Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Zwangsbeteiligung: Reiche könnten auf Zypern 40 Prozent verlieren

Wohlhabende Anleger müssen sich offenbar mit einem großen Teil ihrer Einlagen an der Sanierung zyprischer Banken beteiligen. Finanzminister Sarris hält einen Abschlag von rund 40 Prozent für realistisch.

Russische Geschäftsleute auf Zypern: Auch ein Totalverlust ist möglich Zur Großansicht
REUTERS

Russische Geschäftsleute auf Zypern: Auch ein Totalverlust ist möglich

London/Nikosia - Wohlhabende Anleger sollen sich an der Bankenrettung auf Zypern beteiligen - so viel steht fest. Unklar ist aber, in welchem Umfang Vermögen von mehr als 100.000 Euro belastet werden. Nun hat Finanzminister Michael Sarris einen Anteil von rund 40 Prozent für realistisch erklärt. "Es könnte sich in dem Bereich bewegen", sagte er in einem Radio-Interview mit der BBC. Genaue Vorhersagen könne er nicht machen, "aber was ich gesehen habe, spricht für eine Zahl in diesem Bereich".

Die Euro-Gruppe hatte für reiche Kontoinhaber zunächst einen Abschlag von knapp zehn Prozent gefordert. Dieses Vorhaben lehnte das zyprische Parlament aber wegen der zugleich geplanten Beteiligung von Kleinsparern ab.

Laut dem am Wochenende verabschiedeten Rettungsplan werden nun lediglich Vermögen über 100.000 Euro bei den beiden größten Instituten des Landes, Bank of Cyprus und Laiki, eingefroren. Sie sollen zur Sanierung des überdimensionierten Finanzsektors herangezogen werden. Für Kunden der Bank of Cyprus war zunächst ein Abschlag von 30 Prozent im Gespräch, für Laiki-Kunden gilt ein Totalverlust als möglich. Ob sich Sarris' Angaben auf eine der Banken oder beide bezog, blieb offen.

Der bisherige Chef der Bank of Cyprus, Andreas Artemi, trat am Dienstag aus Protest gegen die geplante Zerschlagung zurück. Das berichtete der staatliche zyprische Rundfunk (RIK). Artemi soll vor allem mit der Höhe der geplanten Zwangsabgabe nicht einverstanden gewesen sein.

Auch die Angaben zur Wiedereröffnung zyprischer Banken hatten sich mehrfach verändert. Noch am Montag hieß es, kleinere Banken würden bereits am Dienstag wieder öffnen, ohne dass dies mit Kontrollen des Zahlungsverkehrs verbunden werde. Am späten Abend wurde dann die Öffnung sämtlicher Institute auf Donnerstag verschoben.

Zur Begründung für die kurzfristige Änderung verwies das Finanzministerium auf die "ebenmäßige Funktion des gesamten zyprischen Bankensystems". Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hatten die kleinen Banken heftig gegen eine getrennte Öffnung von den großen Instituten protestiert. Sie hätten einen Ansturm der Kunden befürchtet.

Finanzminister Sarris sagte der BBC, es werde Kapitalverkehrskontrollen geben, die "eine Frage von Wochen" seien. Er sei zuversichtlich, dass die Geldströme bald besser kontrolliert würden. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" beobachteten Experten in der vergangenen Woche einen stark erhöhten Abfluss von Geldern. Auch zyprische Medien berichteten ohne Quellenangabe, es seien "Unmengen" von Geld abgehoben worden.

Solchen ungewöhnlichen Kontobewegungen will nun der zyprische Parlamentspräsident Ginnakis Omirou nachgehen. Nach dpa-Informationen forderte er eine Liste mit Auslandsüberweisungen der vergangenen Wochen an. Omirou wolle prüfen, ob hohe Beamte bei der Zentralbank oder im Präsidialamt, die von der bevorstehenden Entscheidung zur Schließung am 16. März wussten, ihre Gelder ins Ausland geschafft haben.

dab/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 183 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die wirklich Reichen nicht ....
francino 26.03.2013
deren Geld ist längst weg! Deswegen steigt ja auch täglich die Verlustquote der verbiebenen Sparvermögen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Zypern eine befürchtete Kapitalflucht höchstens teilweise verhindert hat. Das zyprische Parlament hatte erst am Freitagabend offiziell Kapitalverkehrskontrollen beschlossen, mehr als genügend Zeit um die kolportierten „Sonderabkommen der Superreichen“ ausführen zu lassen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Montag, mögliche Kapitalabflüsse würden sehr sorgfältig beobachtet. "In den letzten Tagen hat da nicht so viel stattgefunden. Toll, Herr Schäuble! Jetzt da die größten Vermögen der Täuscher außer Landes sind, schauen wir nun aber ganz genau hin. Schwach, Wolfgang und Kollegen. Stümperhaft .... oder Absicht?
2. Totalverlust für ehrliche Sparer
mr.jonas 26.03.2013
Die reichen russischen Investoren haben ihr Geld während der letzten Woche abgezogen. Die ehrlichen Sparer und mittelständischen zyprischen Unternehmen werden alles verlieren. Das Land und ihre Menschen wurden zerstört.
3. Da
Schiebetürverriegler 26.03.2013
Zitat von sysopREUTERSWohlhabende Anleger müssen sich offenbar mit einem großen Teil ihrer Einlagen an der Sanierung zyprischer Banken beteiligen. Finanzminister Sarris hält einen Abschlag von rund 40 Prozent für realistisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-reiche-koennten-bei-bankenrettung-40-prozent-verlieren-a-890952.html
die wirklich dicken Fische bis dahin ihre Schwarzgelder in Sicherheit gebracht haben, dürften nur noch die Dümmsten, also die Anleger, die ihr Geld noch auf den zyprischen Banken haben, zur Hand sein. Übrigens.....wer in Deutschland noch glaubt, sein Spargroschen sei sicher, darf sich in die Reihe der "Dümmsten" gleich eingliedern. Die Politik hat unfreiwilligen Einblick in ein auch in Deutschland mögliches Szenario gegeben. Also wählt schön weiter die etablierten Euro-Befürworter......
4. Bankraub
chiffer 26.03.2013
Zitat von sysopREUTERSWohlhabende Anleger müssen sich offenbar mit einem großen Teil ihrer Einlagen an der Sanierung zyprischer Banken beteiligen. Finanzminister Sarris hält einen Abschlag von rund 40 Prozent für realistisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-reiche-koennten-bei-bankenrettung-40-prozent-verlieren-a-890952.html
Bankraub bleibt Bankraub, auch wenn er prozentual unterschiedlich ausfällt, der letzte der in Europa eine solche Zwangsabgabe durchgeführt hat endete vor einem Erschiesungskommando
5. Der Hort des sicheren Geldes
eule_neu 26.03.2013
Erstlockten die Banken alles Geld in ihre Institute, vom Lohn bis Überweisung, vom Sparen bis zum Zocken, und nun ist alles fraglich geworden. Die Politik beteuert, die Sparkonten seien sicher, sie haben nur das Wort "derzeit" vergessen. Vertrauen wir noch immer den Banken oder müssen wir neue Regeln finden, dass man uns das Geld nicht einfach aus der Bank ziehen kann?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: