Studie der Postbank Zinstief kostet deutsche Sparer Milliarden

Die Zinsen in der Euro-Zone sind historisch niedrig - und das wird vorerst auch so bleiben. Doch was für Kreditnehmer gut ist und Investitionen anschieben soll, hat auch eine Kehrseite: Deutsche Sparer verlieren laut einer aktuellen Studie Milliarden.

Geld im Sparkassenbuch: Deutschen Sparern droht Milliardenverlust
DPA

Geld im Sparkassenbuch: Deutschen Sparern droht Milliardenverlust


Berlin - Die extrem niedrigen Zinsen in Europa kosten deutsche Sparer offenbar Milliarden: Nach Berechnungen der Postbank verlieren die Sparvermögen bei Banken in Deutschland allein in diesem Jahr real rund 14 Milliarden Euro an Wert, wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf die Studie berichtet.

Auch in den Folgejahren werde die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) immer größere Teile der Ersparnisse aufzehren. Im kommenden Jahr liegt der Vermögensverlust demnach sogar bei 21 Milliarden Euro. "Durch den Anstieg der Inflation bei anhaltend niedrigen Zinsen wird sich die reale Vermögensentwertung beschleunigen", sagte Postbank-Chefstratege Marco Bargel der Zeitung.

Die Notenbank hatte den Leitzins im Mai im Kampf gegen die Rezession im Euro-Raum auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt. Erst am Donnerstag hatte EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigt, die Leitzinsen würden "für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau" gehalten.

"Viele werden noch während der Rentenphase berufstätig sein"

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase raten Verbraucherschützer dazu, Anlagen breit zu streuen - und vielleicht sogar höhere Risiken einzugehen. Sparer sollten sich nicht nur auf das Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld verlassen, sondern auch Immobilien, Immobilienfonds und weltweit streuende Aktienfonds berücksichtigen, sagte Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg dem Deutschlandradio Kultur.

Die Inflation in Deutschland stieg im Juli nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamts auf 1,9 Prozent. Tagesgeld wirft nach Angaben der FMH Finanzberatung derzeit maximal 1,5 Prozent ab, Sparbücher liegen weit drunter. Auch bei Betriebsrenten und Lebensversicherungen dürften kräftige Abschläge auf die Sparer zukommen. Um die Lücke auszugleichen, "werden viele Arbeitnehmer noch während der Rentenphase berufstätig sein", zitierte die "Bild"-Zeitung DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

aar/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 292 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karlsiegfried 03.08.2013
1. Noch während der Rentenphase?
Bis zum Tode oder bis zur Unterbringung im Pflegeheim werden ganz viele Deutsche in Zukunft noch arbeiten müssen. Das ist eine verdammte Schweinerei. Angezettelt von deutschen Politikern aller Parteien. Das schon mit Gründung der Republik.
robin-masters 03.08.2013
2. War vorrauszusehen
jetzt kommt das was alle befürchtet haben und was von der Politiker-Elite kleingeredet bzw. verschwiegen wurde. Für den Euro muss der deutsche Bürger bluten! - damit sich Griechenland etc. gesund stoßen kann. Die Politiker wollen an die heilig Kuh - die Spareinlagen der Deutschen.. weil es gigantische Summen sind die geschröpft werden können. Was tun wir dagegen? Nichts weil es defakto keine vernünftigen Wahlalternativen gibt, weil die deutschen unorganisiert sind und eine unorganisierte unsolidarische Gemeinschaft ist sehr einfach zu führen und zu manipulieren.
theodorheuss 03.08.2013
3. Ende September
Zitat von sysopDPADie Zinsen in der Euro-Zone sind historisch niedrig - und das wird vorerst auch so bleiben. Doch was für Kreditnehmer gut ist und Investitionen anschieben soll, hat auch eine Kehrseite: Deutsche Sparer verlieren laut einer aktuellen Studie Milliarden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zinstief-kostet-deutsche-sparer-laut-neuer-postbank-studie-milliarden-a-914650.html
werden die Verantwortlichen wieder gewählt werden. Wo also bitte ist das Problem? Die Deutschen Sparer wollen genau diese Art der Politik der langsamen, schleichenden Enteignung, der Komplettüberwachung durch US Amerikanische Nachrichtendienste, der Zuwanderung von Fachkräften und Asylbewerbern, des Verschließens aller Sinnesorgane ob der Demographischen Katastrophe die auf uns zurollt. Frau Merkel war niemals beliebter als zur Zeit! End of story.
saintjack 03.08.2013
4. interessant
Wenn schon die Verbraucherzentralen dem Kleinsparer raten, sein Geld in Aktien umzuschichten, dann kann der nächste Crash ja nicht mehr weit sein. Dienstmädchenhausse nannte man das früher. Bald erzählen uns die Taxifahrer wieder, was wir kaufen müssen.
kommentar_von_andreas 03.08.2013
5. zweite Seite der MedailleKonsum
Die Vermögen der einen sind die Schulden der anderen. Ein Großteil (etwa 80%) der dt. Bevölkerung zahlt direkt (für eigene Kredite) oder indirekt über Steuern (Schulden der öffentl. Hand) und Konsumausgaben (Schulden von Unternehmen) viel mehr Zins, als sie durch eigenes Vermögen an Zinserträgen einnehmen. Niedrige Realzinsen (Zinssatz abzüglich Inflationsrate) sind also für die Meisten eine positive Botschaft. Warum viele Medien und hier der SPON mit dem Tenor des Artikels das Thema Zinsen stets mit der Brille der wenigen reichen Zinsgewinnler betrachten ist eine interessante Frage.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.