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23. März 2006, 16:12 Uhr

Space Park

Bremen verramscht seine Investitionsruine

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Ein englischer Immobilienfonds hat die Bremer Investitionsruine "Space Park" gekauft. Der Senat ist sein Sorgenkind los. Doch Jubel kommt nicht auf - denn noch ist unklar, was der neue Besitzer mit dem Pleitebau vorhat.

Bremen – Den "Himmel auf die Erde holen" wollten die Betreiber des Bremer Space Parks, als sie Anfang 2004 das Weltraumerlebniscenter eröffneten. Rund 480 Millionen Euro hatten private Investoren in das Projekt investiert, 150 Millionen Euro das Land Bremen. Der Park sollte dem notorisch klammen Stadtstaat zu mehr Prestige, Arbeitsplätzen und Einnahmen verhelfen.

Zwei Jahre später geht es für Bremen nur noch darum, dass in die 26 Hektar große Investitionsruine im Stadtteil Gröpelingen endlich wieder "Leben reinkommt", wie es Senatssprecher Klaus Schloesser im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ausdrückt. Das ist nun absehbar, denn der Londoner Finanzinvestor Cardinal Asset Management hat den verwaisten Vergnügungspark nach wochenlangen Verhandlungen der Dresdner Bank abgekauft. Unklar ist, wie das "Leben" nach dem schief gegangenen All-Abenteuer genau aussehen wird.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte Bankensprecher Martin Halusa mit. Der Immobilienfonds wird aber vermutlich nur einen Bruchteil der zuvor investierten Summe geboten haben. "Viel Beton für wenig Geld" hätten die Londoner für das Areal erhalten, zitiert der "Weser-Kurier" ein Mitglied des Bremer Senats. Die Briten seien hohe Immobilienpreise gewöhnt, da müsse ihnen der Space Park wie ein Schnäppchen vorgekommen sein.

Doch was wird aus dem riesigen Einkaufs- und Freizeitzentrum, dem Hotel mit 162 Zimmern und den zehn Kinosälen? Nick Corcoran, Gründer von Cardinal Asset Management, teilte bislang lediglich mit, dass man beim Umbau auf dem ehemaligen Werftgelände "sehr eng" mit den Bremer Stadtvätern zusammenarbeiten wolle. Ziel sei ein "dynamisches Umfeld und ein herausragendes Einkaufs- und Ausflugsziel", von dem die gesamte Region profitiere.

Ärger mit Triple Five aus Kanada

Solch hochtrabenden Pläne hatten auch die Vorbesitzer beim Start gehabt. Doch im September 2004 war das Weltraumerlebniscenter nur sieben Monate nach seiner Eröffnung dicht gemacht worden – zu wenig Besucher. Und in die Läden der 44.000 Quadratmeter großen Einkaufsmeile zog nie jemand ein. 300 Beschäftigte verloren damals ihren Job.

Seitdem war immer wieder versucht worden, einen Käufer für den Weltraumrummel zu finden. Im November vergangenen Jahres war das Center an das kanadische Unternehmen Triple Five veräußert worden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollten die Nordamerikaner lediglich 55 Millionen Euro zahlen. Doch die Dresdner Bank trat wenig später von dem Kaufvertrag zurück. Der Deal soll gescheitert sein, weil die Kanadier nur die erste Rate in Höhe von 1,5 Millionen Euro zahlten.

Bei den Kaufverhandlungen hatte Triple Five einen anderen Interessenten überboten, das israelische Unternehmen Elbit Medical Imaging. Nun wird spekuliert, ob die auf das Bauen von Einkaufszentren spezialisierte Firma aus Tel Aviv wieder mit von der Partie ist. Da Cardinal Asset Management nur ein Finanzinvestor ist, der bislang nicht als Projektbetreiber in Erscheinung trat, wird in Bremen davon ausgegangen, dass die Briten einen Partner für den Relaunch des Space Parks aufbieten werden.

Angst vor Spekulanten

Schon wird heftig über die Absichten der neuen Besitzer spekuliert. "Wir sind überhaupt nicht froh, dass der Space Park an einen Hedge-Fonds verkauft worden ist", zitiert der "Weser-Kurier" die Grünen-Fraktionschefin Karoline Linnert. Denn ein international tätiger Finanzdienstleister sei "weniger am Betrieb eines Objektes als an Spekulationsgeschäften interessiert".

Auch ihre Parteikollegin Helga Trüpel sieht in dem Verkauf des Parks noch keinen Grund zur Freude. "Es muss klar sein, was die vorhaben", sagte sie zu SPIEGEL ONLINE. "Und ist das dann für Bremen verträglich?" Als die Kanadier das Center übernehmen wollten, war auch von einem gigantischen Spielkasino auf dem Areal im Nord die Rede - ein Plan, den die Grünen ablehnen. 

Mit dem Space Park könnten die neuen Besitzer "nicht machen, was sie wollen", stellt Senatssprecher Schloesser klar. Die Briten hätten das Objekt quasi "gekauft wie besehen". Es würden noch die jetzigen Bebauungspläne gelten, und eine Kasinoerlaubnis existiere nicht.

Fest steht offenbar nur, dass der Name Space Park verschwindet soll. Wer will schon den Titel eines gescheiterten Weltraum-Projekts übernehmen?

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