Berlin - Jeden Monat befragt das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mehrere Tausend Börsenprofis nach ihrer Einschätzung, was die Entwicklung der Konjunktur betrifft. Und in den vergangenen sechs Monaten sah das Ergebnis immer düster aus. Doch jetzt wendet sich das Blatt überraschend: Erstmals seit einem halben Jahr steigt der vom ZEW ermittelte Index im April wieder - von 44,5 Punkten im Vormonat auf nun 53,0 Punkte. Von Reuters befragte Experten hatten im Mittel nur einen Anstieg auf 45,1 Zähler erwartet.
Der ZEW-Konjunkturindex gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Die gut 3000 befragten Experten geben eine aktuelle Einschätzung der Lage als auch eine langfristige Prognose ab. In beiden Fällen stieg das Barometer jetzt: Laut ZEW rechnen die Finanzmarktexperten damit, dass sich die Konjunktur in den kommenden sechs Monaten weiter von der Wirtschaftskrise erholen wird. "Wir haben ein schwaches erstes Quartal erlebt, dem folgt ein gutes Frühjahr", sagte Ulrike Kastens, Analystin bei Sal. Oppenheim. "
Auch der Index zur Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage stieg gegenüber dem Vormonat: Er stieg auf minus 39,2 Punkte. Im Vormonat hatte er noch bei minus 51,9 Punkte gelegen. Analysten hatten hier mit minus 48 Punkten gerechnet.
Auch in der Eurozone steigen die Konjunkturerwartungen
Die Experten führen den Aufschwung vor allem auf die jüngsten Exportzuwächse und stabile Auftragseingänge zurück. "Die deutsche Konjunktur erfährt derzeit durch den Export wichtige Impulse", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Diese seien allerdings auch notwendig, um den Aufwärtstrend der Wirtschaft zu stabilisieren.
An der Börse wurden die Daten positiv aufgenommen. Am Mittag lag der Leitindex Dax
deutlich im Plus. Auch der MDax
und der TecDax
gewannen hinzu.
Für die Eurozone ergab sich ein ähnliches Bild wie für Deutschland: Die Konjunkturerwartungen stiegen um 8,1 Punkte auf 46,0 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Lage verbesserte sich um 8,9 Punkte auf minus 52,4 Punkte.
Analysten rechnen nun damit, dass auch die kommenden Konjunkturindikatoren aufwärts zeigen werden. "Ich denke, dass wir auch beim Ifo-Geschäftsklimaindex am Freitag ähnlich starke Bewegungen nach oben sehen werden", sagte Uwe Angenendt von der BHF-Bank. "Nach dem schwachen ersten Quartal dürfte das zweite Quartal sehr stark werden: Wir rechnen für das laufende Vierteljahr mit einem Wachstum von über 0,5 Prozent."
yes/dpa-AFX/Reuters
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