Euro-Rettung: Vier Szenarien für Zypern

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Staatspleite - oder doch noch ein Kompromiss? Die Troika lehnt den Plan B der zyprischen Regierung ab. Nun gibt es vier Szenarien, wie es mit dem Krisenland weitergehen könnte. Die Verhandlungen laufen.

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Zyperns Finanzminister Michael Sarris: 5,8 Milliarden verzweifelt gesucht

Seit einer Woche halten die Verhandlungen über das Zypern-Rettungspaket Europa in Atem. Erst lehnte das zyprische Parlament den ursprünglichen Plan der Euro-Gruppe ab, weil alle Sparkonten auf der Insel mit einer Zwangsabgabe belastet werden sollten. Dann wies die Geldgeber-Troika den Plan B der Zyprer zurück, weil er die Schuldentragfähigkeit des Landes gefährden würde. Nun laufen Gespräche zwischen Troika und Regierung in Nikosia über einen Plan C.

5,8 Milliarden Euro muss die zyprische Regierung auftreiben, um den von der Troika geforderten Eigenbeitrag zur Rettung zu leisten. Erst dann fließen die Hilfskredite in Höhe von zehn Milliarden Euro. Die Zeit drängt: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat der zyprischen Regierung eine Frist bis Montag gesetzt. Gibt es bis dahin keine Einigung, wird den angeschlagenen zyprischen Banken der Geldhahn abgedreht. Zyperns Finanzwirtschaft und dem Staat drohen der Bankrott.

Es gibt vier Szenarien, wie es weitergehen könnte:

  1. Kompromiss in letzter Minute: Zypern schafft es, die fehlenden 5,8 Milliarden Euro bis Montag aufzutreiben. Der Plan C könnte aus folgenden Elementen bestehen: Die geplante Aufspaltung der angeschlagenen Laiki Bank in eine Good Bank und eine Bad Bank senkt die benötigte Summe für die Bankenrettung um 2,3 Milliarden Euro. Bleiben noch rund 3,5 Milliarden. Um die aufzubringen, werden nationale Goldreserven und Kirchenbesitz im Wert von je 500 Millionen Euro verpfändet. Sparguthaben von über 100.000 Euro werden mit einer Zwangsabgabe von bis zu 15 Prozent belegt. Mit diesem Kompromiss könnten sowohl Euro-Zone als auch Zyprer ihr Gesicht wahren. Zusätzlich wird der Zahlungsverkehr vorübergehend eingeschränkt, um Kapitalflucht und damit den Zusammenbruch weiterer Banken zu verhindern.
  2. Die Banken gehen pleite, Zypern wird gerettet: Der Kompromiss scheitert. Zypern lässt die Frist am Montag verstreichen, die Europäische Zentralbank dreht den Geldhahn zu. Die beiden größten Banken des Landes, Cyprus Bank und Laiki Bank, gehen pleite und müssen abgewickelt werden. Die Bankkunden verlieren einen Großteil ihrer Einlagen. Die Troika bietet Hilfen an, um den zyprischen Staat vor dem Bankrott zu bewahren und die Sparguthaben unter 100.000 Euro zu sichern. Das Programm ist für die Retter billiger, weil die zyprischen Banken nicht rekapitalisiert werden müssen. Allerdings müssen die griechischen Banken mit zusätzlichem Kapital gestützt werden, um die Ausfälle auf Zypern zu verkraften. Auf Zypern wäre angesichts des zerstörten Bankensektors eine schwere Rezession unvermeidlich.
  3. Staatsbankrott in Zypern: Die zyprische Regierung ignoriert das EZB-Ultimatum. Sie setzt darauf, dass die Euro-Gruppe ihr Hilfsangebot verbessern wird, um den Crash zu vermeiden. Die Euro-Gruppe will sich aber nicht erpressen lassen, sondern ein Exempel statuieren. Zypern erhält keine Hilfskredite. Erst gehen die zyprischen Banken pleite, dann der Staat. Zypern führt das zyprische Pfund wieder ein, um die Staatsangestellten zu bezahlen und die Wirtschaft am Laufen zu halten. An den internationalen Finanzmärkten gehen wieder die Spekulationen los, welches Land als nächstes aus dem Euro austritt. Die Zinsen für hochverschuldete Länder wie Spanien oder Italien steigen, die nächste Euro-Krise ist da.
  4. Wochenlang Agonie: Die zyprische Zentralbank ignoriert die Anweisung der EZB, keine Kredite mehr an Geschäftsbanken zu vergeben. Eigenmächtig verlängert sie die sogenannte Emergency Liquidity Assistance. Die EZB kann nichts dagegen tun, weil sie keine Exekutivgewalt über nationale Notenbanken hat. Laiki Bank und Cyprus Bank bleiben flüssig. Ein beispielloser Konflikt zwischen den Notenbanken des Euro-Raums, dessen Klärung Wochen oder Monate dauern könnte. In dieser Zeit bleiben die Kapitalverkehrskontrollen in Kraft. Die zyprische Regierung gewinnt Zeit, um einen neuen Rettungsplan auszuarbeiten. Vielleicht kommt Russland doch noch als Weißer Ritter zur Hilfe, obwohl der Kreml diese Woche zunächst abgewunken hat. Oder aber die Euro-Zone gewöhnt sich an den eigentlich unhaltbaren Zustand.

