Milliardär fliegt zum Mond Obszöne Lustreise

Ein Japaner wird der Erste sein, der einen Flug zum Mond allein zu seinem Privatvergnügen macht. Der Milliardär lässt sich seine Reise viel Geld kosten - und raubt trotzdem Ressourcen, die eigentlich allen gehören.

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Der erste Privatmann macht eine Rundreise durchs Weltall. Einmal Mond und wieder zurück in vier bis fünf Tagen. Wenn der japanische Milliardär Yusaku Maezawa im Jahr 2023 tatsächlich aufbricht, wird sein Shuttle zunächst eine Runde um die Erde fliegen und dann Kurs auf den Mond nehmen, der dann ebenfalls umrundet werden soll.

Anders als die ersten Touristen im All - bislang waren es sieben - wird Maezawa nicht etwa eine Crew von Wissenschaftlern auf ihrem Flug zur Raumstation ISS begleiten und von dort aus die Erde durch ein Bullauge betrachten, während die anderen arbeiten. Nein, für ihn und seine Gäste - sechs bis acht Künstler will Maezawa auf seinen spektakulären Flug einladen - startet eigens eine Rakete. "Big Falcon Rocket" wird sie heißen.

Wie hoch der Preis für die Vergnügungstour ist, darüber hüllen sich alle Beteiligten zwar in Schweigen. Doch am Rande der großen Party am Firmensitz von Elon Musks Weltraumunternehmen SpaceX, auf der Maezawa als "First Passenger" ausgerufen wurde, gab der Japaner immerhin einen Hinweis. Der Preis für sein Weltraumabenteuer übersteige den für das teuerste Gemälde seiner Sammlung, erklärte er einem staunenden Journalisten. Er meinte ein Werk von Jean-Michel Basquiat, für das er im vergangenen Jahr mehr als 110 Millionen Dollar ausgegeben hatte.

Inspiration für künstlerische Projekte

Kennen Sie Elon Musk?

Und dennoch ist Maezawas Mondfahrt obszön. Aufwand und Einsatz von Ressourcen stehen in einem eklatanten Missverhältnis zu dem, was unter dem Strich dabei herauskommen dürfte. Maezawas Erwartungen selbst sind sogar eher gering. Ihm geht es um die Verwirklichung eines Kindheitstraums, die Grenzerfahrung wird ihn persönlich bestimmt ein Stück voranbringen. Für seine Gäste erhofft er sich Inspiration für ein paar kreative Kunstprojekte, die zweifelsohne Wirkung in der Gesellschaft entfalten könnten. Diese bezahlt dafür mit dem Verbrauch von Ressourcen, die allen gehören.

Dem geringen Ertrag steht der Aufwand für ein gewaltiges Raketenprojekt gegenüber, das eigens noch entwickelt werden muss. Auf "weniger als zehn aber mehr als zwei Milliarden Dollar", schätzt Elon Musk die Entwicklungskosten für die Rakete - wobei man fairerweise hinzufügen muss, dass "Big Falcon Rocket" (Musk selbst spricht von "Big fuck Rocket") anschließend noch häufiger ins All starten und dabei auch Nutzlast befördern soll. Doch die Zahl der Starts und Landungen etwa einer Boeing 787, die locker für eine Dienstzeit von 30 Jahren taugt, wird sie definitiv nicht erreichen.

Der Vergleich mit der erwähnten Boeing (die man ja durchaus auch für verschwenderische Lustreisen verwenden kann) zeigt übrigens, in welch - buchstäblich - anderen Dimensionen sich ein Flug ins All bewegt. Wollte man den zusätzlichen Aufwand in einer mathematischen Kurve nachzeichnen, dann würde sie ungefähr so steil ansteigen wie die Flugkurve der Rakete.

  • An einem Weltraumbahnhof widmen sich ganze Hundertschaften, darunter hochqualifizierte Techniker und Ingenieure, der Fürsorge vor und während das Fluges.
  • Am Himmel über der Startrampe ist während des Starts über mehrere hundert Quadratkilometer jede Flugbewegung verboten.
  • Während der gut 18 Minuten, die die Raketentriebwerke für Schub sorgen, fließt so viel Treibstoff durch die Brennkammern, wie eine vollbesetzte 787 von Frankfurt am Main nach New York benötigt.

Weltraum ist keine Spaßveranstaltung

Zwar ist die Nutzlast, die eine einzelne Rakete in die Geostratosphäre befördern kann, rund dreimal höher als die eines Verkehrsflugzeugs, trotzdem liegen die Frachtkosten pro Kilogramm um ein Vielfaches höher. Kein Wunder also, dass seit Beginn der Raumfahrt lediglich 568 Personen ins All geflogen sind, nur zehn davon nicht als Raumfahrer im Sinne der Internationalen Raumfahrtorganisation.

