Vorbereitung auf Bankenöffnung: EZB füllt Zyperns Geldspeicher auf

Lastwagen vor der zyprischen Zentralbank: Milliarden von der EZB Zur Großansicht
DPA

Lastwagen vor der zyprischen Zentralbank: Milliarden von der EZB

Zypern rüstet sich für einen Ansturm auf seine Banken. In einer nächtlichen Geheimaktion ließ die EZB frisches Bargeld nach Nikosia transportieren - angeblich fünf Milliarden Euro. Am Donnerstagmittag sollen die Finanzinstitute des Landes nach fast zwei Wochen wieder öffnen.

Nikosia - Der Countdown läuft: Um 12 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) öffnen Zyperns Banken. Es wird erwartet, dass die Bürger des Euro-Landes zu Tausenden auf ihre Ersparnisse zugreifen. Sicherheitskräfte sollen Chaos und Kriminalität verhindern. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf. Bis 18 Uhr können die Kunden Geld abheben - allerdings mit gravierenden Einschränkungen, wie die Zentralbank Zyperns und das Finanzministerium in Nikosia mitteilten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt sich offenbar auf einen Ansturm der Kunden ein - und hat deshalb massenweise frisches Bargeld nach Zypern geschickt. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und die griechische Zeitung "Kathimerini". In der Nacht brachten demnach Lastwagen das Geld von Larnaka zu einem Gebäude der zyprischen Zentralbank in der Hauptstadt Nikosia. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Konvoi, schwerbewaffnete Sicherheitskräfte überwachten den Transport. Laut "Kathimerini" soll es sich um fünf Milliarden Euro Bargeld handeln - ein Vielfaches dessen, was in der zyprischen Wirtschaft normalerweise in Umlauf ist. Die EZB wollte weder den Transport selbst noch die berichtete Summe kommentieren.

Fotostrecke

4  Bilder
Zypern-Krise: Warten auf den Bankensturm
Die zyprische Zentralbank hat den Zugriff der Kunden auf ihre Guthaben beschränkt. Pro Person und Konto sollen die Zyprer maximal 300 Euro pro Tag abheben dürfen - weniger als zunächst angenommen. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Onlinebanking-System werden wieder erlaubt. Damit sollen alle Angestellten ihre Gehälter erhalten. Zudem sollen weitere Einschränkungen des Zahlungsverkehrs den Abfluss von Kapital nach einer Öffnung der Banken verhindern. Der Beschluss der zyprischen Zentralbank sieht Grenzen für Auslandsüberweisungen sowie Auflagen für Immobilienverkäufe und für die Abwicklung von Exportgeschäften vor. Wie lange die Beschränkungen gelten sollen, wurde nicht mitgeteilt. Zyperns Finanzminister hatte zuvor von "wenigen Wochen" gesprochen.

Mit den Vorgaben wollen die Behörden verhindern, dass verschreckte Bankkunden ihr Geld ins Ausland schaffen. Die Kapitalverkehrskontrollen stehen eigentlich dem EU-Prinzip eines freien Geld- und Warenverkehrs entgegen. Experten warnen bereits vor einer Spaltung der Währungsunion: Der Zypern-Euro könnte wegen der Kontrollen bald weniger Wert sein als ein Euro im restlichen Währungsgebiet.

Pimco-Chef rechnet mit Sturm auf die Banken

Anfang der Woche hatte sich die zyprische Regierung mit ihren internationalen Geldgebern auf ein milliardenschweres Hilfsprogramm geeinigt. Bedingung ist allerdings, dass auch die Aktionäre, Gläubiger und Kunden der beiden größten zyprischen Banken einen Teil zur Rettung beitragen. Die Institute Laiki und Bank of Cyprus sollen zusammengelegt und drastisch geschrumpft werden. Kleinsparer mit Guthaben bis 100.000 Euro sind davon zwar nicht betroffen. Viele Anleger sind aber dennoch verunsichert.

Seit dem 16. März konnten sich die Menschen im griechischen Teil der Insel nur noch aus Geldautomaten mit Bargeld versorgen. Entsprechend groß ist die Sorge vor einem Ansturm. Die Sicherheitskräfte seien vor der Öffnung der Banken in Bereitschaft, sagte der zyprische Polizeisprecher Andreas Angelides. "Wir haben alle nötigen Maßnahmen getroffen, damit die Leute geschützt werden. Wir fordern alle Leute auf, auch selbst aufmerksamer zu sein, wenn sie die Bank verlassen", sagte Angelides. In allen Radio- und Fernsehsendern riefen Sprecher von Behörden und Institutionen zur Ruhe auf. "Ruhe bewahren. Nicht in die Banken strömen. Was man heute nicht erledigen muss, kann man auch morgen machen", sagte Aliki Stylianou, die Sprecherin der Zentralbank.

