Reaktionen: Euro-Gruppe erwartet Gegenvorschlag

Nicht eine Ja-Stimme im zyprischen Parlament für das EU-Sparpaket mit Zwangsabgabe für Bankkunden: Politiker in Brüssel und Berlin zeigten sich enttäuscht von dem Votum. Die Euro-Gruppe sieht nun die Regierung in Nikosia am Zug.

Hamburg - Das zyprische Parlament hat eine Zwangsabgabe von Bankkunden als Teil des EU-Rettungspakets klar abgelehnt. Die Euro-Gruppe sieht nun die Regierung des Landes am Zug. "Wir warten auf einen Gegenvorschlag mit gleicher Wirkung", sagte ein Euro-Gruppen-Vertreter in Brüssel.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigte, es werde weiter "innerhalb der bestehenden Regeln" für Zyperns Zahlungsfähigkeit gesorgt. Sollte die EZB der Mittelmeerinsel die Liquidität entziehen, könnte dies zu einem Kollaps des dortigen Finanzsystems führen, der Auswirkungen weit über Zypern hinaus haben könnte. Bei EU-Insidern hieß es jedoch, dass das Geld noch bis Juni reiche.

Enttäuschung in Berlin und Brüssel

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagierte enttäuscht auf das Scheitern des vereinbarten Zypern-Rettungspakets. Grund zur Sorge bestehe durch das Parlamentsvotum aber nicht. "Wir haben ausreichend Vorsorge getroffen, dass die heutige Entscheidung auf Zypern keine negativen Auswirkungen auf den Rest der Euro-Zone haben wird", sagte Schäuble.

Das von der Euro-Gruppe angebotene Programm bleibt laut Schäuble auf dem Tisch. Es sehe neben den Finanzhilfen auch Strukturreformen, eine Verbesserung der Einnahmen des Staates und die Bekämpfung der Geldwäsche vor. Das Programm sei geeignet, Zypern und die zyprische Wirtschaft auf Dauer zu stabilisieren, so der Finanzminister.

Enttäuscht zeigte sich auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. "Ich nehme die Entscheidung des zyprischen Parlaments zu dem Vorschlag der Regierung für eine einmalige Abgabe zur Kenntnis", teilte Dijsselbloem am Dienstagabend mit. Er bekräftigte aber ebenso wie Schäuble, dass die Euro-Zone weiter zur Unterstützung des Landes bereit sei. "

Die Opposition in Berlin reagierte unterdessen verärgert: Sowohl SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als Parteichef Sigmar Gabrielgaben der Bundesregierung eine Mitschuld am Scheitern der Zwangsabgabe.

Anruf in Moskau

Nach Berichten zyprischer Medien will die Regierung in Nikosia nun versuchen, andere Lösungen wie Bankenrestrukturierungen und ein stärkeres finanzielles Engagement Russlands zu sondieren. Wenige Minuten, nachdem das Parlament abgestimmt hatte, habe Präsident Nikos Anastasiades mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin telefoniert. Dies teilte das Büros des zyprischen Präsidenten am Dienstagabend mit. 30 Minuten sollen die beiden über die Finanzbeziehungen ihrer beider Länder gesprochen haben. Nach Angaben des Staatsfernsehens RIK haben sich die beiden Männer auf ein Treffen geeinigt. Ein Termin wurde nicht genannt.

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris war bereits vor der Abstimmung nach Moskau gereist, um über Gelder aus Russland zu sprechen. Russische Unternehmen haben auf die Mittelmeerinsel aus Steuergründen Milliardensummen transferiert.

sun/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Wer braucht die Eurozone?
klartext 20.03.2013
Die troika ruiniert ein Land nach dem anderem, warum sollte Zypern auf solche Hilfe scharf sein ? Ich würde den Russen und den Chinesen alles anbieten worauf die Bock haben die wären mir Lieber als Freunde wie Deutschland. In der Not machen sich Bunde bemerkbar und Feinde auch wer solche Freunde hat braucht keine Feinde
2. Lachnummer
wühlmaus_reloaded 20.03.2013
Die ach so tapferen Zyprichaoten wollen gegen den ach so schlimmen - obwohl selbst gewählten - Kolonialismus durch EU und Merkelland ins Feld ziehen und winseln dafür nun ausgerechnet den zertifizierten Altruisten Vladimir Putin um Geld an. Der wird es ihnen zweifellos vorne und hinten reinblasen, aber ... Viel Spaß dann mal beim Aufwachen !
3. Zypern ist am Zug?
comet500 20.03.2013
das seh ich anders. geht ein euroland bankrott, geht die eurozone bankrott. es wäre nur eine frage der zeit.
4. Tja, die Russen
BettyB. 20.03.2013
70 Milliarden haben sie in Zypern angelegt. Das Mehrfache des Bruttosozialprodukts der Teilrepublik. Nun noch etwas Hilfe und ihnen gehört fast alles. Sollte das der erste Schritt zur Integration von Russland in die EU sein. Wäre nicht schlecht, Herr Specht...
5. Warum
papayu 20.03.2013
transferieren die reichen Russen ihr Geld nach Zypern und nicht nach Deutschland?? Verstehe! Wenn ich da so mein Girokonto angucke, habe ich noch nie eine Zinsgutschrift erhalten!!Mein Geld ist auf einer deutschen Bank " arbeitslos!" Bezahlen darf ich aber 15 Euro fuer einen Mausklick!! Na ja, Arbeitslos und kein H4? Davon kann selbst ein Reicher nicht leben!
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