Finanzkrise Zypern bürdet Bevölkerung heftiges Sparpaket auf

Steuern rauf, Löhne runter: Zypern steht kurz vor Abschluss seines Sparpakets. Staatsbetriebe werden demnach verkauft, die umstrittene Unternehmensteuer steigt, Gehälter und Renten werden gestutzt.

Zyperns Präsident Anastasiades: Steuern rauf, Löhne runter
AP/DPA

Zyperns Präsident Anastasiades: Steuern rauf, Löhne runter


Nikosia - Zyperns Sparprogramm ist offenbar fast fertig. Das gab Regierungssprecher Christos Stylianides in Nikosia bekannt und bestätigte damit entsprechende Berichte der größten zyprischen Zeitung "Fileleftheros" und des "Wall Street Journals". Ein PDF mit den Sparmaßnahmen kursiert im Internet, es liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Das Sparprogramm ist Voraussetzung für Hilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro, die EU, Internationaler Währungsfonds (IWF) und Europäische Zentralbank (EZB) dem hoch verschuldeten Staat gewähren wollen. Die Geldgeber müssen noch prüfen, ob das geplante Sparpaket aus ihrer Sicht reicht.

Den Berichten zufolge sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Die Gehälter für Staatsbedienstete sollen um 6,5 bis 12,5 Prozent sinken.
  • Die Renten aller Arbeitnehmer sollen um 3 Prozent gekürzt werden.
  • Neue Immobiliensteuern in Höhe von 70 Millionen Euro seien geplant.
  • Die Unternehmensteuer werde von 10 auf 12,5 Prozent erhöht.
  • Die Steuern für Tabak, Alkohol und Treibstoffe sollen steigen.
  • Die Mehrwertsteuer werde im laufenden Jahr von 17 auf 18 und im kommenden Jahr auf 19 Prozent erhöht.
  • Der Staat werde durch Privatisierungen verschlankt.

Das Sparpaket umfasst laut "Wall Street Journal" Maßnahmen im Volumen von 351 Millionen Euro, das entspricht 2,1 Prozent der zyprischen Wirtschaftsleistung. Die Einsparungen sind nötig, um die wachsende Staatsverschuldung einzudämmen. Das Land hat eine schwere Bankenkrise hinter sich, Ökonomen gehen davon aus, dass die Wirtschaft in der Folge einbrechen wird.

Die Vereinbarungen für das Sparpaket sollen rasch abgeschlossen werden. Der zyprische Arbeitsminister Charis Georgiades hatte angekündigt, Nikosia wolle der Euro-Gruppe am 4. April ein umfassendes und mit den Geldgebern vereinbartes Programm präsentieren. Am Montagabend werde der Ministerrat unter Vorsitz des Staatspräsidenten Nikos Anastasiades über das Sparprogramm beraten, teilte Regierungssprecher Stylianides mit.

Auch für Zyperns überdimensionalen Bankensektor hat die Regierung bereits Maßnahmen beschlossen. Die zweitgrößte Bank des Landes wird aufgespalten und zum großen Teil abgewickelt. Reichere Privatkunden werden an den Verlusten beteiligt und müssen große Einbußen fürchten.

ssu/dpa

insgesamt 108 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mützelpütz 02.04.2013
1. .
Die Mehrwertsteuer beträgt seit Monaten bereits 18 %. Hier soll wohl suggeriert werden, daß die Regierung drastische Erhöhungen seinen Verbrauchern auferlegt.
Pietätskontrolle 02.04.2013
2. Ich brauche einen Arbeitsplatz
Teilweise ist das sinnvoll, auch für Deutschland. Vor allem müssen die Löhne sinken, damit wir nicht noch ärmer werden durch die Abwanderung von Arbeit in die Schwellenländer. Allerdings sind Steuern auf Konsumgüter, die man ja produzieren und verkaufen will, zweischneidig und Steuern auf Unternehmen, also auf unsere Arbeitsplätze grober Unfug, denn Arbeitsplätze sind es doch, was wir alle wollen und brauchen. Jedenfalls ich.
theodorheuss 02.04.2013
3. Zypern wird,
Zitat von sysopAP/DPASteuern rauf, Löhne runter: Zypern steht laut mehreren Zeitungsberichten kurz vor Abschluss seines Sparpakets. Staatsbetriebe werden demnach verkauft, die umstrittene Unternehmenssteuer steigt, Gehälter und Renten werden gestutzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-sparpaket-fast-fertig-a-891948.html
ganz wie der Kostgaenger Griechenland fuer Jahrzehnte auf Transferleistungen angewiesen sein. Der Bankensektor mit all seinen Begleiterscheinungen wird dem Erdboden gleich gemacht. Zurueck bleibt eine nicht konkurrenzfaehige Tourismusbranche und... Ich weiss es nicht. Es wird Zeitaufschuebe geben, Umschuldungen, Reformmuedigkeit, Politverdrossenheit, Resignation etc. Ok, haken wir Zypern also auch ab. Wer wird der naechste sein, Spanien oder auf der Ueberholspur in den Abgrund vielleicht doch schon Italien, auch Frankreich kriecht schon mit stockendem Motor auf der LKW Spur lustlos daher.
iffel1 02.04.2013
4. Das ist ja dürftig !
Im Verhältnis zu 10 Mrd. EU-Steuerzahler-Kredit sind das Peanuts - da zahlen die Zyprer ja 100 Jahre dran ab - das wird nix.
wolfgang.grassmann 02.04.2013
5. Und was wird passieren
Wir werden schuld daran sein!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.