Zypern-Methode: Moody's rechnet mit Euro-Rettern ab

Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem, IWF-Chefin Lagarde: "Zuversicht fehl am Platze" Zur Großansicht
AP/dpa

Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem, IWF-Chefin Lagarde: "Zuversicht fehl am Platze"

Die Rating-Agentur Moody's geht nach der Zypern-Rettung hart mit den Verantwortlichen der Euro-Zone ins Gericht. Deren Krisenmanagement sei stümperhaft gewesen, ihre Selbstsicherheit fehl am Platze. Das Antasten der Bankeinlagen könne sich als gefährlicher Präzedenzfall herausstellen.

London - Die Regierungen der Euro-Zone laufen nach Ansicht von Moody's Gefahr, sich bei der Bewältigung der Schuldenkrise zu überschätzen. Ihr Vorgehen bei der Zypern-Rettung sei stümperhaft gewesen, insgesamt wirke sich die dabei gewählte Strategie negativ auf die Kreditwürdigkeit der Mitglieder des Währungsraums aus. Dass die Sparer einen Beitrag zur Sanierung der Banken leisten müssen, könnte als gefährlicher Präzedenzfall aufgefasst werden, sagte Moody's-Experte Bart Oosterveld in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Offenbar seien die Politiker auch nach ihrem ungeschickten Vorgehen im Fall Zyperns davon überzeugt, ein Übergreifen der Krise auf weitere Euro-Länder verhindern zu können. "Diese Zuversicht könnte fehl am Platze sein", warnte Oosterveld. So könnten auch die Anleger in anderen Schuldenstaaten der Euro-Zone aus Angst um ihre Ersparnisse ihre Konten plündern, weil sie - wie auch zahlreiche Analysten - davon ausgehen, dass das Beispiel bei künftigen Krisen Schule machen könne.

Eben diese Spekulationen hatten auch für Kurseinbrüche an den Börsen gesorgt. Angeheizt hatte sie unter anderem Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, der mit markigen Worten von Zypern als Modellfall gesprochen hatte. Auch wenn er später versuchte zurückzurudern und weitere prominente Vertreter der Euro-Zone widersprachen, blieben die Anleger verunsichert.

Fitch droht Zypern mit Herabstufung

Die Fachleute von Moody's machten allerdings keine konkreten Angaben dazu, ob etwa Italien mit einer Herabstufung rechnen muss. Das Euro-Krisenland wird derzeit von Moody's mit Baa2 bewertet. Sie würden nun die Bemühungen zur Bildung einer neuen Regierung genau beobachten, sagten die Experten der Rating-Agentur. Mit der Bewertung der Bonität für Spanien seien sie hingegen derzeit zufrieden.

Auch Fitch reagiert auf die Zypern-Rettung: Die Rating-Agentur hat dem Land mit einer baldigen erneuten Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit gedroht. Das bisherige Rating B werde wegen des angeschlagenen Bankensektors unter verschärfte Beobachtung gestellt, teilte Fitch am Dienstag mit. Die Agentur bewertet Zypern aber weiter weniger negativ als Standard & Poor's (CCC) und Moody's (Caa3).

Vor allem das gescheiterte zyprische Bankensystem sei für die Entscheidung verantwortlich, heißt es in der Mitteilung von Fitch. Ob es tatsächlich zu einer Herabstufung kommt, hänge von den Einzelheiten des mit der Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) vereinbarten Programms ab. Entscheidend sei auch die Bereitschaft der zyprischen Behörden zur Umsetzung von Reformen.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 169 Beiträge
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1. Das wäre alles einfacher
thorsten wulff 27.03.2013
wenn den Euro-Rettern nach dem Job Arbeitlsosengeld und Hartz 4 drohen würde… dann würden die Damen und Herren sich auch mal anstrengen und nicht permanent Mist bauen.
2. Die "Euroretter"
Kohle&Reibach 27.03.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Rating-Agentur Moody's geht nach der Zypern-Rettung hart mit den Verantwortlichen der Euro-Zone ins Gericht. Deren Krisenmanagement sei stümperhaft gewesen, ihre Selbstsicherheit fehl am Platze. Das Antasten der Bankeinlagen könne sich als gefährlicher Präzedenzfall herausstellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-moody-s-warnt-euro-retter-vor-selbstueberschaetzung-a-891196.html
Merkel und Schäuble verspielen gerade das gesamte Vertrauen, das sich Deutschland in mehr als 50 Jahren europäischer Einigung Aufgebaut hat. Wessen Einlagen sind noch Sicher? Offiziell haben wir zwar einen Euro, aber faktisch sind es längst 17 verschiedene Euros, was jeder VWL- Student im ersten Semester vorhersagen konnte! Dies ist das Ende eines fairen Wettbewerbs, zerstört den Binnenmarkt und wird einige Europäer langfristig zwingen, den Euro zu verlassen. Den „Experten“ aus Deutschland und Brüssel wird nun endlich ihre „Währungsunion“ um die Ohren fliegen. Als Belohnung für Dumpinglöhne, prekäre Arbeitsverhältnisse, Zeitarbeit, Aufstocker und Sozialdumping. Immerhin hat unsere Regierung es geschafft, die Reallöhne 1,8% unter dem Niveau von 2000 !!! zu halten. Das ist wahrlich die „erfolgreichste“ Regierung aller Zeiten. Vielen Dank!
3. Die haben es nötig!
Blaufrosch 27.03.2013
Die Rating-Mafia sollte besser die Klappe halten. Das überbezahlte Heer von Nadelstreifennieten hatte ja nun maßgeblichen Anteil an der Finanzkrise 2008. Jetzt nun mit schlauem Besserwissen rumzupöbeln zeigt nur deren nachhaltigen Hang zum einseitigen "Bewerten" ... Alle diese Rater sind US-Firmen... komisch nur, dass die USA nie herabgestuft werden, auch nicht zu Zeiten der schlimmsten Wirtschaftskrisen. Also kann man das Gesabbel schlicht nicht Ernst nehmen.
4. Mag ja alles sein !
Jonny_C 27.03.2013
Zitat von sysopGetty ImagesDie Rating-Agentur Moody's geht nach der Zypern-Rettung hart mit den Verantwortlichen der Euro-Zone ins Gericht. Deren Krisenmanagement sei stümperhaft gewesen, ihre Selbstsicherheit fehl am Platze. Das Antasten der Bankeinlagen könne sich als gefährlicher Präzedenzfall herausstellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-moody-s-warnt-euro-retter-vor-selbstueberschaetzung-a-891196.html
Mag ja alles sein was Moody's im nachherein schreibt. Eines bitte dabei aber NICHT vergessen: Was war der "grundsätzlich Auslöser" der Euro-Krise (naja neben der Einführung des Euros, den Immobilien-Blasen, usw.) das war die LEHMAN BROTHERS Pleite. Wer gab Lehman ein AAA Ranking ? Genau MOODY'S.
5. stuemperhaftes krisenmanagement...
kolibri73 27.03.2013
Und zur schau gestellte widersprueche gepaart mit ueberheblichkeit. das ist eine mischung die niemanden ueberzeugt, dass die eurokrise bewaeltigt werden wird.
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