Auch wenn es im Moment so wirkt, als steuere die Währungsunion geradewegs aufs Riff zu: Das wahrscheinlichste Szenario ist nach wie vor Nummer eins, der Kompromiss in letzter Minute. Schließlich findet sich auch für viele andere Konflikte in der Europäischen Union immer erst kurz vor Ultimo eine Lösung. Bank-Restrukturierung und Kapitalkontrollen werden im zyprischen Parlament bereits beraten. Und die Regierung scheint darüber nachzudenken, ihren Widerstand gegen eine Zwangsabgabe auf reiche Konteninhaber aufzugeben. Die Restrukturierung der Laiki Bank könnte obendrein bedeuten, dass Kunden mit Guthaben über 100.000 Euro bis zu 40 Prozent ihrer Einlagen verlieren. Damit hätte die Bundesregierung ihr Ziel erreicht, die Profiteure der Steueroase Zypern an der Bankenrettung zu beteiligen.

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insgesamt 54 Beiträge
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1. das
jamesbrand 22.03.2013
wäre einmalig, Profiteure der Steueroasen zur Kasse beten. Kann das nicht glauben.
2. optional
uezegei 22.03.2013
Bei Vorschlag Nummer 3 schreibt SPON "die nächste Eurokrise ist da". Mir war nicht bewusst, dass die Krise bisher einmal verschwunden war. Es ist wie bei einem AIDS-Kranken: die Krankheit ist immer da, nur die akuten Symptome können kurzfristig einmal übertüncht werden.
3. Aufpassen
Ottokar 22.03.2013
sollte Frau Merkel von den original Vorgaben abrücken, sich mal wieder drehen, kann sie die Wahl im September vergessen
4. der weiße Retter (sic!) wird kein Sowjet sein
bewarzer-fan 22.03.2013
der weiße Ritter (!) kommt aus China. Die Rotchinesen sehnen eine punktuelle Krise geradezu daher. Diese droht, wie ein Schwarzes Loch, alles um sich herum (im EUR-Raum) in sich aufzusaugen. Hier kann China seinen künstlich überbewerteten Renminbi einwerfen, das Loch stopfen und als glücklicher Retter da stehen. Wohlgemerkt: ohne wirkliche Verluste.
5. Es gibt einen Plan Z,
hdudeck 22.03.2013
den ganzen Krempel an die Tuerkei verkaufen und damit die Schulden Zyperns bezahlen. Die halbe Insel haben die doch schon, den Rest nehmen die mit Kusshand. Hat man doch schon in der vergangenheit gemacht, Louisiana von FR an USA, Alaska von Russland an die USA usw. Geht doch, hat die Vergangenheit gezeigt. Waere auch eine Loesung fier GR IT und SP. Diese Loesung tut weh, aber ist vielleicht eine gute Lexion fuer die Zukunft, nicht so viele Schulden anzuhaeufen.
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