New York - Bei der US-Großbank JP Morgan wurden sie von den Kollegen als "Burger King Kids" verspottet: Mitarbeiter, quasi direkt von der Straße eingestellt, die Hypotheken überschauen sollten, aber kaum wussten, was das eigentlich ist. Die konkurrierende Citigroup heuerte eine Fremdfirma an, um ihre problematischen Hauskredite in den Griff zu bekommen - am Ende landete ein Teil der Arbeit bei Subunternehmern auf den Philippinen und der Pazifikinsel Guam.
Die Zustände, die die "New York Times" jetzt beschreibt, zeichnen ein düsteres Bild von der amerikanischen Bankenlandschaft. Ausgerechnet als es um das Schicksal ganzer Familien ging, versagten große und kleine Kreditgeber in den USA und stießen Tausende Zwangsvollstreckungen an, die sich im Nachhinein als fraglich herausstellen.
"Im besten Falle haben die Banken fahrlässig gehandelt", sagte der Generalstaatsanwalt von Connecticut, Richard Blumenthal, "im schlechtesten Fall handelt es sich um Betrug." Gemeinsam mit seinen Kollegen aus den anderen US-Bundesstaaten will er Licht ins Dunkel bringen. Der Verdacht: Die Banken haben viele Fälle von säumigen Schuldnern schlampig geprüft und am Ende die Gerichte mit fehlerhaften Dokumenten dazu gebracht, Menschen aus ihrem noch nicht abbezahlten Haus zu werfen, um es dann zu verkaufen.
Jeder zehnte Hausbesitzer ist im Rückstand
Das Problem besteht landesweit und betrifft etliche amerikanische Hausbesitzer: In den Zeiten vor der Krise hatten die Banken ihre Kunden mit billigen Krediten geködert. Viele Familien leisteten sich ein Haus über ihre Verhältnisse - auch, weil das eine gute Geldanlage schien. Die Immobilienpreise stiegen und stiegen über Jahre. Doch dann platzte die Blase, die Zinsen explodierten, die Preise purzelten. Zu allem Überfluss wurden viele Menschen in der Wirtschaftskrise arbeitslos. Allein in der vergangenen Woche stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 13.000 auf 462.000.
Die Banken sitzen nun auf einem Berg an faulen Krediten. Gut jeder zehnte Hausbesitzer ist im Rückstand. Die Zwangsvollstreckung scheint die logische Folge. Doch die Banken müssen jeden Einzelfall genau prüfen, dazu sind sie gesetzlich verpflichtet. Wegen der Flut der Probleme fehlten ihnen dazu aber die Leute - also heuerten sie massenhaft neue Mitarbeiter an, ohne diese ausreichend zu schulen. Am Ende herrschte Chaos.
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon deutete am Mittwoch vage an, dass es auch in seiner Bank zu Fehlern gekommen sein könnte. Er bestand aber darauf, dass niemand aus seinem Haus raus musste, der nicht hätte sollen. Auch der Generalstaatsanwalt von North Carolina, Roy Cooper, räumte ein, dass es durchaus berechtigte Zwangsvollstreckungen gebe. "Aber Hausbesitzer verdienen eine faire Chance, ihre Häuser wenn möglich zu retten."
Die Bank of America
oder auch JP Morgan Chase
haben Zwangsvollstreckungen bereits ganz oder teilweise ausgesetzt. Politiker sehen in den Ermittlungen nun die Chance, die Kreditinstitute zu dauerhaften Zugeständnissen gegenüber ihren Kunden zu bewegen. Veränderungen seien überfällig, sagte die Chefin der Einlagensicherung FDIC, Sheila Bair. Die Banken seien die Probleme der Hypothekenkrise niemals richtig angegangen. "Sie haben sie immer heruntergespielt."
Von Daniel Schnettler, dpa
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