Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zuwanderungsmisere: Nur 142 Hochqualifizierte zogen 2009 nach Deutschland

Wirtschaftsminister Brüderle hat für seine Idee einer Lockprämie für ausländische Fachkräfte mächtig Ärger bezogen. Die Kanzlerin ließ verlauten, es gebe keinen Handlungsbedarf - dabei zeigen neueste Zahlen: Nur wenige Hochqualifizierte zieht es nach Deutschland.

Hamburg - Die Kanzlerin wiegelt ab. Neue Gesetze seien nicht nötig, um ausländische Spezialisten anzulocken, ließ sie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Montag ausrichten. Schließlich zeige die seit vergangenem Jahr abgesenkte Einkommensgrenze für zuwanderungswillige Hochqualifizierte "eine positive Wirkung".

Was sie darunter offenbar versteht, verrät eine Zahl: 142. Exakt so viele Menschen fielen laut "Financial Tims Deutschland" ("FTD") im Jahr 2009 unter das geänderte Gesetz - sie erhielten ohne Genehmigung der Arbeitsagentur eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis. Bedingung dafür ist seit 1. Januar 2009 ein Jahreseinkommen von mindestens 63.600 Euro.

Die "FTD" beruft sich auf Angaben des Bundesamts für Migration in Nürnberg. Interessant ist, dass die Zahl der Zuwanderer sogar noch niedriger ist als im Jahr zuvor, als noch eine höhere Einkommensgrenze von 86.400 Euro galt. Im Jahr 2008 kamen demnach 160 Hochqualifizierte unter dieser Voraussetzung nach Deutschland.

Zahl der qualifizierten Zuwanderer mit geringerem Einkommen sinkt ebenfalls

Auch die Zahl der genehmigungspflichtigen Zuwanderung von Gutqualifizierten sank im vergangenen Jahr laut "FTD" spürbar. Darunter fallen Hochschulabsolventen aus Drittstaaten, die einen Job in Deutschland angeboten bekommen, aber weniger als 63.600 Euro im Jahr verdienen sollen. Sie brauchen eine Genehmigung der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Solch eine Genehmigung erteilt die BA jedoch nur, wenn das beantragende Unternehmen nachweisen kann, keinen deutschen Arbeitnehmer für die Stelle zu finden. Im Krisenzeiten fällt dieser Nachweis naturgemäß schwerer, demzufolge werden weniger Anträge gestellt. Zudem stieg die Ablehnungsquote der BA im vergangenen Jahr.

Die Folge: Die Zahl etwa der zugewanderten IT-Spezialisten unterhalb der Einkommensgrenze ist von 3906 im Jahr 2008 auf 2465 im Jahr 2009 zurückgegangen. Insgesamt erteilte die BA im vergangenen Jahr rund 12.000 Gutqualifizierten die Zuzugsgenehmigung.

US-Firmen halten Deutschland für zu kompliziert für Zuwanderer

Viele hochqualifizierte Fachkräfte schreckt auch die Bürokratie in Deutschland ab. Das ergab eine Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) unter den 50 führenden US-Unternehmen in Deutschland, die am Dienstag vorgestellt wurde. Mehr als ein Viertel der Befragten war dieser Meinung. Außerdem schreckten die als schwierig empfundene Integration (21 Prozent) und das komplizierte Steuerrecht (elf Prozent) ab.

Weitere Gründe für die Zuwanderungsmisere seien Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen, fehlende Sprachkenntnisse der Fachkräfte, das deutsche Arbeitsrecht, die Relation von Brutto-Netto-Einkommen und kulturelle Unterschiede. Dabei sahen die befragten Unternehmen im geringen Zuzug von Fachkräften durchaus ein Problem - das sich allerdings noch nicht heute, aber in der Zukunft auswirken werde.

Die von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ins Spiel gebrachten Lockprämien für Spezialisten hielt jedoch auch die AmCham für "nicht angemessen". Die Unternehmen täten selbst genug und böten viele Anreize.

