Hilfsgeldsuche in Moskau: Zypern pokert mit Russland um Banken und Gas

Von , Moskau

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Zyperns Finanzminister Michalis Sarris in Moskau: Harte Verhandlungen mit Russland

Zypern hofft auf Hilfe aus Russland - und bietet Moskau nun offenbar den Zugriff auf Gasvorkommen und Banken an. Nach gescheiterten Gesprächen am Vortag soll heute weiter verhandelt werden. Doch der Kreml stellt harte Bedingungen.

Im Ringen um russische Hilfe verhandelt das klamme Euro-Land Zypern mit der Moskauer Regierung auch um den Zugriff auf zyprische Banken und Gasvorkommen. Neben Verhandlungen über Kreditbedingungen werde über Kooperationen im Banken- und Erdgassektor gesprochen, sagte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris am Donnerstag in Moskau. Sein Land habe Russland um Hilfe gebeten. Aber jede Vereinbarung sollte auch den wirtschaftlichen Interessen Russlands genügen.

"Die Banken sind das absolute Ziel jeder Hilfe, die wir bekommen", stellte Sarris klar. Diese könne in direkter Form oder indirekt über andere Sektoren gegeben werden, werde aber in jedem Fall an den Bankensektor umgeleitet.

Parallel zu den Verhandlungen über ein EU-Rettungspaket bemüht sich Zypern um Hilfe aus Russland. Entsprechende Verhandlungen in Moskau hatten am Mittwoch aber zunächst kein Ergebnis gebracht. Sie sollen aber an diesem Donnerstag fortgesetzt werden.

Zypern strebt dabei nach eigenem Bekunden keinen neuen Kredit an, sondern bessere Konditionen für einen laufenden Vertrag über 2,5 Milliarden Euro. So solle die Laufzeit um fünf Jahre verlängert und die Zinsen von 4,5 Prozent auf 2,5 Prozent gesenkt werden, sagte Sarris.

Der russische Regierungschef Dmitrij Medwedew sagte, Russland wolle seine Hilfe vom weiteren Vorgehen der Europäischen Union abhängig machen. Zypern habe Russland mehrere Vermögenswerte zum Kauf angeboten. Zuerst aber müsse die EU neue Pläne zur Lösung der Krise in ihrem Mitgliedsland vorstellen. "Danach werden wir unsere Vorschläge machen", sagte Medwedew der Agentur Interfax.

"Wir sind bereit, verschiedene Varianten auszuloten", antwortete der frühere Kreml-Chef auf die Frage, ob Russland sich auch für eine Militärbasis auf der Insel im Mittelmeer interessiere. Indirekt bestätigte Medwedew zudem, dass es bei den Gesprächen um mögliche Lizenzen bei der Gasförderung vor der zyprischen Küste gehe.

Putin-Berater: Zypern könnte unserer Wirtschaftsgemeinschaft beitreten

So eng die Beziehungen sein mögen - der Kreml erweist sich für Zypern als harter Verhandlungspartner. Am Mittwochabend erhöhte Moskau noch einmal den Druck auf die Mittelmeerinsel. Erst bestätigte der Chef der einflussreichen staatlichen Sberbank, German Gref, man habe ihm den Kauf zyprischer Banken angeboten. Dann erklärte er, sein Geldhaus habe kein Interesse.

Der Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Putin, Sergej Glasew, forderte von Zypern im Gegenzug für russische Hilfen eine engere Bindung Nikosias, etwa durch einen Beitritt zu der von Moskau geführten Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Regierungschef Medwedew kritisierte den Inselstaat und die EU-Spitze. Die Europäische Union, die EU-Kommission und die zyprische Regierung verhielten sich wie ein Elefant im Porzellanladen, sagte Medwedew laut Agentur Interfax. "Mir scheint, dass alle möglichen Fehler, die in solch einer Situation gemacht werden können, bereits gemacht wurden."

Indes bemühte sich der zyprische Zentralbankchef, die Vorwürfe aus der EU zu entkräften, sein Land diene vor allem russischen Oligarchen als Steueroase und Geldwaschanlage. Die Vorwürfe gegen Zypern seien "stark übertrieben", sagte Panicos Demetriades der russischen Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Die Anschuldigungen dienten als Mittel, um in der aktuellen Finanzkrise Druck auf sein Land auszuüben.

Tatsächlich sei die Summe russischer Gelder viel niedriger als bislang angenommen und belaufe sich auf "4,943 bis 10,225 Milliarden Dollar". Genaue Summen kennt angeblich nicht einmal die Regierung in Moskau, laut unterschiedlichen Schätzungen belaufen sich Einlagen russischer Investoren aber auf 20 bis 40 Milliarden Dollar. Die Rating-Agentur Moody's hatte den Umfang russischer Bankeinlangen zuletzt bei mindestens 19 Milliarden gesehen.

Seit dem EU-Beitritt habe Nikosia seine Anti-Geldwäsche-Gesetze verbessert, so Bankchef Demetriades. Moneyval, der Anti-Geldwäsche-Ausschuss des Europarats, habe 2011 Zypern überprüft: Die Experten seien damals zu dem Schluss gekommen, "dass Zypern wesentlich besser dasteht als viele Mitglieder der Europäischen Union". Demetriades ging noch einen Schritt weiter. Nikosia sei bei Investoren aus Russland als Drehkreuz für Finanztransaktionen beliebt, weil das "Steuersystem effektiv ist und das Rechtssystem stark, das auf englischem Recht basiert". Die engen Beziehungen zwischen Russland und Zypern seien nicht nur wirtschaftlich eng, sondern auch "historisch und kulturell".

mit Material von Reuters und dpa-AFX

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insgesamt 168 Beiträge
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1. Wenn zwei sich streiten....
flüchtig 21.03.2013
Zitat von sysopDPADer Chef von Zyperns Zentralbank wehrt sich gegen den schlechten Ruf des Inselstaats. Der Eindruck sei falsch, dass reiche Russen dort Steuern hinterzögen und Geldwäsche betrieben. Aus Moskau kommt harsche Kritik an Zypern und der EU: Sie benähmen sich "wie ein Elefant im Porzellanladen". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zyperns-zentralbank-schmettert-steueroasen-kritik-ab-a-890091.html
...freut sich der Dritte!
2.
apfeldroid 21.03.2013
Er glaubt doch wohl selbst nicht was er sagt? Oder hat er wahrscheinlich die 5 Mlrd "legales Geld" mitgezählt? Lustige beleidigte stolze Wurst spielen, dann bleibt nur die geordnete Pleite...
3. Trotz der russ. Geldanlagen ...
santaponsa 21.03.2013
... ist das Land faktisch Pleite? Die russ. Regierung muss die zypriotischen Pleite-Banker sicher für faule Nichtskönner halten!
4. Kritik aus Russland...
fatherted98 21.03.2013
....so langsam bekommen die Russen das schlottern. Die denken immer noch das die EU das richtet...sieht aber nicht so aus...und die Zyprer sind einfach zu sturr und haben wohl ein Brett vor dem Kopf das es bei der Entscheidung um ALLES geht...vielleicht werden die Zyprer in den naechsten Tagen mal die auslaendische unzensierte Presse lesen....da muesste eigentlich jeder kapieren, dass sie entweder die Kroete mit der Abgabe schlucken muessen oder ihr ganzes Geld ist weg...fuer immer....
5. Es ist schrecklich
UHamm 21.03.2013
Wie kann die EU auch eigene Anstrengungen von Zypern verlangen, bevor sie Unsummen zuschießt?
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