Beteiligung reicher Anleger: Luxemburg warnt vor dem Modell Zypern

Taugt das Rettungspaket für Zypern als Vorbild? Über diese Frage wird heftig gestritten. Luxemburgs Finanzminister Frieden warnt im SPIEGEL davor, auch in Zukunft reiche Sparer an Bankenrettungen zu beteiligen. "Das führt dazu, dass Investoren ihr Geld außerhalb der Euro-Zone anlegen."

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Finanzminister Frieden: "Alles vermeiden, was zu Instabilität führt"

Hamburg - Anfang der Woche erklärte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, das Rettungspaket für Zypern könne zum Modell für die ganze Euro-Zone werden. Seitdem ist in der Europäischen Union ein heftiger Streit um die Beteiligung privater Investoren an den Kosten von Bankpleiten entbrannt.

Der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden warnt nun im SPIEGEL davor, nach dem Vorbild Zyperns auch Großsparer mit einem Vermögen von mehr als 100.000 Euro zur Kasse zu bitten. "Das führt dazu, dass Investoren ihr Geld außerhalb der Euro-Zone anlegen", so Frieden. "Man muss in dieser schwierigen Situation alles vermeiden, was zu Instabilität führt und das Vertrauen der Sparer zerstört."

Im Europaparlament, das sich derzeit mit einem Entwurf der EU-Kommission für die Abwicklung von Banken befasst, wird nun ebenfalls eine Beteiligung von Großsparern diskutiert. Vor allem aber sollen andere Gläubiger von Banken stärker ins Risiko genommen werden.

"Wir wollen die Stellung der Einlagenkunden deutlich stärken", sagt der schwedische EU-Abgeordnete Gunnar Hökmark. Einlagen bis 100.000 Euro sollten von jeder Verlustbeteiligung ausgenommen werden. Darüber hinausgehende Sparguthaben würden erst herangezogen, wenn Verluste durch Aktionäre und andere Gläubiger nicht vollständig aufgefangen werden könnten.

Der EU-Richtlinienentwurf sieht bislang vor, private Gläubiger erst ab 2018 für Banken-Schieflagen zur Kasse zu bitten. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hält es jedoch für sinnvoll, "die Einführung einer europäischen Abwicklungsordnung auf 2015 vorzuziehen". Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider plädiert sogar dafür, das Vorhaben bereits 2014 zu starten. "Das Modell der Bankenrettung, bei dem der Staat Anleihegläubiger und Großinvestoren schützt, ist am Ende seiner gesellschaftlichen und politischen Akzeptanz", sagte Schneider.

DER SPIEGEL

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dab

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insgesamt 121 Beiträge
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1. Nachläufer
erichheini 29.03.2013
Auch er warnt vor etwas, das längst so läuft. Wen überrascht es ? Ihn vielleicht ? Politiker als Nachläufer anstatt Vorwarner.
2. An seiner Stelle
Genover 29.03.2013
fände ich das auch nicht gut.
3. Der Steuerzahler darf nicht Reiche retten
rkinfo 29.03.2013
Wer Gviel Geld hat muss selbst sorgen dass es vor Pleite geschützt ist. Luxemburg hat selbst nicht das Geld zu retten - kaum ein zukunftsträchtiges Anlageland.
4. Warum wohl?
karlsiegfried 29.03.2013
'Luxemburg warnt vor dem Modell Zypern'. Luxemburg ist doch auch wie Zypern - nur mit anderer Klientel. "Das führt dazu, dass Investoren ihr Geld außerhalb der Euro-Zone anlegen", so Frieden. Und wo ist das Problem? Dann wird in Europa weniger gezockt und das ist gut so.
5.
olsche 29.03.2013
Und nun ganz schnell mit dem Geld das die niedrigen Zinsen und die Steuern noch übrig gelassen haben ins außereuropäische Ausland. Das Gequatsche der Politexperten treibt einem die Angst in die Knochen.
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