Von Stefan Kaiser
Hamburg - Noch ein paar Wochen, dann ist Schluss: Spätestens im Juni braucht der zyprische Staat frisches Geld. Wenn er bis dahin keine Hilfe von außen bekommt, ist er pleite. Für die beiden großen Banken des Landes könnte es noch schneller gehen. Die Bank of Cyprus und die Laiki Bank überleben derzeit nur mit Nothilfen der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch die hat schon gedroht: Sollte Zypern sich nicht auf das ausgehandelte Rettungspaket von Euro-Staaten und Internationalem Währungsfonds (IWF) einlassen, könnte der Geldfluss schon in wenigen Tagen versiegen.
Die Banken sind das eigentliche Problem Zyperns. Völlig überdimensioniert, vollgepumpt mit griechischen Staatsanleihen, de facto schon jetzt pleite. Ohne sie wäre Zypern wohl gar nicht zum Fall für den Euro-Rettungsschirm geworden. Die Schieflage der Geldhäuser hat Zyperns Ruf an den internationalen Finanzmärkten ruiniert. Vor allem deshalb leihen Investoren dem Land kein Geld mehr.
Schon im vergangenen Jahr musste der Staat der zweitgrößten Bank Laiki mit 1,8 Milliarden Euro beispringen. Das sind rund zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Nun benötigt der marode Finanzsektor weitere 10,8 Milliarden Euro. Für einen kleinen Staat mit knapp einer Million Einwohner ist das eine unvorstellbar hohe Summe. Sie macht den Großteil der 17,5 Milliarden Euro aus, die Zypern insgesamt für seine Rettung benötigt.
Vor diesem Hintergrund erscheint es nur logisch, dass Euro-Staaten und IWF das Land dazu drängen, die Banken finanziell an der Rettung zu beteiligen. Die Frage ist nur: Wo ist da noch was zu holen - außer bei den Kontoinhabern?
Experten halten es deshalb für die sauberste Lösung, die beiden größten zyprischen Banken in eine geordnete Insolvenz zu schicken und abzuwickeln. "Das wäre deutlich sinnvoller, als die kleinen Sparer abzuzocken", sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim.
Auch bei einer solchen Bankpleite müssten die Sparer bluten - allerdings nur die großen. Guthaben bis 100.000 Euro wären durch die staatliche Einlagensicherung geschützt. Zudem würden die Aktionäre und Anleihengläubiger ihre Einsätze weitgehend verlieren.
Die sonst stets befürchteten Ansteckungseffekte für Banken anderer Länder wären in diesem Fall eher gering, meint Experte Burghof. Laut Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel hatten die zyprischen Banken Ende September 2012 gerade mal 441 Millionen Dollar Schulden bei ausländischen Banken - eine absolut verkraftbare Dimension. Zum Vergleich: Im Fall Spaniens waren es 132 Milliarden Dollar.
Zypern fürchtet um sein Geschäftsmodell
Lediglich für Griechenland bestünde eine gewisse Gefahr: Die dort tätigen Tochtergesellschaften der zyprischen Banken müssten abgetrennt und separat weiterbetrieben werden - zum Beispiel durch griechische Institute. Das sieht der Rettungsplan der Euro-Gruppe aber ohnehin vor.
Dem Vernehmen nach war die Abwicklungslösung auch Teil der Verhandlungen zwischen den Euro-Staaten, Zypern und dem IWF. Zusammen mit den zugesagten zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsfonds ESM wäre so genug Geld zusammengekommen, um den ganzen Staat vor der Pleite zu retten. Doch die zyprische Regierung soll sich vehement dagegen gesträubt haben. Denn mit der Abwicklung seiner beiden größten Institute würde das Land sein bisheriges Geschäftsmodell beerdigen: Es wäre das Ende Zyperns als bedeutender Finanzstandort. Kaum ein ausländischer Investor würde sein Geld mehr dort parken - selbst wenn die Steuern noch so niedrig wären.
Zypern müsste sich also neu erfinden. Bisher macht der Finanz- und Immobiliensektor rund ein Viertel der Bruttowertschöpfung des Landes aus. Ein weiteres Viertel entfällt auf den Tourismus. Die Industrie kommt nur auf rund zwölf Prozent. Zypern hat sein Schicksal mit dem seiner Banken verknüpft. Solange die Regierung nicht bereit ist, dies zu ändern, steuert sie geradewegs auf den Staatsbankrott zu.
Mitarbeit: Julian Kutzim
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