Es gibt auch nicht dringend notwendige Dinge, die den Weg in den Weltraum finden: Kunstwerke wie die mit Glitzersteinen besetzte Kugel namens "Humanity Star" des Neuseeländers Peter Beck etwa. Oder der Tesla, den der PR-versierte Musk seiner neuen Lastrakete "Falcon Heavy" auf ihrem ersten Testflug mitgab. Und Mitte November will der Künstler Trevor Paglen seinen schillernden Satellit "Orbital Reflector" in die Umlaufbahn bringen.

Länger ist die Liste nicht. Weltraumflüge sind - zumindest derzeit noch - keine Spaßveranstaltung. Der Aufwand steht noch immer in engem Zusammenhang zum Nutzen: Erkenntnisse für die Forschung, der Transport von Satelliten für Kommunikation, zur Vermessung der Erde und für die Erforschung von Wetterphänomenen. Oder um die Frage zu beantworten, ob Menschen sich überhaupt längere Zeit in der Schwerelosigkeit aufhalten können.

Das Ziel der Bewusstseinserweiterung sinnsuchender Milliardäre erfüllt diese Kriterien jedoch nicht.

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xxgreenkeeperxx 18.09.2018
1. Obszön geht anders
Immer diese an den Haaren herbeigezogenen Vergleiche nur um solche Leistungen schlecht zu reden. Ich finde Herr Musk macht alles richtig. Anstatt irgendwelche hilflosen Versuchstiere oder unentbehrliche Wissenschaftsgenies auf die erste Tour mit der BFR zum Mond zu schicken, nimmt er einen entbehrlichen Millionär und dessen Gefolge, die sich auch noch freiwillig melden und dafür noch ordentlich bezahlen dürfen, also zumindest einer von ihnen. Schon mal überlegt was da alles schiefgehen kann? Er sollte bei diesem Deal nur an den Haftungsausschluss denken, dann kann er sich beruhigt zurücklehnen. Sein Beispiel sollte für alle weiteren Testflüge ein Vorbild machen. Statt unschuldige Tiere zu opfern sollten Menschen eingesetzt werden, die dafür auch noch bezahlen müssen. Freiwillige gibt es dafür ja nun wahrlich genug wie man lesen kann.
rational82 18.09.2018
2. Wo liegt das Problem?
Einen Sinn für Eigentum scheinen sie nicht wirklich zu haben. Wie sonst können sie behaupten, es würde Ressourcen verbraucht, die allen gehören? Seit wann gehören denn die Ressourcen der Erde allen Menschen? So ein Unsinn. Er bezahlt doch alles und da er zum Glück mit seinem Geld machen darf, was er möchte, sehe ich absolut nichts verwerfliches daran.
ekel-alfred 18.09.2018
3. Klingt ein bisschen neidisch?
Ja, Herr Kröger, wofür soll ein Milliardär denn sonst sein Geld ausgeben? Noch ein Gemälde, ein Haus, ein Boot, ein Pferdestall? Die haben doch schon alles. Lass ihn die Kohle ausgeben, wenn er damit die Entwicklung einer Rakete bzw. Hochtechnologie fördert und ein paar Arbeitsplätze sichert, ist das ok. Ökologisch gesehen sind diese Lustreisen eine Katastrophe, keine Frage. Aber ein Massentourismus ins All wird es wohl nie geben.
5b- 18.09.2018
4. Ressourcen für alle
Ressourcen sind nicht für alle da. Sie sind für diejenigen da die sie erhalten und verwenden. Luft als Ressource ist für alle da die sie einatmen. Wenn wir sie weiterhin verschmutzen ist weniger von ihrer möglichen guten Form für andere da. Man sollte natürlich nachhaltig denken, so dass alle möglichst lange und viel von allem haben. Wenn aber nun ein Milliardär viel Geld ausgeben will, so ist es legitim, dass er es so ausgibt wie er will do lange er keine Gesetze bricht oder die Rechte oder Unversehrtheit anderer schädigt. Der Grund warum so wenige sinnlose Sachen im All gemacht werden ist schlicht und ergreifend, dass es der teuer ist und große Organisationen alles veranstalten. Wenn nun aber eine private Firma und ein Privatmann irrsinnig viel Geld für einen Ausflug ausgeben wollen, so dürfen sie das. Die Ressourcen die dabei verwendet werden sind nämlich in der Realität für die da, die sie sich leisten können.
COLLOT 18.09.2018
5. Berechtigte Kritik, aber...
Das ist nun mal der Preis des Fortschritts, dass am Anfang nur einige Leute von einer Entwicklung profitieren. Langfristig hat die Menschheit aber was davon. Hätten die Autokonstrukteure seinerzeit die gleiche Kritik zu Herzen genommen, würden wir heute noch mit Kutschen herumfahren.
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