor wieder herzustellen.

usp/AFP/Reuters/dpa

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1. Der Euro
malocher77 23.03.2014
Sichert Frieden und Wohlstand.Der Euro funktioniert nicht,zumindestens nicht in Spanien.Sozialer Frieden ist sehr Wichtig, denn der Euro spaltet Europa,die Spanier sind so hartes Geld zusammen mit Niedrigen Zinsen nicht gewöhnt,hätten Sie eigene Währung und Schuldenschnitt,dann wären Sie jetzt aus der Krise raus,so steigen die Schulden weiter,weil die Schulden mit neuen Schulden bezahlt werden und die sind teurer geworden.Wenn D Eurobonds zustimmen würde,dann würde es länger funktionieren,nur irgendwann werden Wir auch Pleite sein.Also so oder so geht der Euro zu ende,und für "koste es was es wolle" werden wir teuer bezahlen,aber der Wähler wollte es so.
2.
Stäffelesrutscher 23.03.2014
Anstatt hier den Polizeibericht abzudrucken ("Zehntausende" und Polizeiaktion gegen Randalierer) hätte man mal objektiv informieren sollen. Vergleiche von Luftaufnahmen heute und vom Papstbesuch sprechen eine andere Sprache - ein bis zwei Millionen werden es wohl gewesen sein. Und die Polizei hat geschossen, als ein Chor Beethovens "Ode an die Freude" sang, und ist auf friedliche Demonstranten losgegangen. Ihr "Verbrechen": Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift "¡No pasarán!" - die Losung der Republikaner bei der Gegenwehr gegen den faschistischen Putsch 1936. Die Nachfolger Francos müssen jetzt aber wohl nicht befürchten, von Brüssel mit Einreiseverbot und Kontosperrungen sanktioniert zu werden ...
3. das müssten die Medien Zeigen
servesita 24.03.2014
Ich wohne jetzt seit 20 Jahren in Spanien. Hier ist alles möglich, aber seit dieser Regierung sind die Diktatoren in anderen Ländern Heilige. Die Regierung von Mariano Rajoy lügt, betrügt und beklaut ganz Spanien. Hier werden mittlerweile die Richter vom Dienst für Jahre suspendiert weil Sie gegen die Korruption ankämpfen will, wie Baltasar Garzon oder der Richter Silva. Bei der letzten Demonstration wurde schon Tage vorher von seitens der Regierung Druck gemacht, unterstützt von den Medien wie der Katholische Sender 13 TV, das staatliche Fernsehen TVE, das komplett Regierungsfreundlich gereinigt wurde. etc. Anbei ein Vidi das ganz klar zeigt, wie die Polizei, mit einem riesigen Aufgebot vor dem offiziellen Ende anfängt diese mit gewalt zu beenden. Auch kann man bei anderen Videos sehen wie die ersten die die Steine werfen, später andere verhaften. Ich bitte ernsthaft eine richtige analyse der Medien vorzunehmen was wirklich in Spanien passiert. Ich bin gerne bereit antworten auf alle fragen zu geben.https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=e3drN2K1hls
4. zu 3. das müßten die Medien zeigen
adolfo1 25.03.2014
Spanien ist das Lieblingsland der Deutschen. Die deutschen Medien schweigen zu den Vorfällen in Spanien und wenn man als Leser darauf hinweist, wird der Kommentar oftmals nicht gebracht. In Spanien ticken mehrere Zeitbomben, aber wen kümmerts, lieber auf dem Bauernopfer Griechenland herumhacken (wenn teils auch zu Recht), wie gestern auf ARD. Du hast noch eine Möglichkeit, liste die wichtigsten Vorfälle auf und wende Dich an die politischen Parteien (Linke, AfD etc). Möglicherweise gibt es eine Reaktion ?
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Bevölkerung: 46,440 Mio.

Fläche: 505.968 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

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