Milliardenspritze: Zyperns Zentralbank stützt Institute mit Notkrediten

Zypern hat die EU schon vor Monaten um finanzielle Hilfe für seine Banken angefragt. Während die Euro-Finanzminister mit der Auszahlung des Rettungspakets zögern, stützt die zyprische Notenbank die heimischen Geldinstitute einem Zeitungsbericht zufolge mit Notkrediten in Milliardenhöhe.

Graffito in Zyperns Hauptstadt Nikosia: "Troika raus" Zur Großansicht
AP

Graffito in Zyperns Hauptstadt Nikosia: "Troika raus"

Brüssel/Berlin - Zyperns Geldinstitute sind arg in Bedrängnis, die Rating-Agentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Landes auch wegen der Probleme im Bankensektor am vergangenen Freitag um gleich drei Stufen herunter. Während die Banken auf die Entscheidung über ein Hilfspaket aus Brüssel warten, nehmen sie dem "Handelsblatt" zufolge enorme Kredite bei der Notenbank des Landes auf.

Demnach hilft die zyprische Zentralbank den Geldinstituten mit Notkrediten in Milliardenhöhe. Die Summe dieser sogenannten Emergency Liquidity Assistance (Ela) liege bei 9,4 Milliarden Euro. Diese für das kleine Land hohe Summe geht der Zeitung zufolge aus einer Statistik von Zyperns Zentralbank hervor. Zwar vergibt die Notenbank die Notkredite, ist dabei allerdings auf die Duldung der Europäischen Zentralbank (EZB) angewiesen, die bei der Ela-Vergabe ein Vetorecht hat.

Von SPD und Grünen kommt deshalb Kritik an dem massiven Ela-Einsatz, mit dem die zyprischen Banken über Wasser gehalten werden. "Die EZB springt mal wieder auf intransparente Weise ein", sagte Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick dem "Handelsblatt". Und die SPD macht dafür Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) verantwortlich. Beide hätten sich seit dem Hilfsantrag von Zypern vor einem halben Jahr nicht um die Probleme gekümmert.

"Infolge ihrer Untätigkeit muss nun wieder die EZB über die Ela in Zypern einspringen", sagte SPD-Chefhaushälter Carsten Schneider der Zeitung. "Damit werden aber die Risiken der Bankenfinanzierung auf die Steuerzahler in Europa umverteilt." Formal trägt zwar nur Zyperns Zentralbank das Ausfallrisiko für die Ela-Mittel, die sie gewährt. Doch bei einer Staatspleite könnten die Verluste letztlich doch bei den anderen Euro-Notenbanken landen, fürchten Kritiker.

nck

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Die
mallorcafan 14.01.2013
Zitat von sysopZypern hat die EU schon vor Monaten um finanzielle Hilfe für seine Banken angefragt. Während die Euro-Finanzminister mit der Auszahlung des Rettungspakets zögern, stützt die zyprische Notenbank die heimischen Geldinstitute einem Zeitungsbericht zufolge mit Notkrediten in Milliardenhöhe. Zyperns Zentralbank stützt Institute mit Notkrediten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zyperns-zentralbank-stuetzt-institute-mit-notkrediten-a-877317.html)
sog. Kritiker nimmt doch keiner mehr Ernst. Zypern wird genausoviel Geld bekommen, wie es braucht. Peer hat schon Solidarität eingefordert und Merkel wird in Kürze vom " nicht fallen lassen " sprechen und garantieren. Das ist dann die Freigabe für alle Kohle und die Kritiker werden im parlament wieder ganz vorn bei der Abstimmung sein.
2. Zypern,
sarkosy 14.01.2013
ein wunderbares Lehrbeispiel dafür,wie alle,nicht nur Merkel/Schäuble,Bundestag und Bundesrat umgehen,ganz bewusst und alternativlos:Man tut nichts,um die Wiederwahl nicht zu gefährden!Die Schulden steigen an,denn irgendwie bekommen diese Leute immer wieder neues Geld;als ultima ratio springt dann die EZB ein,deren Chef ja auf acht Jahre ernannt wurde und nicht abgesetzt,ja,nicht einmal ordentlich gerügt werden kann.Daran anschliessend rutscht die dt.Regierung über unvermeidbare Garantiezahlungen an die EZB in die von Frau Merkel so geliebte "alternativlose" Zahlungen auf dem Rücken der Steuerzahler,die für diesen Dreck ja nichts können.So einfach geht das.
3. ELA für russisches Schwarzgeld!
Pandora0611 14.01.2013
Zitat von sysopZypern hat die EU schon vor Monaten um finanzielle Hilfe für seine Banken angefragt. Während die Euro-Finanzminister mit der Auszahlung des Rettungspakets zögern, stützt die zyprische Notenbank die heimischen Geldinstitute einem Zeitungsbericht zufolge mit Notkrediten in Milliardenhöhe. Zyperns Zentralbank stützt Institute mit Notkrediten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zyperns-zentralbank-stuetzt-institute-mit-notkrediten-a-877317.html)
Diese wurden von der "Draghibank" genehmigt. Wir wollen doch nicht, daß die Russenmafia ihr Schwazgeld verliert, da sind wir doch solidarisch. Bei einer Zahlungsunfähigkeit Zyperns landen sie aber beim Steuerzahler. Auch wenn Zypern das immer wieder abstreitet, wird es dadurch nicht wahr! Finanzminister Vassos Shiarly gibt also zu, daß Zypern eine *Steueroase *ist!
4. unsäglich
bugs bunny 14.01.2013
keine Hilfen für Zypern mit deutschen Steuergeldern, weder direkt, noch indirekt! Der Geldwäschesumpf in Europa muss endlich ausgetrocknet werden! Wir leben doch nicht in einer Bananenrepublik - oder?
5. Beschleunigung
lscpilot 14.01.2013
Der Zug zur Vergemeinschaftung der Schulden nimmt erneut Fahrt auf. Die Geschwindigkeit ist ohnehin schon so groß, dass die Zahlmeister der EU nicht mehr abspringen können ohne Kopf und Kragen zu riskieren, aber die Notbremsen müssen betätigt werden bevor das Ganze aus den Schienen springt.
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