Flugverkehr und Finanzströme Zypern, Einflugschneise für Russen-Jets

Zypern gilt als Geldoase für reiche Russen. Bestätigt wird dies durch Flugdaten, die SPIEGEL ONLINE vorliegen: Im Schnitt startet täglich ein Privatjet von der kleinen Mittelmeerinsel gen Russland, nur in Richtung Griechenland sind es noch mehr.

Privatjets (Symbolbild): Die Flugzeuge folgen den Handelsströmen
Corbis

Privatjets (Symbolbild): Die Flugzeuge folgen den Handelsströmen

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Hamburg - Für die Anwohner der zyprischen Stadt Larnaka sind die schicken Privatjets auf ihrem Flughafen eigentlich keinen Hingucker mehr wert. Die Flieger reicher Ausländer starten und landen einfach zu oft auf der Insel. Weit mehr als 3000 waren es nach Informationen von SPIEGEL ONLINE allein im vergangenen Jahr. Und ein auffällig hoher Anteil kommt aus Russland oder der Ukraine. Zu Wochenbeginn, so wollen zyprische Bürger bemerkt haben, waren es mal wieder besonders viele.

Der EU-Rettungsbeschluss für Zypern und die damit verknüpfte, mittlerweile gescheiterte Zwangsabgabe für Bankkunden, hat offenbar viele Russen aufgeschreckt. Sie fürchten um ihr Geld. Die Privatjet-Ankömmlinge könnten geheime Verhandlungen mit den Banken führen, spekulierten zyprische Zeitungen laut der Nachrichtenagentur dpa.

Zypern hat den Ruf eines Steuer- und Geldwäscheparadies für russische Oligarchen. Der Bundesnachrichtendienst schätzt, dass russische Bürger rund 26 Milliarden Dollar bei zyprischen Banken gelagert haben. Dass es sich dabei um Schwarzgeld handelt, weist die Regierung in Nikosia vehement zurück.

Unstrittig sind die engen Finanzbeziehungen beider Staaten - und die spiegeln sich auch in einer Statistik über den Flugverkehr mit Privatjets auf Zypern wider, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Zwischen Januar 2012 und Februar 2013 starteten insgesamt 375 Privatjets von der Mittelmeerinsel in Richtung Russland. Nur in das Nachbarland Griechenland flogen mit 382 unwesentlich mehr Jets. Deutschland landete im Ranking der abgehobenen Luxusjets erst auf Platz sieben (siehe Grafik).

Top Ten der Privatjetflüge von Zypern (von Januar 2012 bis Februar 2013)
SPIEGEL ONLINE

Top Ten der Privatjetflüge von Zypern (von Januar 2012 bis Februar 2013)

Normalerweise folgt der Privatjet-Flugverkehr eines Landes sehr eng seinen Handelsströmen - weil vor allem Manager und Unternehmer die Jets nutzen, um Geschäfte anzubahnen. Im Fall Zyperns ist das anders. Klar, das benachbarte Griechenland ist mit jeweils gut 20 Prozent der Im- und Exporte Zyperns wichtigster Handelspartner und macht knapp 12 Prozent der Flugbewegungen aus. So weit, so normal.

Im Fall Russlands jedoch lässt sich der Jet-Verkehr nicht mit Handelsströmen erklären. Lediglich gut ein Prozent seines Außenhandels wickelt Zypern mit Russland ab, aber der Anteil an den Privatjet-Flugbewegungen ist nahezu ebenso hoch wie der von Griechenland.

Der Flugverkehr orientiert sich in diesem Fall offenbar nicht an den Handels-, sondern an den Geldströmen. Ein statistisches Bild, das sich einem Insider zufolge auch an anderen beliebten Geldparkplätzen der Superreichen zeige, etwa in Genf.

Dass es einen Zusammenhang zwischen den Flugaktivitäten und den Geldströmen zu geben scheint, legt auch eine Studie von Global Financial Integrity (GFI) nahe, aus der die "Süddeutsche Zeitung" zitiert. Demnach flossen im Jahr 2011 90 Milliarden Dollar aus Russland nach Zypern, in demselben Zeitraum wurden 100 Milliarden Dollar gen Moskau transferiert.

