Wirtschaftsreform Ein neues Geschäftsmodell für Zypern

Von manager-magazin-Redakteurin Eva Müller

2. Teil: Bankensektor reformieren


Bank of Cyprus: Das Bankensystem ist aufgebläht, der Einstieg ins Auslandsgeschäft grandios gescheitert
AFP

Bank of Cyprus: Das Bankensystem ist aufgebläht, der Einstieg ins Auslandsgeschäft grandios gescheitert

In den Tresoren der zyprischen Finanzinstitute vermuten die deutschen Euro-Geldgeber Massen russischen Schwarzgelds, weshalb sie wohl auch die jetzt so heftig umstrittene Beteiligung der Kontoinhaber an der Bankenrettung durchsetzten.

Auch eine Verkleinerung des Finanzsektors, dessen Bilanzsumme etwa dem sechsfachen des Bruttoinlandsprodukts entspricht, verlangt das EU-Programm. "Klar ist unser Bankensektor zu groß", konzediert Fiona Mullen, die in Nikosia das Wirtschaftsforschungsunternehmen Sapienta Economics betreibt: "Vor allem aber ist er zu altmodisch." Das System müsse grundlegend modernisiert und internationaler aufgestellt werden.

Wie in Luxemburg zum Beispiel, wo die Finanzbranche sogar zehnmal so groß ist wie das Inlandsprodukt. Im Großherzogtum aber agieren vor allem Tochtergesellschaften großer globaler Finanzhäuser mit Know-how auf Weltstandard, während auf Zypern drei lokale Banken das Geldgeschäft dominieren: Bank of Cyprus, Popular Bank und Hellenic Bank. Und die verhielten sich bislang noch höchst traditionell wie Sparkassen, die die ihnen anvertrauten Summen nur wieder als Darlehen an Unternehmen oder Privatleute vergeben, hauptsächlich für Immobilienkäufe.

Kauf griechischer Anleihen im großen Stil

Erst mit der Euro-Einführung wagten sie den Einstieg ins Auslandsgeschäft - vermeintlich vorsichtig. Sie kauften Staatsanleihen des benachbarten Griechenlands, aus nationaler Verbundenheit, wegen der kulturellen und sprachlichen Verwandtschaft. Eine Geschäftsidee, die bekanntlich grandios gescheitert ist und die mit dem Schuldenschnitt für Griechenland einen beachtlichen Teil der zyprischen Bankenmalaise verursacht hat.

Von moderneren Methoden wie etwa dem Investmentbanking oder gar der Finanzierung von jungen Firmen sind diese Banken noch immer meilenweit entfernt. Wohl auch, weil ihre größten Einleger, jene russischen Geschäftsleute, die ihre Milliarden auf mehr oder minder durchschaubaren Wegen erwirtschafteten, gar nicht viel Leistung erwarteten. Sie sind bis heute froh, auf Zypern einen sicheren Aufbewahrungsort für ihr Geld gefunden zu haben.

Müssen sie doch in Russland befürchten, dass nicht nur die Barschaft, sondern auch gleich ihre persönliche Freiheit in Gefahr ist, wenn Präsident Wladimir Putin einen schlechten Tag hat. Kein Wunder also, dass sich die Oligarchen gar nicht sehr über eine Sonderabgabe aufregen, die ihnen jetzt im Rahmen des EU-Programms auferlegt werden soll. Für sie könnte es immer schlimmer kommen.

Allerdings sollten sie in Zukunft auch nicht mehr ganz so unbehelligt Gelder unklarer Herkunft deponieren können, sagt Branchenexpertin Mullen: "Die Gesetze gegen Geldwäsche sind auf Zypern zwar auf internationalem Standard formuliert. Doch bei der Umsetzung müssen wir jetzt beweisen, dass wir es auch wirklich ernst meinen." Und, so fügt Wirtschaftsprofessor Zenios hinzu, "wir sollten Druck auf Russland ausüben, die Transparenz der Wirtschaft in ihrem Land zu erhöhen."

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pepe_sargnagel 19.03.2013
1. Es ist schier unglaublich
Zitat von sysopREUTERSEgal wie die Rettungsaktion für Zypern ausgeht - der Inselstaat muss seine Wirtschaft grundlegend umbauen. Sechs mögliche Schritte zur Modernisierung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-889755.html
Es ist schier unglaublich! Die deutschen Leitmedien kommen ihrer Aufgabe verschiedene Lösungsansätze zu diskutieren und darzustellen nach. Eine sehr erfreuliche Sache! Leider mal wieder nur, wenn es um ein anderes Land geht - in Deutschland werden nur äußerst selten mal solche Vorschläge dargestellt. Genau dies aber würde dem Durchschnittsbürger den Horizont erweitern und zudem würde man die Komplexität mancher Dinge anerkennen, weil die Lösungen am Ende häufig widersprüchlich sind (es handelt sich um eine Sozialwissenschaft bei der es kein wahr/falsch wie in der Naturwissenschaft gibt). Nichtsdestoweniger würde die Entscheidungsfindung von einem "alternativlos" hin zu einem "das könnte auf diesem Wege klappen" schwenken. Das wäre nur zu begrüßen! Wieso aber erteilt man meistens anderen solche Lektionen? Weil es einen selbst nicht betrifft? Dann wäre das traurig und verlogen!
spiekr 19.03.2013
2. Die falschen Anreize
Zitat von sysopREUTERSEgal wie die Rettungsaktion für Zypern ausgeht - der Inselstaat muss seine Wirtschaft grundlegend umbauen. Sechs mögliche Schritte zur Modernisierung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-889755.html
wurden von den gleichen Zyprioten geschaffen, die sich nun das Leben mit harter Arbeit schwermachen sollen. Wieviel Zwang will der Autor hierfür anwenden? Ich sehe bei Griechen und Zyprioten nur die reale Vereledung als neuen Motivationsmotor und nicht gut gemeinte Texte.
Inmate777 19.03.2013
3. TOP 2 bitte nachschieben
Ich wuerde den Herrschaften in Nikosia gleich noch einen TOP reinwuergen: Geld gibt's nur noch, wenn das Zypernproblem endgueltig geloest ist. Warum nimmt man so ein Land in die EU auf, deren groesstes innenpolitisches Problem nicht geloest ist und deren Bevoelkerung (sogar der Bevoelkerungsteil, der jetzt in die EU - ja, nominell gilt das fuer die gesamte Insel - aufgenommen wurde) auch noch gegen den Anan Plan votiert?
Airkraft 19.03.2013
4. "ddr 2.0"
Kommt einem fast vor, wie die "DDR" bei/nach Einführung der DM - die wollten ja angeblich auch alle ;-)
Thomas C 19.03.2013
5. Was denn nun?
Zitat von sysopREUTERSEgal wie die Rettungsaktion für Zypern ausgeht - der Inselstaat muss seine Wirtschaft grundlegend umbauen. Sechs mögliche Schritte zur Modernisierung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-889755.html
Auf der einen Seite verhielten sich die zypriotische Banken wie Sparkassen und nicht wie die Luxemburger Banken (O-Ton) "mit Knowhow auf Weltstandard" und auf der anderen Seite vergisst man gleichzeitig all die Finanzinstitute, die für diese Krise eine erhebliche Mitschuld an der Finanzkrise haben?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.