Nikosia - Mit der Zwangsabgabe für Inhaber von Bankkonten soll Zypern den Eigenbeitrag von knapp sechs Milliarden Euro stemmen, den die Euro-Gruppe zur Voraussetzung für ein Rettungspaket gemacht hat.
Doch das zyprische Parlament stimmte am Dienstagabend gegen die Maßnahme. Dagegen stimmten 36 Abgeordnete, 19 enthielten sich der Stimme. Kein einziger stimmte dafür.
Die Debatte über die Zwangsabgabe war zuvor von schrillen und antideutschen Tönen dominiert. Ein Abgeordneter der zyprischen Grünen warnte vor "einer neuen Fremdherrschaft am Horizont". Zwar müsse der Finanzsektor schrumpfen, "aber nicht mit der Pistole auf der Brust" und "nicht auf Basis eines Plans, der Zyperns Wirtschaft zerstören und uns zu Sklaven machen wird." Ein Abgeordneter der europäischen Partei klagte Deutschland direkt an: "Alle Parteien des deutschen Parlaments haben sich sehr beleidigend über uns geäußert. Sie haben gesagt, bei uns würde Geldwäsche stattfinden - als ob das nicht auch in ihrem Land passieren würde."
Ob das Rettungspaket damit gescheitert ist, ist völlig unklar: Am Mittwochmorgen will sich Präsident Anastasiades mit den führenden Politikern des Landes treffen, um das weitere Vorgehen zu diskutieren.
Ein Rettungsanker könnte Russland sein, dessen Bürger in großer Zahl Bankkonten auf Zypern unterhalten. Finanzminister Michalis Sarris ist am Dienstag nach Moskau geflogen. Per SMS dementierte er am Abend Berichte über seinen Rücktritt, die an den Finanzmärkten für zusätzliche Unruhe gesorgt hatten.
ade/dpa/AFP/Reuters
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