Gerüchte über neue Zwangsabgabe: Zyprer stürmen Genossenschaftsbanken

Zyperns Hauptstadt Nikosia: Lange Schlangen vor den Genossenschaftsbanken Zur Großansicht
AFP

Zyperns Hauptstadt Nikosia: Lange Schlangen vor den Genossenschaftsbanken

Nein, eine neue Zwangsabgabe für die Kunden von Genossenschaftsbanken wird es nicht geben, beteuert die zyprische Regierung. Sie will so die Sparer im Land beruhigen, die in Scharen zu den Geldinstituten geeilt waren. Zuvor hatten Gerüchte, verbreitet per SMS und E-Mail, die Anleger beunruhigt.

Berlin/Nikosia - Die meisten Kamerateams und ausländischen Journalisten sind wieder abgereist. Vor etwas mehr als einer Woche hatten sie Posten bezogen vor einigen Bankfilialen in Zyperns Hauptstadt Nikosia. Sie warteten darauf, was wohl geschehe, wenn die Geldinstitute wieder für Kunden öffnen. Ein großer Ansturm? Panik? Dramatische Szenen? Nein, die Zyprer blieben gelassen, vor einigen Filialen gab es zwar längere Schlangen, aber alles blieb ruhig.

Was die Zeitung "Cyprus Mail" jetzt beschreibt, klingt da schon beunruhigender: Panik habe sich unter den Anlegern auf der Insel verbreitet. Denn es machte ein Gerücht per SMS und E-Mail die Runde, wonach es neue Zwangsabgabe auf Einlagen in den Genossenschaftsbanken geben solle. Riesige Schlangen hätten sich danach vor den Instituten gebildet; einige Kunden versuchten, ihr Guthaben auf mehrere Konten zu verteilen, so dass jedes einzelne unter der 100.000-Euro-Grenze bleibt. Oder sie versuchten, so viel Geld wie möglich abzuheben.

Das zyprische Finanzministerium hat mittlerweile jedoch Spekulationen über weitere Abschläge auf Bankguthaben kategorisch zurückgewiesen. Ein Rückgriff auf diese Einlagen zur Rettung der angeschlagenen zyprischen Banken habe in den Diskussionen mit den internationalen Geldgebern niemals zur Debatte gestanden, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Dank der vereinbarten Maßnahmen sei das Bankensystem Zyperns auf dem Weg der Stabilisierung und Gesundung. "Das Finanzministerium fordert die Öffentlichkeit auf, haltlosen Gerüchten, die nur den Zweck haben, dem Bankensystem in Zypern zu schaden, keinen Glauben zu schenken", hieß es.

Eine ähnliche Mitteilung gab auch die Zentralbank Zyperns heraus. Der Direktor der zentralen Genossenschaftsbank, Erotokritos Chlorakiotis, hatte die Gerüchte am Freitag im zyprischen Privatsender Sigma TV ebenfalls dementiert. Ihm zufolge ging die Panik auf die per SMS und E-Mail verbreiteten Gerüchte zurück sowie auf einen falschen Bericht auf der Website eines TV-Senders.


LESEN SIE MEHR ÜBER DIE KRISE AUF ZYPERN

Zur Großansicht
REUTERS

Die guten Russen von Limassol: Europa sieht Zypern als Waschmaschine für das Geld russischer Oligarchen, die von laxen Kontrollen und niedrigen Steuern profitiert haben. Die Insel bangt um ihren Ruf - und verteidigt die Russen. In Limassol, wo Zehntausende von ihnen leben, wächst die Furcht, dass sie fortgehen. mehr...


