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Sozialstudie: "Hartz IV macht Kinder arm"

Jedes achte Kind in Deutschland lebt mittlerweile auf Sozialhilfeniveau. Die Nationale Armutskonferenz macht in ihrer heute vorgestellten sozialpolitischen Bilanz die Arbeitsmarktreform Hartz IV als Ursache für die wachsende Armut aus.

Berlin - Allein die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren, die auf Sozialhilfeniveau leben, habe sich 2005 von einer Million auf 1,5 Millionen erhöht, sagte Hans-Jürgen Marcus, Sprecher der Nationalen Armutskonferenz, heute in Berlin. Die Dunkelziffer schätzt er auf rund 200.000 Kinder. Als Grund für die steigende Zahl armer Menschen nannte er die Arbeitsmarktreform Hartz IV.

Junge in sozial schwacher Gegend: Bürokratische Hürden, fehlende Ansprechpartner
DPA

Junge in sozial schwacher Gegend: Bürokratische Hürden, fehlende Ansprechpartner

"Wo ein Kinderwagen als Darlehen gewährt oder mit Krediten finanziert werden muss, werden Kinder bereits mit Schulden geboren", betonte Marcus. Der Hartz-IV-Regelbetrag reiche vielen Betroffenen nicht aus, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. "Als Reaktion auf diese Not hat sich die Zahl der Tafelangebote bundesweit explosionsartig von 350 auf 580 erhöht", gab Marcus zu bedenken. Auch die erhoffte Eingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt gelinge durch Hartz IV nicht. Grund seien fehlende Arbeitsplätze und die Fixierung auf Ein-Euro-Jobs.

Bürokratische Hürden, fehlende Ansprechpartner und ein fehlerhaftes EDV-System erschwerten zudem die Hilfesuche arbeitsloser Menschen. Derweil bleibe das System der Arbeitsverwaltung "auf Milliarden von Fördermitteln sitzen, mit denen eigentlich Arbeitslose durch Aus- und Weiterbildung gefördert werden sollten", warf Marcus der Bundesregierung vor.

Für den großen Teil der Betroffenen habe sich die Lage dramatisch verschlechtert, sagte Marcus. Es gebe eine eindeutige Zunahme von Menschen in prekären Lebenssituationen. Die Armutskonferenz, ein Zusammenschluss von Wohlfahrtsverbänden sowie Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen, wandte sich gegen die Darstellung des früheren Arbeitsministers Wolfgang Clement, der Missbrauch liege beim Arbeitslosengeld II bei bis zu 20 Prozent. Die Konferenz gehe von zwei bis drei Prozent aus.

kaz/ddp/Reuters/AP

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