Madrid/Lissabon/Brüssel - Millionen Europäer haben sich den Streiks und Demonstrationen gegen die strikte Sparpolitik in ihren Ländern angeschlossen. Sowohl in Portugal als auch in Spanien legt ein 24-stündiger Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahm. In beiden Ländern fuhr kaum noch ein Zug. Hunderte Flüge wurden gestrichen, Fabriken blieben geschlossen.
Die Proteste verliefen weitgehend friedlich. Doch in einigen Städten kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei: In Madrid schossen Beamte auf dem Cibeles-Platz in der Innenstadt mit Gummigeschossen auf Demonstranten und setzten Schlagstöcke ein. Bei den Auseinandersetzungen wurden laut Polizeiangaben in ganz Spanien mehr als 40 Menschen verletzt, 110 Protestierende wurden festgenommen.
Auch in Italien kam es zu Ausschreitungen. In Rom wurden Polizisten mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Es gab etwa 60 Festnahmen. In Pisa gelang es Demonstranten, den Schiefen Turm zu besetzen und ein Transparent mit der Aufschrift "Steht auf! Wir zahlen nicht für eure Krise" anzubringen. In Turin flogen Eier und Nebelkerzen gegen das Gebäude der dortigen Steuerbehörde. Drei Polizisten wurden bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer. Demonstranten hatten seinen Schutzhelm mit Stöcken und Baseballschlägern zertrümmert. In Mailand demolierten Studenten die Vitrinen von Banken und des Energiekonzerns Enel
. In Neapel besetzten Demonstranten zeitweise Gleise im Hauptbahnhof.
Zu dem Aktionstag hatten europäische Gewerkschaften aufgerufen. Protestaktionen gab es auch in Griechenland, Belgien und Frankreich. Nach Ansicht der Demonstranten verschärfen die Einschnitte zur Bekämpfung der Schuldenkrise in vielen Ländern Europas die Rezession. "Wir streiken, um diese selbstmörderische Politik zu beenden", sagte der Chef der spanischen Gewerkschaft UGT, Candido Mendez.
Unterstützung bekamen die Gewerkschaften ausgerechnet vom Internationalen Bankenverbands IIF. Dessen Geschäftsführer Charles Dallara,kritisierte die strengen Sparmaßnahmen für Griechenland und Europa. Es müsse ein besseres Gleichgewicht zwischen Wachstum und Sparpolitik zur Überwindung der Finanzkrise gefunden werden, sagte Dallara in Athen. Endloses Sparen führe zu wenig oder keinem Wachstum.
In Spanien schlug der Streik vor allem auf den Bahnverkehr durch. Nur ein Fünftel der Fernzüge fuhren. Bei Vorortzügen mussten zwei Drittel der Verbindungen gestrichen werden. Flugreisende mussten ebenfalls Behinderungen in Kauf nehmen: Betroffen waren vor allem die Gesellschaft Iberia
und der Billigflieger Vueling. Auch Dutzende Flüge von und nach Deutschland wurden gestrichen. Viele Urlauber sitzen fest.
Der Streik brachte die Produktion in den Autowerken von Konzernen wie Volkswagen
, Seat, Opel oder Nissan
weitgehend zum Erliegen. Die Gewerkschaften bezifferten die Streikbeteiligung auf 80 Prozent der Beschäftigten. In der zweitgrößten spanischen Stadt Barcelona wurden Hunderte Müllcontainer von den Straßen geräumt, um sie potentiellen Brandstiftern zu entziehen.
Auch in anderen Ländern zeigten die Streiks Wirkung:
fdi/stk/Reuters/dpa/AFP
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