otr/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 122 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Lügen
SirZaharoff 06.04.2013
Zitat von sysopNein, eine neue Zwangsabgabe für die Kunden von Genossenschaftsbanken wird es nicht geben, beteuert die zyprische Regierung. Sie will so die Sparer im Land beruhigen, die in Scharen zu den Geldinstituten geeilt waren.(...) Zypern dementiert weitere Zwangsabgabe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-dementiert-weitere-zwangsabgabe-a-892910.html)
Klar, genau das wollen uns Merkel, Schäuble und Komplizen auch erzählen. Nur - was kann man solchen Leuten noch glauben, deren bisheriger Werdegang von einer Lüge zur nächsten Lüge bestand?
2. ...
Zereus 06.04.2013
Zitat von sysopNein, eine neue Zwangsabgabe für die Kunden von Genossenschaftsbanken wird es nicht geben, beteuert die zyprische Regierung. Sie will so die Sparer im Land beruhigen, die in Scharen zu den Geldinstituten geeilt waren. Zuvor hatten Gerüchte, verbreitet per SMS und E-Mail, die Anleger beunruhigt. Zypern dementiert weitere Zwangsabgabe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-dementiert-weitere-zwangsabgabe-a-892910.html)
Tja, das haben sie jetzt davon, die Euro-Retter, dass sie die "wahren Schuldigen", also stinknormale Bankkunden die ganz einfach nur ein Sparbuch oder ein Konto bei einer Bank haben und die ganz sicher nicht auf den Finanzcasinos dieser Welt mitspielen wollten, über knallharte Enteignungen zur Kasse gebeten haben während russische Oligarchen und die zyprische politische Klasse ihre Vermögen kurz vor der Enteignung ausser Landes schaffen konnten. Der "wahre Schuldige", also der stinknormale Bankkunde, wird bei jeder anstehenden "Rettung" nicht nur in Zypern sondern überall in Europa sofort sein Geld sehen wollen. Das einzig positive daran ist, dass das ein weiterer Schritt in Richtung Ende der Friedenswährung sein dürfte.
3.
Kurt Köster 06.04.2013
Zitat von sysopNein, eine neue Zwangsabgabe für die Kunden von Genossenschaftsbanken wird es nicht geben, beteuert die zyprische Regierung. Sie will so die Sparer im Land beruhigen, die in Scharen zu den Geldinstituten geeilt waren. Zuvor hatten Gerüchte, verbreitet per SMS und E-Mail, die Anleger beunruhigt. Zypern dementiert weitere Zwangsabgabe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-dementiert-weitere-zwangsabgabe-a-892910.html)
Schon klar. Die Medien hatten sich auf einen Bankrun gefreut. Da dieser aber ausblieb, mußten sie mit ihren Kameras achselzuckend wieder abziehen. "Außer Spesen nichts gewesen", hieß es auf dem Rückflug. Die Bilder, die wir jetzt bekommen, sind eine Art Ersatz. Nach dem Motto: Wenn wir schon nicht von einem großen Crash berichten können, zeigen wir wenigstens ein Foto, wo Menschen auf Zypern vor einer Bank warten. Wenn ich in Dortmund zu meiner Sparkasse gehe, stehe ich auch oft in so einer Reihe geduldig wartender Menschen. Nur käme in Dortmund natürlich niemand auf die Idee, daraus eine Schlagzeile zu machen: *Dortmunder stürmen eine Sparkassen-Filiale. * *Steht das deutsche Bankensystem vor dem Aus?* Die Zyprer haben eine bewundernswerte Gelassenheit an den Tag gelegt und sich als echte Europäer erwiesen. Darüber sollte berichtet werden!
4.
peterkamm-mueller 06.04.2013
In Zypern scheint man hypernervös- und vermutlich nicht ganz unbegründet. Auch in der restlichen "Zone" wird sich diese Nervosität sehr bald wieder zeigen, denn die Krise ist noch nicht verbei. Sie hat gerade erst angefangen. Immer mehr Arbeitslose, Gesellschaften ohne "Geschäftsmodell", weiterhin rasende Staatsschulden in Großstaaten...Nein, es gibt wahrhaftig keinen Grund sich ruhig schlafen zu legen!
5.
herbert_schwakowiak 06.04.2013
Zitat von sysopNein, eine neue Zwangsabgabe für die Kunden von Genossenschaftsbanken wird es nicht geben, beteuert die zyprische Regierung. Sie will so die Sparer im Land beruhigen, die in Scharen zu den Geldinstituten geeilt waren. Zuvor hatten Gerüchte, verbreitet per SMS und E-Mail, die Anleger beunruhigt. Zypern dementiert weitere Zwangsabgabe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-dementiert-weitere-zwangsabgabe-a-892910.html)
Pah, auch diese Zwangsabgabe wird in ein paar Tagen alternativlos sein, denn die zyprische Regierung kann wahrscheinlich nach den Geldabzügen über die Londoner und Moskauer Filialen, die neulich bekannt wurden, den von der EU geforderten Eigenanteil am Rettungspaket nicht anders zusammenbekommen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Schuldenkrise in Zypern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 122 Kommentare

Fotostrecke
Bankenkrise in Zypern: Kreativer Jungunternehmer