Schlechte Bonität: Standard & Poor's stuft Zypern um drei Noten ab

Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Zyperns drastisch gesenkt. Die Rating-Agentur stuft die Kreditwürdigkeit des kriselnden Euro-Staats nun um drei Noten niedriger ein und droht mit einer noch schlechteren Bewertung. Grund sei der ausstehende Hilfsantrag an die internationalen Geldgeber.

Bank in Nikosia: Kreditwürdigkeit von weiterer Abstufung bedroht Zur Großansicht
DPA

Bank in Nikosia: Kreditwürdigkeit von weiterer Abstufung bedroht

London/Nikosia - Die Kreditwürdigkeit Zyperns hat sich nach Einschätzung von Standard & Poor's (S&P) weiter verschlechtert. Die Rating-Agentur senkte die Bonitätsnote des Landes am Mittwochabend um gleich drei Stufen von bisher "BB" auf nur noch "B". Die Bewertung werde sogar noch auf eine weitere Herabstufung überprüft. Zypern hat von den Ländern der Euro-Zone nach Griechenland bei S&P die schlechteste Note. Erst im August hatte S&P die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft.

Als Grund für die Entscheidung gab die Rating-Agentur an, die Regierung habe bis jetzt noch kein Hilfspaket mit der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank (EZB) ausgehandelt. Bereits Ende Juni hatten die internationalen Geldgeber Zypern ihre Unterstützung zugesichert.

Die im Februar 2013 anstehenden Präsidentschaftswahlen dürften laut S&P für das Zögern der Regierung verantwortlich sein. Zypern leide jedoch unter einer schlimmen Bankenkrise und den ausbleibenden Spar- und Reformanstrengungen der Regierung. Die Regierung erklärte ihrerseits, in der kommenden Woche die Gespräche mit den Gläubigern aufzunehmen.

Das Land ist auch wegen der engen Verflechtung seines Bankensektors mit den griechischen Instituten in Schwierigkeiten geraten. Die sehr schlechte Bewertung der Kreditwürdigkeit dürfte die Finanzierung des Landes auf den Märkten weiter erschweren.

fdi/dpa-AFX/Reuters

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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

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