Jahrhundertprojekt in Südamerika Deutschland will Zug zwischen den Ozeanen bauen

Eine Bahnlinie vom Atlantik bis zum Pazifik, 3750 Kilometer lang: Südamerikas Regierungen wollen ihren Traum vom Ozeanexpress verwirklichen. Deutschland wirbt um den Zuschlag.

Zugtrasse durch die peruanischen Anden (Symbolfoto)
imago/ ZUMA Press

Zugtrasse durch die peruanischen Anden (Symbolfoto)


Eine Bahn durchs Amazonasgebiet, quer über den Kontinent, über die Anden, vom Atlantik bis zum Pazifik: Es ist ein abenteuerliches Projekt, um das sich die deutsche Regierung bewirbt - und ein lukratives. Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba wird deshalb am Mittwoch zu Gesprächen mit Regierungsvertretern aus Bolivien, Peru, Paraguay und Uruguay in La Paz zusammentreffen und dafür werben, dass sich Deutschland an dem Jahrhundertprojekt beteiligt.

Das Treffen gab der bolivianische Minister für öffentliche Arbeiten, Milton Claros, bekannt. Bolivien setzt neben Deutschland auch auf Kapital aus der Schweiz. Die Idee vom Ozeanexpress nimmt derzeit konkretere Formen an. Mittlerweile liegen vier Studien zu Trassen, Umweltfragen und den Kosten vor. Deutsche und schweizer Unternehmen könnten das Projekt gemeinsam realisieren.

Geplant ist eine 3750 Kilometer lange Strecke vom brasilianischen Hafen in Santos über Bolivien bis zum peruanischen Ilo, um Güter schneller Richtung Europa und Asien zu bekommen. Die Kosten werden auf rund 14 Milliarden Dollar geschätzt.

Boliviens Präsident Evo Morales macht sich seit Langem für das Projekt stark, auch um unabhängiger von chilenischen Häfen zu werden. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind gespannt. Bolivien hat Chile vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagt, um wieder einen eigenen Meerzugang zum Pazifik bekommen, den es im Salpeterkrieg (1879-84) an Chile verloren hatte.

Mögliche Streckenverläufe des "Tren Bioceánico"
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Mögliche Streckenverläufe des "Tren Bioceánico"

Zudem wirft Bolivien Chile immer wieder vor, das Land halte Verpflichtungen eines Vertrages von 1904 nicht ein, der freien Transitverkehr für Güter von einigen chilenischen Häfen von und nach Bolivien vorsieht. Ob sich der "Tren Bioceánico" verwirklichen lässt, ist noch fraglich.

Bereits 2016 war vorgeschlagen worden, dass Firmen aus Deutschland und der Schweiz gemeinsam ein Paket anbieten - Bau der Infrastruktur, Lieferung von Loks und Waggons sowie Wartung der Züge. Nach Vorbild des dualen Ausbildungssystems in Deutschland sollen zudem Fachkräfte für Instandhaltung und Betrieb der Strecke ausgebildet und eingesetzt werden. So sollen 6000 bis 8000 Arbeitsplätze entstehen.

Unabhängig davon gibt es bereits ein weiteres Milliardenprojekt für einen Zug zwischen den Ozeanen, ebenfalls von Brasilien nach Peru, über rund 4800 Kilometer - aber an Bolivien vorbei. Dieses wird von China forciert. Ob sich beide Konzepte zu einem zusammenführen zu lassen, ist noch unklar - hierzu müsste Morales eine Einigung vor allem mit Brasiliens Präsident Michel Temer finden. Und bisher gibt es kaum Trassen, die ausgebaut werden könnten. Boliviens Bahnnetz umfasst gerade 3500 Kilometer - weitgehend eingleisig, in Meterspur.

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 93 Beiträge
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Alfred 21.03.2017
1. Empfehlung
Der Auftrag sollte an das Team gehen, welches BER geplant und gebaut hat, und bis jetzt betreut.
rkinfo 21.03.2017
2. Schienennetz ist beste Entwicklungspolitik
Leider wird in vielen ärmlichen Regionen der Welt auf immer mehr LKW gesetzt. Das war vor Jahrzehnten noch anders, aber die Bahn, möglichst elektrifiziert mit Ökostrom, macht mehr Sinn. Die 'British Columbia Railway' arbeitet mit 50 kV Oberleitungen, wobei man deren 60 Hz heute auch durch Gleichspannung ersetzen könnte. Einige Solarfarmen im 10-50 MW - Bereich, plus Gasturbine als Redundabz, an der Strecke könnten die Bahn und Anwohner mit Strom versorgen.
auweia 21.03.2017
3. @#1 Alfred
Soweit ich weiß, ist der ICE-Bahnanschluss des BER und der dazugehörige Bahnhof pünktlich fertig geworden und auch abgenommen. Der BER muß gegenwärtig der Bahn Geld zahlen damit diese regelmäßig die Strecke befährt um die Tunnel zu belüften.
Alfred 21.03.2017
4.
Zitat von AlfredDer Auftrag sollte an das Team gehen, welches BER geplant und gebaut hat, und bis jetzt betreut.
Dann ist Deutschlands Ruf restlos ruiniert. Aus eben jenem Grunde wird ein chinesisches Konsortium den Zuschlag erhalten.
kobmicha 21.03.2017
5. Das wird nichts.
Deutschland und seine "Baukunst" der letzten 30 Jahre lassen sich nicht aus den Geschichtsbüchern löschen. Elbphilharmonie,Stuttgart 21,BER, usw usw. Alles Projekte die ein vielfaches teurer wurden und deren Bauzeit eine Ewigkeit dauert. Keine gute Empfehlung für ein Großprojekt. Außer wie fast immer; wir bezahlen den Großteil der Kosten für dieses Mammutprojekt als "Entwicklungshilfe"!
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