Euro-Krise Zypern will Kapitalkontrollen bis Januar aufheben

Die Lage in der Euro-Zone entspannt sich etwas: In Zypern will die Regierung bis Januar alle Beschränkungen des Kapitalverkehrs aufheben. Spanien und Italien kommen offenbar mit ihren Sparbemühungen einen Schritt voran.

Kunden vor zyprischer Bank: Hoffen auf unbeschränkten Geldverkehr
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Kunden vor zyprischer Bank: Hoffen auf unbeschränkten Geldverkehr


Nikosia - Monatelang mussten Zyperns Bankkunden erhebliche Behinderungen hinnehmen, nun könnte das bald vorbei sein: Die Regierung will die Kontrolle des Kapitalverkehrs im Januar auslaufen lassen. "Die Kontrollen werden aufgehoben", sagte Präsident Nikos Anastasiades am Mittwoch der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie werden bis Ende Januar 2014 enden."

Die Restriktionen waren im März eingeführt worden, um einen Zusammenbruch der Banken zu verhindern. Damals hatte die Regierung im Gegenzug für die Finanzspritze von zehn Milliarden Euro durch seine internationalen Partner zugesagt, zur Sanierung des maroden Bankensektors auch auf die Einlagen der Sparer zurückzugreifen. Die Befürchtung war, dass verunsicherte Kunden ohne Kapitalverkehrskontrollen zu viel Geld von ihren zyprischen Bankkonten abheben und ins Ausland schaffen würden.

Durch die Kapitalverkehrskontrollen waren unter anderem nur Kreditkartenzahlungen von bis zu 5000 Euro pro Monat möglich. Überweisungen ins Ausland für geschäftliche Zwecke waren auf 5000 Euro pro Tag begrenzt. Festgeldkonten durften nicht geplündert werden, Anleger durften am Auszahltag maximal zehn Prozent ihrer Ersparnisse abheben.

Hoffnungsschimmer in Italien und Spanien

Während sich in Zypern die Lage am Finanzmarkt etwas entspannt, gehen auch in Spanien und Italien die Reformen zur Sanierung der defizitären Haushalte voran.

Italien will seine zuletzt verschobene Erhöhung der Mehrwertsteuer von 21 auf 22 Prozent nun doch umsetzen - womöglich schon im Oktober. Es sei "äußerst wahrscheinlich", dass die Anhebung bereits zum kommenden Monat komme, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Regierungskreise. Die eigentlich schon für Juli geplante Anhebung war verschoben worden, weil es in der Koalition darüber Streit gegeben hatte.

Das hoch verschuldete Spanien indes will den Haushalt durch eine neue Rentenformen entlasten. Man wolle den Anstieg der Renten demnach nicht mehr automatisch an die Inflationsrate koppeln, berichtet Reuters unter Berufung auf einen Reformentwurf. Damit sollen binnen zehn Jahren 33 Milliarden Euro eingespart werden. Für 2014 und die Folgejahre sei lediglich ein Anstieg der Renten von mindestens 0,25 Prozent garantiert, was klar unter der erwarteten Inflationsrate von ein bis zwei Prozent liege.

Massive Proteste in Athen

In schuldengeplagten Griechenland kam es derweil zu heftigen Demonstrationen. Aus Protest gegen geplante Massenentlassungen im Öffentlichen Dienst traten die griechischen Staatsbediensteten am Mittwoch in einen 48-stündigen Streik. Der Ausstand steht unter dem Motto "Dauerkampf gegen die Sparpolitik".

Von dem Arbeitskampf sind vor allem Behörden und die Volksschulen betroffen. Die Gymnasiallehrer streiken schon seit Montag für fünf Tage. Auch die Ärzte in staatlichen Krankenhäusern nehmen am Ausstand teil.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
zolko 18.09.2013
1. Was für ein Zufall
gerade vor den Wahlen kommt heraus, das alles was Merkel's Regierung in Europa angeschuftet hat auch wirklich gut funktioniert. Cypern, Italien, Spanien, alles klappt wie geplant. Nur bei Griechenland hat SPON das nicht gewagt.
buerger2013 18.09.2013
2. Dieser
Zitat von sysopGetty ImagesDie Lage in der Euro-Zone entspannt sich etwas: In Zypern will die Regierung bis Januar alle Beschränkungen des Kapitalverkehrs aufheben. Spanien und Italien kommen offenbar mit ihren Sparbemühungen einen Schritt voran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-will-kapitalkontrollen-bis-januar-aufheben-a-922928.html
Beitrag hat mich an meine Kindheit erinnert. Ich war am Wochenende oft bei meinen Grosseltern und mein Opa hat mir dann immer Geschichten erzählt. Er nannt das damals Seemannsgarn.
jacksparrow12345 18.09.2013
3. 123
Zitat von sysopGetty ImagesDie Lage in der Euro-Zone entspannt sich etwas: In Zypern will die Regierung bis Januar alle Beschränkungen des Kapitalverkehrs aufheben. Spanien und Italien kommen offenbar mit ihren Sparbemühungen einen Schritt voran. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-will-kapitalkontrollen-bis-januar-aufheben-a-922928.html
:-D unfassbar da wird eine Mehrwertsteuererhöhung von 21 auf 22 Prozent als Schritt aus der Verschuldung bzw Auftrieb Italiens verkauft…es geht voran :-D wenn Sie die Mwst auf 30 Prozent erhöht hätten dann hätte hier wahrscheinlich Italien hats geschafft gestanden die Arbeitslosigkeit u Verschuldung ist auf dem Rückmarsch...was sich die leute so ausgedenken is schon faszinierend...
Gerüchtsvollzieher 18.09.2013
4. Dafür machen die Niederlande...
mehr Schulden, es geht voran...
spon-facebook-10000120661 18.09.2013
5. Querdenker sagt:
zypern sorgt doch so dafür, dass die Reichen vorher ihre Gelder in Sicherheit bringen können?
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