Der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed El-Erian, befürchtet einen Massenansturm auf die Banken in Zypern und anderen Euro-Staaten. Das Risiko müsse genau beobachtet werden, sagte El-Erian der "Bild"-Zeitung. "Sobald ein Sturm auf die Banken erst einmal begonnen hat, macht es für alle Sinn, mitzumachen. Deshalb lässt er sich so schwer stoppen." Die Allianz-Tochter werde erst dann wieder zyprische Staatsanleihen kaufen, wenn die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum, mehr Beschäftigung und Finanzmarktstabilität geschaffen seien.

Unterdessen hat Zyperns Außenminister Ioannis Kasoulidis die Euro-Zone angesichts der Bedingungen für das Hilfspaket kritisiert. "Um es ganz offen zu sagen: Wir haben dieses Vorgehen nicht als europäische Solidarität empfunden", sagte Kasoulidis in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er verwies auf den zur Abwendung eines Staatsbankrotts abverlangten Eigenbeitrag von 5,8 Milliarden Euro. Dieser war die Voraussetzung für die Einigung auf das Hilfspaket.

Die deutschen Steuerzahler würden vergessen, dass sie ihr Geld, mit dem in Schwierigkeiten geratenen Staaten der EU geholfen werde, nicht nur verzinst zurückerhielten, sondern dass die in den Süden transferierten Milliarden auch dem Erhalt der Absatzmärkte in der EU diene. Bei der Frage, wie sich Zyperns Krise besser hätte lösen lassen, zeigte sich der Minister jedoch ratlos: "Ehrlich gesagt: Ich weiß es auch nicht."

Zypern habe während der Verhandlungen in der vergangenen Woche sogar kurz vor der Entscheidung gestanden, aus der Euro-Zone auszuscheiden. "Das war eine Möglichkeit, die wir zeitweilig ernsthaft in Betracht ziehen mussten", sagte Kasoulidis der Zeitung. Es war das erste Mal, dass ein Minister eines Mitglieds der Euro-Zone zugab, sein Staat habe selbst einen Rückzug aus der gemeinsamen Währung erwogen.

suc/stk/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 169 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wofür
meisenprinz 28.03.2013
werden 5 Milliarden Einheiten frisch gepressten Papiergeldes benötigt, wenn jeder Bürger doch nur 300 Euro pro Tag bekommt?
2. Warum diese Beleidigungen?!
Markus M. 28.03.2013
Unabhängig davon, ob Zypern überhaupt Hilfsmilliarden der EZB in Höhe von 10 Mrd. EUR hätte bekommen sollen. Was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass einige Zyprioten immer wieder die "Nazikeule" rausholen und (auch wenn man Sie nicht leiden kann) Frau Merkel aufs übelste diffamieren. Warum hört man keinen Stimmen aus dem zypriotischen Parlament, dass dies absolut unangebracht ist. Liegt das nun an unsern Medien - die darüber nicht berichten (wollen) - oder tatsächlich an Zypern? Es kann natürlich auch sein, dass wir mit unserer Vorgeschichte besonders auf solche Nazisymbolik mit Abneigung reagieren?
3. ade Freiheit
nixda 28.03.2013
ein ganzes Volk bekommt also einen Vormund. Zypern bekam doch erst Probleme nachdem Griechenland fiel. Ohne den Euro hätte Zypern dieses Problem wohl nicht am Hals. Wieso soll nun ein Volk haften für etwas das ein paar wenige sich ausgedacht haben? Und wenn jetzt wieder alle auf Merkel schimpfen; dieser ganze Schrot wurde lange vor ihr ausgedacht und Rot-Grün hätte die ganzen Jahre vor Merkel auch etwas unternehmen können, hätten sie gewollt.
4. Dieser Bankrun
donrealo 28.03.2013
war abzusehen und vermutlich deshalb auch Teil der Planung. Die Frage, die sich stellt ist wie werden diese 5000 Mio denn nun bei der EZB verbucht und wer haftet dafür?
5. verzinst zurückerhalten...?
winnirich 28.03.2013
...gibt's in Deutschland wirklich eine Person, die daran glaubt?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Schuldenkrise in Zypern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 169 Kommentare