Zwangsbeteiligung: Deutsche Bank lobt Zypern-Methode

Zyperns Banken stehen am Abgrund, Gläubiger und reiche Kunden müssen sich an der Rettung beteiligen - der Chefvolkswirt der Deutschen Bank lobt das Verfahren: "Man sollte jede Gelegenheit nutzen, Marktdisziplin wieder herzustellen." Die Geldhäuser auf Zypern bleiben nun doch bis Donnerstag geschlossen.

Bankfilialen in der Hauptstadt Nikosia: "Nebel der nächtlichen Verhandlungen" Zur Großansicht
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Bankfilialen in der Hauptstadt Nikosia: "Nebel der nächtlichen Verhandlungen"

Düsseldorf - Das Hilfspaket für Zypern ist beschlossen, doch ob es als Vorbild taugt, ist umstritten. Am Montag brachte Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem die Zwangsbeteiligung von Gläubigern und Kunden auch für andere Länder ins Spiel. Die Aufregung war groß, Börsenkurse gingen erst in Europa, dann in den USA und schließlich auch in Asien auf Talfahrt. Dijsselbloem sah sich zu einer Richtigstellung genötigt. Zypern sei "ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen".

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Chart zeigen lobt das Vorgehen gegenüber dem Inselstaat dagegen weiter als Vorbild. "Man sollte jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um Marktdisziplin wieder herzustellen", sagte David Folkerts-Landau dem "Handelsblatt". "Die Gläubiger von Banken und Staaten müssen herangezogen werden, bevor der europäische Steuerzahler zu Hilfe gerufen wird."

Folkerts-Landau kritisierte jedoch ausdrücklich, dass die Euro-Gruppe zunächst auch Kleinsparer an der Bankensanierung beteiligen wollte. "Sparer mit Einlagen unter 100.000 Euro hätte man von Anfang an schonen sollen", sagte er. "Das war ein gravierender Fehler, entstanden im Nebel der nächtlichen Verhandlungen." Es dürfe kein Zweifel daran entstehen, dass garantierte Einlagen sicher und die nationalen Einlagensicherungssysteme in der EU solide seien.

In Zypern wurde unterdessen beschlossen, dass alle Geldhäuser vorerst bis Donnerstag geschlossen bleiben. Das gab am späten Abend der Finanzminister des Inselstaats, Michalis Sarris, bekannt. Aus dem Ministerium hieß es, die Änderung hänge damit zusammen, dass die kleinen Banken heftig gegen die frühere Öffnung als bei den großen Instituten protestiert hätten. Sie hätten einen Ansturm der Kunden befürchtet.

Arbeitsminister: "Wir werden durch eine schwere Zeit gehen"

Die Regierung des Landes hatte sich in der Nacht zum Montag mit seinen internationalen Partnern auf Milliardenkredite geeinigt, im Gegenzug muss die Bankenbranche schrumpfen. Anders als bei den Hilfen für Irland und Portugal sollen reiche Kontoinhaber an der Rettung beteiligt werden.

Was genau die Bankkunden erwartet, ist weiter unklar. Die Laiki Bank soll ganz geschlossen und abgewickelt werden. Wer dort mehr als 100.000 Euro eingezahlt hat - bis zu diesem Betrag greift die Einlagengarantie -, droht, einen Großteil seines Geldes zu verlieren. Wie viel genau das sein wird, dürften die Betroffenen erst in einigen Monaten wissen. Bei der Bank of Cyprus könnten Kunden derselben Größenordnung bis zu 40 Prozent ihrer Einlagen verlieren, heißt es im zyprischen Parlament.

Präsident Nikos Anastasiades räumte in seiner Ansprache ein, dass die mit den internationalen Partnern erreichte Vereinbarung hart sei. Sie sei jedoch "unter den Umständen die beste, die wir erzielen konnten".

Arbeitsminister Harris Georgiades warnte derweil vor einer tiefen Rezession und steigender Arbeitslosigkeit. Er sagte der "Bild"-Zeitung, die Korrektur des Bankensystems werde die produktiven Sektoren der Wirtschaft in große Schwierigkeiten bringen. "Wir werden durch eine sehr schwere Zeit gehen."

Wenige Stunden vorher hatte die Zentralbank noch erklärt, dass alle kleinen Kooperativbanken, die kleine zyprische Hellenic Bank sowie alle ausländischen Banken am Dienstag wieder aufmachen würden - und damit zum ersten Mal seit elf Tagen. Deren Angestellte rechneten mit großem Andrang. Vor allem zyprische Unternehmer fürchten um ihr Geld: Sie sehen durch das chaotische Krisenmanagement der Euro-Retter ihre Existenz bedroht.

dab/bos/itz/Reuters/AP/dpa

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insgesamt 178 Beiträge
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1. Wer im Glashaus sitzt...
matjeshering 26.03.2013
sollte nicht mit Steinen werfen. Klar, dass die deutsche Bank sich erstmal freut. Ist doch ein Konkurrent weniger am Markt und andere werden deutlich geschwächt. Ferner hat die Deutsche Bank wahrscheinlich alle schlechten Papiere, Zerifikate, Anleihen und sonstiges schon rechtzeitig abgezogen, bzw. verkauft. Auch hier gilt. Wer zu letzt lacht...
2. Solange es nur nicht
pikup 26.03.2013
Systemrelevante Banken triftt, kann man vor den Steuerzahlern der EU ruhig mal ne grosse Lippe geben. Selbst betroffen, wäre die Analyse wohl eine andere.
3. Deutsche Bank lobt Zypern-Methode
romeo_mike 26.03.2013
Da hat sie auch allen Grund dazu. Denn schliesslich erhält so auch sie ihren Zockereinsatz zurück: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-banken-zittern-um-sechs-milliarden-euro-a-889731.html Soll mir doch mal jemand erklären, warum Deutschland nicht der Buhmann sein soll? http://www.spiegel.de/politik/ausland/zypern-rettung-in-der-euro-krise-ist-deutschland-stets-der-buhmann-a-890757.html
4. Vielleicht
ichhabeimmerrecht 26.03.2013
sollte man doch einfach mal die Banken krachen lassen, liebe Deutsche Bank, und nicht so sehr die Anleger, die eben über diese Banken toxische Wertpapiere erworben haben. Grade Ihre Bank, Herr Dipl- Volkswirt, hat sich bis zum heutigen Tage mit der Bankenkrise und in der Finanzkrise nich grade mit Ruhm bekleckert. Die amerikanische Börsenaufsicht hat sie nicht umsonst im Visier. Aber Sie können ja dann immer ganz souverän mit Systemrelevanz und den Erfahrungen der Jajre 1929 bis 1932 kommen. Si tacuisses...., falls Ihnen das noch von Iher schulischen Grundausbildung her in Erinnerung sein sollte
5. Na so was
k-max 26.03.2013
Schon mal überlegt, wer die Lücken bei den Banken austopfen wird, ist die deutsche Bank nicht zufällig dabei ? Jetzt wo Zypern mit dem Rücken an der Wand steht, kann manja schon alles mit dem Land machen, was man will.
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