Zypern: Freier Kapitalverkehr frühestens in einem Monat

Andrang vor einer Laiki-Bank-Filiale in Nikosia (am Donnerstag): Kontrollen in Kraft Zur Großansicht
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Andrang vor einer Laiki-Bank-Filiale in Nikosia (am Donnerstag): Kontrollen in Kraft

Die Zahlungsströme auf Zypern werden wohl erst in einem Monat wieder ungehindert fließen. Davon geht die Zentralbank des Landes aus, wie Außenminister Kasoulides mitteilte. Experten warnen vor zu lange andauernden Kontrollen - diese könnten zu einem Devisen-Schwarzmarkt führen.

Nikosia - Die Banken in Zypern sind seit dem Mittag wieder geöffnet - doch das Geld fließt vorerst noch nicht ungehindert: Wohl noch einen Monat lang werden die Kapitalverkehrskontrollen in Zypern bestehen bleiben, sagte Außenminister Ioannis Kasoulides am Donnerstag.

"Wir erwarten, dass die Beschränkungen in einem Monat aufgehoben werden, wenn es so gut weiterläuft wie heute", sagte Kasoulides wörtlich und bezog sich auf die ruhige Reaktion der Zyprer auf die Wiedereröffnung der Geldhäuser. Die Maßnahmen würden dabei Schritt für Schritt aufgehoben, bis sie nach etwa einem Monat vollständig außer Kraft seien.

Die von der Regierung erlassenen Kontrollen der Kapitalströme sollen verhindern, dass Geld massenhaft außer Landes geschafft wird, nachdem die Banken erstmals nach zehn Tagen wieder öffneten. So dürfen Bankkunden pro Tag derzeit nicht mehr als 300 Euro abheben. Zahlungen im Ausland, etwa mit Kreditkarte, sind nur bis zu 5000 Euro im Monat zulässig.

Überweisungen ins Ausland sind weitgehend untersagt. Wer das Land verlässt, kann maximal 1000 Euro in bar mitnehmen. Zudem können Schecks nicht gegen Bargeld eingelöst, sondern nur auf ein Konto eingezahlt werden. Die Regierung hatte ursprünglich davon gesprochen, dass die Kontrollen nach sieben Tagen stetig überprüft werden sollten.

Börsen reagieren erleichtert auf Bankenöffnung

Experten halten umfassende und lang anhaltende Kapitalverkehrskontrollen für gefährlich, wie der frühere Bundesbanker und jetzige Vizedirektor der Brüsseler Denkfabrik Bruegel, Guntram Wolff, in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte. Derartige Beschränkungen könnten demach zu einer Art Schwarzmarkt für Devisen führen, weil Euro-Guthaben auf zyprischen Konten de facto nicht mehr den gleichen Wert wie jene außerhalb der Insel haben würden, solange man nicht frei über sie verfügen könne.

Am Donnerstag war der befürchtete Ansturm auf die zyprischen Banken am ersten Tag ihrer Wiedereröffnung ausgeblieben. Zyperns Präsident dankte den Bürgern des Landes für die Ruhe, die sie an den Tag gelegt hatten. Auch an den internationalen Finanzmärkten reagierten die Händler erleichtert: Der Euro-Kurs Chart zeigen stieg von seinem Viermonatstief von 1,2774 Dollar, das er am Mittwoch erreicht hatte, auf 1,2822 Dollar am Donnerstagnachmittag.

Auch der Dax Chart zeigen profitierte von der geglückten Bankenöffnung in Zypern. Das führende deutsche Börsenbarometer stieg am Donnerstag leicht um fast 0,1 Prozent auf 7795 Punkte. Im Vergleich zur Vorwoche bedeutet dies zwar einen Verlust von knapp eineinhalb Prozent, im ersten Quartal des Jahres konnte der Index jedoch um 2,4 Prozent zulegen.

Der EuroStoxx 50 Chart zeigen gewann am Donnerstag 0,4 Prozent hinzu, nachdem er zuvor fünf Tage in Folge gesunken war. Auch die Indizes der Börsen in Paris und London schlossen im Plus.

fdi/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Na ja, die Experten:
Baikal 28.03.2013
aus Griechenland sind ebenso wie aus Portugal Millionen in den Kauf englischer und französischer Immobilien geflossen, aber da waren Kapitalverkehrskontrollen noch der leibhaftige Teufel in Europa. Jetzt: was weg mußte ist weg, also den Rest einsperren, trifft ja keine Immobilienkäufer.
2. bla bla ... es ist ein bank run
A.bis.Z 28.03.2013
Alle haben soviel Geld abgehoben wie erlaubt war. Keine einzelne Person hat auf lhr Konto Geld eingezahlt. So wird es auch morgen (da ist es kein Karfreitag) weitergehen, usw..So definiert man einen bank run
3.
DerKritische 28.03.2013
Sie sehen das zwar richtig m.E., aber nicht die Politik.
4. Danke
singpat 28.03.2013
Zitat von A.bis.ZAlle haben soviel Geld abgehoben wie erlaubt war. Keine einzelne Person hat auf lhr Konto Geld eingezahlt. So wird es auch morgen (da ist es kein Karfreitag) weitergehen, usw..So definiert man einen bank run
Fuer Ihre hilfreiche Definition. Es zeugt von grossem Weitblick von "alle" und "keiner" zu sprechen... Scheinbar kommt es ja eben nicht zu einem Bank Run, denn es ist ja ruhig. Was sollen die Leute auch machen: Die wirklich Reichen und Wissenden haben ihr Geld in's Trockene gebracht. Die nicht so Klugen mit >100.000 werden bluten, da hilft auch kein Abheben von 300 EUR, die Guthaben oberhalb 100.000 werden wohl per heute schon eingefroren sein. Und die, die weniger haben, nun da wird nichts eingefroren und insofern muss man nicht in Panik geraten. So vermeidet man einen Bank Run.
5.
anon11 28.03.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Zahlungsströme auf Zypern werden wohl erst in einem Monat wieder ungehindert fließen. Davon geht die Zentralbank des Landes aus, wie Außenminister Kasoulides mitteilte. Experten warnen vor zu lange andauernden Kontrollen - sie könnten zu einem Devisen-Schwarzmarkt führen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-peilt-rueckkehr-zu-freien-kapitalverkehr-in-einem-monat-an-a-891642.html
Werden Euros aus Zypern jetzt speziell markiert? Nicht das man , illegal aus Zypern, an der Kapitalverkehrskontrolle vorbei, geschmuggelte "Schwarzgeldeuros" angedreht bekommt. Und wenn dann möchte ich doch für so einen minderwertigen Zyperneuro nicht einen ganzen, vollwertigen Deutschlandeuro geben. Da muss schon ein besseres Angebot her, so ein Wechselkurs 1 Zyperneuro = 0,1 Deutschlandeuro. ;) Hört sich bald an wie eine Rückkehr zu nationalen Währugen. :)
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