Zensus 2011 So wohnt Deutschland

Kaum zu glauben: Hunderttausende Wohnungen in Deutschland haben kein WC, keine Heizung, Dusche oder kein Bad. Das zeigt der Zensus 2011. Die Erhebung liefert weitere interessante Daten. Zum Beispiel wo die Behausungen am kleinsten sind.

DPA

Von und


Hamburg - Vor zwei Jahren haben die Statistiker Deutschland gezählt: Außer der überraschenden Tatsache, dass in der Bundesrepublik eine Million Menschen weniger leben als angenommen, liefern die Daten eine ganze Reihe von interessanten Einblicken in die deutsche Lebenswelt. Am Freitagvormittag hat das Statistische Bundesamt die ersten Zahlen veröffentlicht - und damit einige bemerkenswerte Fakten an die Öffentlichkeit gebracht.

Zum Beispiel bei der Frage: Wie wohnen die Deutschen? Die Statistiker zählten den Gebäudebestand und kamen auf gut 19 Millionen Häuser mit genau 41.298.747 Wohnungen - 500.000 mehr als erwartet. Auf jede Wohnung kommen also weniger als zwei der nach jüngster Zählung 80,2 Millionen Menschen, die in der Bundesrepublik leben. Die Ausstattung allerdings lässt teilweise zu wünschen übrig: Hunderttausende Wohnungen haben keine Heizung, keine Toilette oder kein Bad.

Die Ergebnisse im Überblick:


Wohnung: Eigentum oder zur Miete?

42,6 Prozent der Wohnungen in Deutschland werden von ihren Eigentümern genutzt, in rund 52 Prozent wohnen Mieter. Während in Flächenländern wie Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland der Anteil der selbst genutzten Eigentumswohnungen bei mindestens 50 Prozent liegt, ist es in Hamburg oder München weniger als ein Viertel. Aber auch in Sachsen leben in weniger als 30 Prozent der Wohnungen die Eigentümer.

Fast jede 20. Wohnung (4,5 Prozent) in Deutschland steht leer - wobei die regionalen Unterschiede groß sind: In Sachsen ist jede zehnte Wohnung unbewohnt, in Hamburg hingegen beträgt der Leerstand lediglich 1,6 Prozent. Der Anteil der Ferienwohnungen ist an der Küste und im Alpenvorland besonders hoch: Schleswig-Holstein steht mit 3,9 Prozent an der Spitze, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (2,5 Prozent), Niedersachsen (1,7 Prozent) und Bayern (1,5 Prozent).


Größe und Zimmerzahl: Im Schnitt mehr als vier Räume

Einwohner von Großstädten sollten diesen Absatz nur lesen, wenn sie keine Probleme mit der Größe ihrer Wohnung haben. Die durchschnittliche Wohnung in Deutschland ist gut 90 Quadratmeter groß und hat 4,4 Zimmer. Etwas genauer betrachtet haben ein knappes Viertel der Wohnungen zwischen 60 und 80 Quadratmeter, ein weiteres Viertel ist größer als 120 Quadratmeter.

Am größten sind die Wohnungen in den Bundesländern Saarland und Rheinland-Pfalz, am kleinsten sind die Wohnungen in Berlin und Hamburg. Ebenfalls schmerzhaft für Großstadtbewohner: Fast 40 Prozent aller Wohnungen in Deutschland haben fünf oder mehr Zimmer.


Ausstattung: Hunderttausende Wohnungen ohne WC und/oder Dusche

Kaum zu glauben: In knapp 680.000 Wohnungen in Deutschland - ein Anteil von 1,7 Prozent - fehlen Toilette oder Dusche beziehungsweise das Bad. In 330.000 oder 0,8 Prozent aller Wohnungen findet sich gar nichts davon, also weder Toilette noch Dusche. Besonders häufig finden sich derart karg ausgestattete Wohnungen in Ostdeutschland, etwa in Sachsen (1,9 Prozent) oder Thüringen (1,5 Prozent).

In Hamburg oder Bremen hingegen lassen nur 0,2 Prozent aller Wohnungen all diese Ausstattungsmerkmale vermissen. Einen erstaunlichen Ausreißer stellt München dar: Ausgerechnet in der Großstadt mit den höchsten Mieten des Landes gibt es in 11.902 oder 1,5 Prozent der Wohnungen keine sanitäre Ausstattung.


Öfen oder gar keine Heizung: Millionen Wohnungen heizen ohne Gas oder Öl

Fast 200.000 Wohnungen in Deutschland haben keine Heizung. Besonders groß ist der Anteil mit fast einem Prozent in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Sachsen. In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg lässt sich dagegen nahezu jede Wohnung mit einer Heizung wärmen.

Öfen, zu denen die Statistiker auch Nachtspeicherheizungen zählen, sind dagegen noch weit verbreitet: Knapp 2,5 Millionen Wohnungen werden noch mit Öfen beheizt. In Baden-Württemberg wird sogar jede zehnte Wohnung noch auf diese klassische Art gewärmt, mit gut achteinhalb Prozent folgt Bayern.


Alter: Bauboom nach dem Krieg - Flaute nach der Jahrtausendwende

Am Alter der Gebäude in Deutschland lässt sich eindrucksvoll zeigen, dass tatsächlich immer weniger Wohnungen neu gebaut werden: Der weitaus größte Teil des Wohnungsbestands in Deutschland ist in den Jahren 1949 bis 1978 errichtet worden, nämlich 43 Prozent, ein gutes Viertel wurde vor 1949 gebaut.

Interessant wird es in der Zeit ab 1979, die von den Statistikern in deutlich kleineren Abschnitten ausgewiesen werden: Demnach sind seitdem zwar immerhin gut 30 Prozent der noch bestehenden Wohnungen gebaut worden, allerdings nimmt die Bautätigkeit seit der Jahrtausendwende ab - Wohnungen mit dem Baujahr 2009 und später machen gerade einmal ein Prozent des Bestands aus. Die meisten Neubauten hat übrigens Bayern, die meisten Altbauten (vor 1919) stehen in Sachsen und Berlin.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 124 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jacko2013 31.05.2013
1.
qualitativ schlechte Statistik (damit keine Volkszählung)
tomrobert 31.05.2013
2. Jetzt hats die Regierung schriftlich
das ihre Umverteilungspolitik die Menschen Stück für Stück wieder ins Mittelalter zurückführt.
elegiator 31.05.2013
3. Ach du meine Nase...
Man könnte meinen im Osten der Republik, haben die armen Menschen nicht mal ein Klo in ihrer Wohnung! Wenn man aber bedenkt, dass z.B. in Sachsen 10% aller Wohnungen leerstehen, aber nur knapp 2% keine Dusche oder WC haben, relativiert sich das wohl. Da werden wohl so ziemlich alle Wohnungen ohne eigenständigen Sanitäranschluß leerstehen. Puuuuh..... Geht's uns doch noch nicht so dreckig!
Kalle Bond 31.05.2013
4. Keine Toi, kein Bad?
Da hat wohl jemand den "Ausfragebogen" nicht richtig ausgefüllt.
lebmah 31.05.2013
5. Und das in Deutschland ,
wie ist es in anderen Ländern?Mal darüber nachgedacht?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.