fdi/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Deutschland ist nicht das Wunderland....
ag1962 04.08.2010
Bei der Art und Weise wie Deutschland Gäste und Einwanderer empfängt ist die Diskussion sinnlos. Bevor eine gute Fachkraft kommt, geht sie doch lieber in die Niederlande oder England wo die Bedingung deutlich besser sind. Die Regierung täte nicht nur besser das Image zu verbessern, sondern auch die Fachkräfte die da sind zu halten. Eine Fachkraft zu halten ist deutlich billiger als jemanden von aussen nachkommen zu lassen. Ich bin 2000 ausgewandert - und wüsste überhaupt keinen Grund zurück zukommen.
2. Würden die Gehälter bezahlt werden,
misterbighh, 04.08.2010
die die Hochqualifizierten wollen, würde man die in Deutschland auch zusammen bekommen.
3. Perverser gehts nicht mehr!
Transmitter, 04.08.2010
Zitat von ag1962Bei der Art und Weise wie Deutschland Gäste und Einwanderer empfängt ist die Diskussion sinnlos. Bevor eine gute Fachkraft kommt, geht sie doch lieber in die Niederlande oder England wo die Bedingung deutlich besser sind. Die Regierung täte nicht nur besser das Image zu verbessern, sondern auch die Fachkräfte die da sind zu halten. Eine Fachkraft zu halten ist deutlich billiger als jemanden von aussen nachkommen zu lassen. Ich bin 2000 ausgewandert - und wüsste überhaupt keinen Grund zurück zukommen.
Über 150.000 Deutsche verlassen bereits Jahr für Jahr dieses vergreisende, überregulierte Land. Und es sind überwiegend gut bzw. akademisch ausgebildete, leistungsbereite Familiengründer. Und diese verkommenen, selbsternannten "Eliten" hierzulande bieten für "qualifizierte" Zuwanderer schon Kopfprämien? Wirklich pervers! Dabei bezahlt dieser kaputte Staat seine unseriöse, vollkommenen verlotterte "Politik" seit Jahren nur noch mit immer neuen Schulden. Es ist hoffnungslos. Die 142 "Hochqualfizierten", die sich das angetan haben und hierher gezogen, scheinen dann aber nicht unbedingt zu den absoluten Topkräften zu zählen. . . . :-)) Oder sie haben vielleicht masochistische Neigungen ROFL!
4. Weltfremde Struktur und Höchstabgabenland!
Benjowi 04.08.2010
Zitat von ag1962Bei der Art und Weise wie Deutschland Gäste und Einwanderer empfängt ist die Diskussion sinnlos. Bevor eine gute Fachkraft kommt, geht sie doch lieber in die Niederlande oder England wo die Bedingung deutlich besser sind. Die Regierung täte nicht nur besser das Image zu verbessern, sondern auch die Fachkräfte die da sind zu halten. Eine Fachkraft zu halten ist deutlich billiger als jemanden von aussen nachkommen zu lassen. Ich bin 2000 ausgewandert - und wüsste überhaupt keinen Grund zurück zukommen.
Kann ich gut nachvollziehen-ich habe mich zwar mit den Verhältnissen halbwegs arrangiert, beobachte aber die Entwicklung hier sehr kritisch. Die Wiedervereinigung und damit verbundenen Lasten wurden sehr einseitig auf die Arbeitnehmer abgewälzt und treffen in völlig überzogenener Weise die brutto etwas besser gestellten Leistungsträger. In den vergangenen 20 Jahren ist Deutschland für diese Gruppe zum Höchstabgabenland geworden-einerseits sieht der Arbeitgeber die hohen Bruttolöhne, was zu Leistungsdruck und Arbeitsplatzangst auch bei qualifizierten Arbeitnehmern führte, andererseits kommt netto nur ein viel zu kleiner Anteil an. Gleichzeitig sind die indirekten Abgaben (Energie-, Mehrwertsteuer und 1000 andere neue trickreiche Abgaben (GEZ!)) auf Höchststände gestiegen. Da die begehrten Fachkräfte durchaus rechnen können, wissen sie im Allgemeinen, dass sie kaufkraftmäßig in Deutschland mittlerweile weit schlechter als in vielen anderen Ländern dastehen und obendrein noch mit einer völlig sinnfreien Bürokratie und einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Steuersystem traktiert werden. Entsprechend sieht das Ergebnis aus-die Regierung und ihre ach so tollen Beamten haben das aber bisher offensichtlich nicht einmal wahrgenommen, geschweige denn verarbeitet, sonst würden nicht immer mehr weltfremde Hemmnisse aufgebaut. Insofern kann man sich die Diskussion wirklich sparen: Es werden weiterhin mehr Leistungsträger gehen als kommen, falls nichts Revolutionäres geschieht.
5. ...
rainman_2 04.08.2010
Zitat von sysopWirtschaftsminister Brüderle hat für seine Idee einer Lockprämien für ausländische Fachkräfte mächtig Ärger bezogen. Die Kanzlerin ließ verlauten, es gebe keinen Handlungsbedarf - dabei zeigen neueste Zahlen: Nur wenige Hochqualifizierte zieht es nach Deutschland. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710088,00.html
Wäre noch interessant zu wissen, wieviele Nicht- oder Minderqualifizierte es nach Deutschland zieht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die deutschen Zuwanderungsregeln
Die Regelungen für die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland sind zuletzt am 1. Januar 2009 reformiert worden. Vor allem für Akademiker wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert. 2011 will die EU die Hürden mit der Einführung der "Blue Card" weiter senken. Für Nicht- und Geringqualifizierte gilt weiterhin ein Anwerbestopp.
Einkommensschwelle
Keine Probleme haben Forscher und leitende Angestellte, die so viel verdienen, dass sie die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung erreichen. Sie liegt in diesem Jahr bei 66.000 Euro. Diese Hochqualifizierten erhalten sofort eine sogenannte Niederlassungserlaubnis, die ihnen die gleichen Rechte zugesteht wie deutschen Arbeitnehmern. Auch ihre Familienangehörigen dürfen arbeiten.
Vorrangsprinzip
Fachkräfte mit weniger lukrativen Stellen müssen sich weiterhin dem "Vorrangsprinzip" unterwerfen. Sie bekommen den Job nur, wenn die Bundesarbeitsagentur feststellt, dass es keinen deutschen Bewerber dafür gibt. Ihr Aufenthalt wird befristet. Erst nach drei bis fünf Jahren können sie mit einer Niederlassungserlaubnis rechnen.
Selbständige
Selbständige können ohne Probleme zuwandern, wenn sie mindestens 250.000 Euro investieren und fünf Arbeitsplätze schaffen. Wer dies nicht leisten kann, muss darauf setzen, dass seinem Projekt ein "übergeordnetes wirtschaftliches Interesse" attestiert wird.
Studenten
Ausländische Studenten dürfen 90 ganze oder 180 halbe Tage arbeiten. Nach ihrem Studium können sie ihre Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr verlängern, um einen qualifizierten Arbeitsplatz zu finden.
Blue Card
Mit der europäischen "Blue Card" werden ab 2011 die Anforderungen nochmals gesenkt. Fachkräfte aus Drittstaaten müssen einen mindestens ein Jahr geltenden Arbeitsvertrag vorlegen. Darin sollte ein Bruttogehalt vorsehen sein, das 1,5 mal höher liegt als das Durchschnittseinkommen des Mitgliedstaates. In Deutschland wären das nach aktuellem Stand 42.000 Euro.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: