Hilfspaket: Die gefährlichen Folgen der Zypern-Rettung

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Den größten Unfall haben die Euro-Finanzminister gerade noch verhindert. Doch auch wenn Zypern zunächst gerettet wird: Das Drama der vergangenen Tage könnte verheerende Folgen für das Land und die gesamte Währungsunion haben.

Hamburg - Erschöpft sahen die Verhandlungsführer in Brüssel gegen 2 Uhr morgens aus, übermüdet und abgespannt. So richtig nach Feiern war den Beteiligten nicht zu Mute - weder den Rettern, noch den Geretteten. "Wir haben sicherlich Zeit verloren", sagte Wolfgang Schäuble nachdem die Euro-Finanzminister am frühen Montagmorgen ein Hilfspaket für Zypern gebilligt hatten. Die Lage des Landes habe sich nicht verbessert, erklärte der deutsche Minister. "Das ist bitter, auch für Zypern." Schäubles Amtskollege aus Nikosia gab sich zerknirscht: "Es wäre unrealistisch zu sagen, dass wir keine bedeutenden Verluste erleiden."

Auch wenn es so aussieht, als habe die Brüsseler Rettungs- und Kompromissmaschinerie am Ende doch wieder gewohnt zuverlässig funktioniert - diesmal ist etwas anders: Es gibt in diesem Drama um Zypern keine Gewinner. Alle haben irgendwie verloren.

Die Euro-Zone hat das Problem an ihrem äußeren Rand lange unterschätzt. Wie soll ein Staat mit weniger als einer Million Einwohnern, der gerade mal 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung des Währungsraums ausmacht, zur Gefahr für den Euro werden? Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie genau das passieren kann. Es war ein Rettungsdesaster, das mehr hinterlassen wird als einen Kratzer im Euro-Vertrauen.

Eine Bank geht Pleite - und die Finanzmärkte jubeln

Dabei ist der Plan, der nun am Ende heraus kam, das Beste, was in dieser Situation möglich war. Er setzt dort an, wo das zyprische Problem entstanden ist: im aufgeblähten Bankensektor. Von dem wird nicht mehr viel übrig bleiben.

Die zweitgrößte Bank Laiki soll sogar ganz geschlossen und abgewickelt werden. Lediglich Sparer bis 100.000 Euro sollen ihre Guthaben behalten können, alle anderen Beteiligten werden viel Geld verlieren, wenn nicht sogar alles: das gilt für Aktionäre, Anleihenbesitzer und betuchte Kunden.

Dem anderen großen Geldhaus des Landes wird es nur unwesentlich besser ergehen: Die Bank of Cyprus soll zwar überleben, wird aber kräftig schrumpfen. Sie muss die Schulden des Konkurrenten Laiki bei der zyprischen Notenbank übernehmen - immerhin rund neun Milliarden Euro. Aktionäre, Gläubiger und reiche Kunden werden so viel Geld verlieren wie nötig, um die Bank wieder krisenfest zu machen. Laut einem Regierungssprecher sollen Guthaben über 100.000 Euro rund 30 Prozent ihres Wertes verlieren.

Das ist das einzig Gute am zyprischen Drama: Es zeigt, dass man eine bedeutende Bank abwickeln und eine zweite schrumpfen kann, ohne dass die Finanzmärkte verrücktspielen. Im Gegenteil: An den Börsen schossen die Kurse am Montag sogar nach oben. Der deutsche Aktienindex Dax Chart zeigen eröffnete ein Prozent im Plus. Der Euro Stoxx 50 Chart zeigen legte sogar um 1,3 Prozent zu.

Das war es dann aber auch schon fast mit den positiven Nachrichten. Sicher, Staatsbankrott und Euro-Austritt sind fürs Erste verhindert. Doch der Fall Zypern wird Folgewirkungen haben - für das Land selbst und für die Euro-Zone:

  • Sparer in Krisenländern können sich in Zukunft nicht mehr uneingeschränkt auf die staatliche Einlagensicherung verlassen. Auch wenn am Ende nur Guthaben über 100.000 belastet werden: Der erste Vorschlag zur Zypern-Rettung hat gezeigt, dass die Euro-Finanzminister offenbar auch keine Probleme damit haben, den Kleinsparern ans Geld zu gehen. Daran werden sich die Bankkunden in Spanien, Portugal oder Griechenland erinnern, wenn es mal wieder um die Rettung ihres Landes geht - genauso wie an die in Zypern eingeführten Beschränkungen für Bargeldabhebungen und Überweisungen. Es ist das erste Mal, dass der freie Kapitalverkehr innerhalb der Euro-Zone eingeschränkt wird.
  • Deutschland ist die ungeliebte Hegemonialmacht in der Euro-Zone. Das war zwar auch schon vorher so. Doch das Auftreten der Bundesregierung im Kampf um die Zypern-Rettung hat den Unmut vieler Menschen in den Krisenländern noch einmal verschärft. Die Kluft zwischen Schuldner- und Gläubigerstaaten ist weiter gewachsen.
  • Zypern wird womöglich schon bald wieder ein Fall für den Rettungsschirm. Fürs Erste bekommt der Staat zwar zehn Milliarden Euro, um seinen Haushalt zu sanieren. Doch die Frage ist, wie lange das Geld reichen wird. Durch die zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds ESM werden die Schulden des Landes auf bis zu 140 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen. Zypern wird damit nach Griechenland zum Land mit der zweithöchsten Schuldenquote in der Euro-Zone. Und dieser Wert steigt automatisch weiter, wenn die zyprische Wirtschaft schrumpft.
  • Eine schwere Rezession scheint unsausweichlich. Zyperns Geschäftsmodell ist ruiniert. Der Finanzsektor war bisher neben dem Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Er wird nun so stark eingedampft, dass er künftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird. Zudem sieht die Einigung mit den Euro-Finanzministern vor, dass auch die Kapitalertragssteuer und die Unternehmensteuer erhöht werden. Unter diesen Umständen werden die reichen Russen, Ukrainer und Briten, die Zypern bisher gerne als Steueroase und Geldspeicher genutzt haben, wohl die Lust auf das Land verlieren. Wo künftig das Wirtschaftswachstum herkommen soll, ist unklar.

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insgesamt 470 Beiträge
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1. Zyprische Vermögen geschont, der deutsche Steuerzahler blutet mal wieder ...
smithyk 25.03.2013
... ein Hoch auf den Euro. Wenn ein Land aus dem Euro raussollte, dann ist das Deutschland.
2. Kohls Erbe
vinodissimo 25.03.2013
Was für ein Erbe hat Kohl seinem ehemaligen Freund Schäuble hinterlassen. Während der eine sich für sein europäisches Engagement mit dem Karlspreis auszeichnen ließ, sitzt Schäuble bis nachts um 2.00 in Brüssel am Verhandlungstisch und ruiniert seine Gesundheit.
3. Wer hat was verloren?
CyberDyne 25.03.2013
Zitat von sysopDen größten Unfall haben die Euro-Finanzminister gerade noch verhindert. Doch auch wenn Zypern zunächst gerettet wird: Das Drama der vergangenen Tage könnte verheerende Folgen für das Land und die gesamte Währungsunion haben. Zypern: Die Auswirkungen des Rettungsdramas auf die Euro-Zone - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-die-auswirkungen-des-rettungsdramas-auf-die-euro-zone-a-890717.html)
Egal wer was verloren hat, die abgebildeten Personen inkl. der zypriotischen Politiker haben garantiert keinen Cent verloren. Im Gegenteil, ich möchte behaupten, dass einige Vermögen auf Zypern sicher noch gewachsen sind durch den ganzen Schlamassel.
4. Das Foto sagt alles!
prince62 25.03.2013
Zitat von sysopDen größten Unfall haben die Euro-Finanzminister gerade noch verhindert. Doch auch wenn Zypern zunächst gerettet wird: Das Drama der vergangenen Tage könnte verheerende Folgen für das Land und die gesamte Währungsunion haben. Zypern: Die Auswirkungen des Rettungsdramas auf die Euro-Zone - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-die-auswirkungen-des-rettungsdramas-auf-die-euro-zone-a-890717.html)
Schaut man sich die Damen und Herren Entscheidungsträger auf dem Foto an, so sieht man deutlich, daß diese Nullen mit ihren Rezepten und Möglichkeiten schon lange am Ende angekomen sind. Die wissen jetzt schon ganz genau, daß es in wenigen Tagen wieder von vorne beginnt, Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, Belgien, das Spiel kann von vorne beginnen, wird es auch.
5. Zypern ist out, jetzt aber richtig
ein-berliner 25.03.2013
Die Insel wird abgewickelt, jetzt endlich an die wirklichen Abzocker: Luxemburg raus aus dem Euro. Wir brauchen diese Banker nicht. Die gefählichen Folgen der Z-Rettung werden damit eliminiert.
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