Bankensanierung auf Zypern: Kirche droht Verlust von hundert Millionen Euro

Nicht nur reichen Russen drohen auf Zypern hohe Verluste. Die orthodoxe Kirche des Landes muss laut ihrem Erzbischof hundert Millionen Euro abschreiben. Schon am Montag soll die marode Laiki-Bank geschlossen werden.

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Erzbischof Chrysostomos: "Die Kirche wird es überleben"

Nikosia - Die orthodoxe Kirche Zyperns erwartet infolge der beschlossenen Restrukturierung des Bankensektors hohe Einbußen. Durch die Beteiligung großer Vermögen an der Sanierung der Finanzbranche werde der Kirche ein Verlust von hundert Millionen Euro entstehen, sagte Erzbischof Chrysostomos.

"Die Kirche wird es aber überleben", so der Geistliche weiter. Man habe in schwierigen Zeiten sogar die Abendmahlkelche verkauft, um Krisen zu überwinden, hieß es. Der Erzbischof äußerte sich enttäuscht über die Haltung der EU. "Wir hatten an ein anderes Europa geglaubt", sagte er. Die "großen Starken" hätten sich aber durchgesetzt.

In der Nacht zu Montag hatte sich Zypern mit seinen internationalen Geldgebern auf einen Rettungsplan geeinigt. Er sieht vor, das zweitgrößte Geldhaus des Landes, die staatliche Laiki-Bank, abzuwickeln. Die Überbleibsel sollen mit dem größten Institut, der Bank of Cyprus, zusammengeführt werden. Bei beiden Instituten werden Vermögen von mehr als 100.000 Euro eingefroren und zur Sanierung der Banken herangezogen.

"Öffnung so schnell wie möglich"

Die Schließung der Laiki-Bank soll nach Worten von Österreichs Finanzministerin Maria Fekter noch am Montag erfolgen. "Die Abwicklung der Laiki-Bank wird bereits heute gemacht, weil die keine Liquidität mehr hat", sagte Fekter der Austria Presse Agentur. Alle gesicherten Einlagen würden in die Bank of Cyprus überführt. Die übrigen zyprischen Banken könnten am Dienstag wieder Schritt für Schritt geöffnet werden, sagte Fekter.

Informationen des Staatsrundfunks von Zypern bestätigten die Angaben Fekters. Die Banken des Landes würden am Dienstag wieder öffnen, habe demnach der Chef des Verbands der zyprischen Bankangestellten am Montag in Nikosia mitgeteilt. Offiziell war der Termin für die Wiedereröffnung der seit Tagen geschlossenen Banken jedoch zunächst weiter unklar, eine Bestätigung der Zentralbank des Landes lag noch nicht vor. Aus Regierungskreisen in Nikosia hieß es, die Öffnung solle "so schnell wie möglich" geschehen. Derzeit bekommen Kunden nur am Automaten Bargeld in begrenzter Höhe.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, im Laufe des Tages müsse entschieden werden, wann und wie die zyprischen Banken öffnen können. Daraus dürften keine "zusätzlichen Probleme" entstehen, sagte Schäuble mit Blick auf die Sorgen vor einem Ansturm zyprischer Sparer auf die Banken.

Bankangestellte betonten in Nikosia, die Geldinstitute könnten nicht auf die Schnelle geöffnet werden. Erst müsse die Zentralbank Zyperns den Banken die genauen Einschränkungen für den Zahlungsverkehr vorgeben. Erwartet wird, dass Kunden auch weiterhin nur einen Höchstbetrag pro Tag oder Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen und dadurch das System zusammenbricht.

dab/dpa/Reuters

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