Wohlgemerkt: Dass reiche Russen ihr Geld auf Zypern anlegen oder Oligarchen hier die Holding-Gesellschaften ihrer Konzerne betreiben, ist für sich genommen noch nicht verboten. Womöglich profitieren sie völlig legal von den niedrigen Steuersätzen und der im Vergleich zu Russland hohen Rechtssicherheit des EU-Mitglieds Zypern.

Auffällig ist aber zugleich, dass Zypern zu den größten Auslandsinvestoren Russlands zählt. Dem GFI zufolge ist das nur durch unterschlagenes Geld aus dem Rohstoffverkauf möglich, das über zyprische Ableger russischer Energiekonzerne erst auf der Insel gewaschen wird und dann als Direktinvestitionen wieder nach Russland gelangt.

Nimmt man regen Privatjet-Flugverkehr zu Destinationen, mit denen es kaum Außenhandel gibt, als Indikator für enge Finanzbeziehungen, dann nutzen längst nicht nur Russen und Ukrainer die diskreten Dienste des Bankenplatzes Zypern. Auch bei arabischen Staaten wie Libanon oder Saudi-Arabien liegt der Anteil des Privatjet-Flugverkehrs weit über dem des Außenhandels.

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris ist derweil nach Moskau gereist, um dort Geld für sein vom Staatsbankrott bedrohtes Land aufzutreiben. Ein Privatjet stand ihm nicht zur Verfügung. Er reiste per Linienmaschine - Economy Class.

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
tromsø 20.03.2013
1. Und Deutschland?
Gemäss Karte ja auch viele Bewegungen
Hupert 20.03.2013
2.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEZypern gilt als Geldoase für reiche Russen. Bestätigt wird dies durch Flugdaten, die SPIEGEL ONLINE vorliegen: Im Schnitt startet täglich ein Privatjet von der kleinen Mittelmeerinsel gen Russland, nur in Richtung Griechenland sind es noch mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-privatjets-fliegen-besonders-oft-nach-russland-a-889760.html
Das zweite Bild ist toll... da scheint man sich schon auf bevorstehende Szenarien gefasst zu machen, oder was soll der ECM Behälter unter der rechten und die Rakete unter linken Tragfläche? Tja, Geld weckt eben Begehrlichkeiten... :-D
RührDich 20.03.2013
3. Gemach, gemach ... bitte.
Alles schimpft und macht sich über die "reichen Russen" lustig. Was war denn bei uns in den Siebziger Jahren, als die Ararber zu Hauf in Deutschland einfielen und ihre Milliarden bei uns haben liegen lassen. Wir haben denselben Leuten hofiert, die wir später mit Bomben bekämpft haben. Oder deren Regime wir heute als "undemokratisch" bezeichnen. Besser mal an der eigenen Nasenspitze fassen - als immer über ander lästern. Etwas, was der Deutsche gut kann. Und gerne macht.
Allezy 20.03.2013
4. Nur gut..
..das wir Deutsche sauber sind und mit diesen Leuten keine Geschaefte machen und von diesem Geld nicht profitieren. Die kaufen ja alle bei Ikea ihre Kueche und nicht bei Bulthaup und sie fahren auch alle Dacia statt Porsche! Aber wenigstens wird hier mal erwaehnt dass das Gros der An/Einlagen von dort durchaus legal, wenn auch nicht immer legitim, sein duerfte.
krasmatthias 20.03.2013
5.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEZypern gilt als Geldoase für reiche Russen. Bestätigt wird dies durch Flugdaten, die SPIEGEL ONLINE vorliegen: Im Schnitt startet täglich ein Privatjet von der kleinen Mittelmeerinsel gen Russland, nur in Richtung Griechenland sind es noch mehr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-privatjets-fliegen-besonders-oft-nach-russland-a-889760.html
Selten einen so unsachlichen, mit Spekulationen und Unwahrheiten gefüllten Artikel gelesen! Sind die 7 Mrd. der Deutschen auf Zypern auch Schwarzgeld oder werden gewaschen oder stammen aus kriminellen Geschäften? Recherchieren Sie mal, wo die Deutschen ihr Schwarzgeld parken! Und um wieviele Mrd. es sich dabei handelt!
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