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Vorwurf des Interessenkonflikts: Zyperns Präsident will Notenbankchefin schassen

Zyperns Notenbankchefin Georghadji: Ruf als Korruptionsbekämpferin Zur Großansicht
AFP

Zyperns Notenbankchefin Georghadji: Ruf als Korruptionsbekämpferin

In Zypern eskaliert der Kampf um die Spitze der Zentralbank: Präsident Anastasiades drängt Notenbankchefin Georghadji zum Rücktritt. Ihr Ehemann vertritt eine Bank, die gegen die Notenbank Zyperns klagt. Die Chefin will aber nicht weichen.

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Nikosia - Es ist eine Auseinandersetzung mit harten Bandagen: In Zypern ist ein Machtkampf um die Spitze der Zentralbank entbrannt. Nachdem im Parlament schwere Vorwürfe wegen Interessenkonflikten gegen die Chefin der Notenbank, Chrystalla Georghadji, erhoben wurden, drängte Präsident Nikos Anastasiades sie zum Rücktritt.

Ein Sprecher des Präsidenten sagte nach einem Treffen des Präsidenten mit der Notenbankchefin am Sonntagabend, Anastasiades habe "keine andere Wahl", als den Generalstaatsanwalt darum zu bitten, die Fakten zu prüfen und die Absetzung Georghadjis in die Wege zu leiten. "Der Präsident bedauert, dass das Vertrauen in die Notenbank als auch in ihn erheblich erschüttert worden ist", sagte der Sprecher. Anastasiades habe sich deshalb bereits mit EZB-Chef Mario Draghi in Verbindung gesetzt. Der Präsident kann die Chefin der Notenbank nicht selbst entlassen.

Georghadji selbst teilte nach dem Treffen mit, sie werde ihr Amt weiterhin ausüben. Die Angelegenheit sei, was sie selbst anbelange, erledigt. "Wir haben eine Verfassung und Gesetze, die befolgt werden müssen und die die Unabhängigkeit meines Amtes schützen", sagte Georghadji.

Liste mit überschuldeten Abgeordneten

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Tatsache, dass der Ehemann Georghadjis als Inhaber einer Rechtsanwaltskanzlei den ehemaligen Chef der Laiki-Bank vertritt, die in der Finanzkrise 2013 geschlossen wurde. Pikant ist, dass der Ex-Bankchef rechtlich gegen die Notenbank Zyperns vorgeht.

Bereits im vergangenen Oktober hatte Anastasiades die Notenbankchefin kritisiert, weil sie nicht offengelegt hatte, dass auch ihre Tochter für die Anwaltskanzlei ihres Mannes gearbeitet hatte.

In der vergangenen Woche eskalierte die Affäre durch eine Sitzung des Ethikausschusses in Zyperns Parlament erneut. Ein Mitglied des Notenbankvorstands beschuldigte Georghadji, sie habe eine Liste von Abgeordneten mit überfälligen Krediten angefordert. Diese könnte als Druckmittel gegenüber Kritikern eingesetzt werden.

Ruf als Kämpferin gegen Korruption

Darüber hinaus warf der inzwischen zurückgetretene Notenbanker Georghadji sogar vor, sie habe ein finanzielles Interesse daran, dass die Kanzlei ihres Mannes den Rechtsstreit gewinne. Die Notenbankchefin wies die Vorwürfe zurück - die betreffende Liste habe sie lediglich im Rahmen ihrer Aufsichtspflichten angefordert.

Georghadji war im April 2014 für fünf Jahre als Notenbankchefin ernannt worden. Nach ihrem Wechsel an die Spitze der Notenbank zog sie automatisch als Vertreterin Zyperns in den EZB-Rat ein. Sie war zuvor mehr als 15 Jahre lang Rechnungshofpräsidentin Zyperns und hatte sich dabei den Ruf als entschlossene Kämpferin gegen die Korruption erworben.

Zusammengefasst: Zyperns Präsident Anastasiades drängt Notenbankchefin Georghadji zum Rücktritt und hat den Generalstaatsanwalt mit Ermittlungen beauftragt. Das Parlament wirft ihr Interessenkonflikte vor, weil ihr Mann als Anwalt in einen Rechtsstreit mit der Notenbank verwickelt ist. Georghadji weigert sich, ihr Amt aufzugeben.

fdi/Reuters/AP

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1. EZB Chef Draghi
t dog 16.03.2015
muss auch nicht zurücktreten, weil er für GoldmanSachs arbeitet. Die haben zwar die Eurokrise ausgelöst und die EU Hilfsgelder sind fast alle an diese Bank geflossen. Aber bitte! Das Wort Interessenkonflikt müsste jetzt aus allen europäischen Sprachen ersatzlos gestrichen werden.
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