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Bankenrettung: Zypern bittet EU schon wieder um Hilfe

Von Alkman Granitsas und Michalis Persianis, Wall Street Journal Deutschland

Schlange vor Filiale der Bank of Cyprus: Systematische Bedeutung Zur Großansicht
AFP

Schlange vor Filiale der Bank of Cyprus: Systematische Bedeutung

Das milliardenschwere Rettungspaket für Zypern ist in Gefahr. In einem Brief an die EU bittet Präsident Anastasiades um mehr Geld für die größte Bank des Landes. Davon hänge der Erfolg des jüngsten Hilfsplans ab.

Nikosia -Monate nach der milliardenschweren Bankenrettung in ihrem Land hat die zyprische Regierung die Euro-Zone erneut um Hilfe für die angeschlagene größte Bank der Insel, Bank of Cyprus, gebeten. In einem Brief an die europäischen Verantwortlichen, den das "Wall Street Journal" am Dienstag gesehen hat, bemängelt der zyprische Präsident Nikos Anastasiades, dass die große Rettungsaktion vom April "ohne sorgfältige Vorbereitung" erfolgt sei und dass Zyperns Gesamtwirtschaft deshalb in Gefahr sei.

Anastasiades warnt, dass der Erfolg der Bankenrettung vom Überleben der Bank of Cyprus abhänge. "Ich betone die systemische Bedeutung der Bank of Cyprus, nicht nur in Bezug auf das Bankensystem, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft", heißt es in dem Brief. "Der Erfolg des Programms, das die Euro-Gruppe und die Troika gebilligt haben, hängt vom Emporkommen einer starken und überlebensfähigen Bank of Cyprus ab. Aus diesem Grund bitte ich Sie nachdrücklich, eine langfristige Lösung für die dünne Liquiditätsposition der Bank of Cyprus zu unterstützen."

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Darüber hinaus kritisiert Anastasiades die Kapitalverkehrskontrollen, die im Zuge der Bankenrettung vereinbart wurden und die seiner Ansicht nach der zyprischen Wirtschaft enorm schaden.

Zur Euro-Gruppe gehören die Finanzminister der europäischen Währungsunion, während sich die sogenannte Troika aus der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds zusammensetzt. Zusammen hatten diese Gläubiger Zypern im April zehn Milliarden Euro gezahlt, damit das Land sein Staatsdefizit senken und sein Bankensystem reformieren kann. Zypern hatte sich im Gegenzug bereiterklärt, selbst 13 Milliarden Euro beizusteuern.

Das Land machte daraufhin die zweitgrößte Bank der Insel, die Laiki genannte Cyprus Popular Bank, dicht und legte sie mit der Bank of Cyprus zusammen, die nun umgebaut werden sollte. Damit wurden Sparkunden beider Banken hohe Verluste aufgebürdet.

Mit der Fusion der beiden Banken wurden der Bank of Cyprus auch offene Verbindlichkeiten der Laiki gegenüber der zyprischen Zentralbank im Wert von rund neun Milliarden Euro aufgehalst. Diese bezogen sich auf Notfallhilfen, welche die Zentralbank zur Deckung kurzfristiger Finanzierungslücken bereitgestellt hatte. Die Bank of Cyprus musste diese Schulden der Laiki ohne die dazugehörigen Vermögenswerte übernehmen. Die Vermögenswerte - vor allem das griechische Festlandgeschäft der Laiki - wurden im Rahmen des Abkommens verkauft.

Fusion der Banken stoppen?

"Eine mögliche Langfristlösung könnte die Umwandlung eines Teils der Laiki-Verbindlichkeiten in langfristige Anleihen und die Übertragung dieser Anleihen und dazugehörigen Vermögenswerte in eine separate Einheit sein", schreibt Anastasiades. Alternativ wäre auch darüber nachzudenken, die Fusion der beiden Banken ganz zu stoppen, fordert er.

Ein Mitarbeiter der Europäischen Kommission in Brüssel bestätigte den Erhalt des Briefes, wollte sich aber nicht dazu äußern. Niemand habe ein Interesse daran, das vor Monaten festgezurrte Bankenrettungspaket für Zypern noch einmal aufzudröseln und neu zu verhandeln, sagen Insider. Die Sache könnte allerdings beim nächsten Treffen der Finanzminister der Euro-Zone am Donnerstag auf den Tisch kommen. EZB-Vertreter waren für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Die Sparmaßnahmen, die Finanzmarktreformen und die Einrichtung von Kapitalkontrollen - ein Novum für ein Land der Euro-Zone - dürften die zyprische Wirtschaft noch tiefer in die Rezession drücken. In diesem Jahr soll die Wirtschaft der Insel nach offiziellen Angaben um 8,7 Prozent schrumpfen. Aber viele private Wirtschaftsforscher sagen, der Abschwung könnte noch heftiger ausfallen.

Trotz des neuen Hilferufs per Brief beeilten sich zyprische Regierungsvertreter zu betonen, dass sie keinerlei Absicht haben, vom vereinbarten Rettungsprogramm abzurücken. "Wir werden alles tun, was verlangt wird", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter.

Mitarbeit: Jenny Paris

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

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insgesamt 147 Beiträge
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    Seite 1    
1. Troika?
adam68161 19.06.2013
Wenn Zypern schon jetzt wieder frisches Geld braucht - weshalb hat das die Troika nicht früher festgestellt? - "levantinische" Verhältnisse!
2. ein klares
mischamai 19.06.2013
Banken zerschlagen... und nur noch den Menschen helfen!
3. Überraschung, Überraschung ...
cinder_cone 19.06.2013
Und die Artisten in der (EZB-)Zirkuskuppel - ratlos. Und nicht nur da.
4. verkauft?
AxelSchudak 19.06.2013
Zitat von sysopAFPDas milliardenschwere Rettungspaket für Zypern steht erneut zur Disposition. In einem Brief an die EU bittet Präsident Anastasiades um mehr Geld für die größte Bank des Landes. Davon hänge der Erfolg des jüngsten Hilfsplans ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-bittet-eu-erneut-um-bankenhilfe-a-906545.html
Was genau, an wen, und für wie viel? Wenn da 9 Milliarden als Buchwert für einstanden, sollte da doch zumindest etwas reingekommen sein. Ansonsten bleibt nur zu festzustellen, dass mich das Fehlen von Geld in Zypern (leider) nicht überrascht.
5. Alternativlos
andikah 19.06.2013
Griechenland hat es vorgemacht wie es geht. Auch Zypern wird sein Geld bekommen (und noch viel mehr). Ist ja schliesslich systemrelevant und alternativlos.
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