Sparpläne ProSiebenSat.1 will 180 Stellen abbauen

Erst die Nachrichten, dann die Menschen, die sie machen: Nach dem kurzfristigen Aus der Sat.1-Nachrichten will ProSiebenSat.1 weitere Stellen abbauen. Um profitabler zu werden stehen rund 180 Arbeitsplätze bei dem Medienkonzern auf der Kippe.


München - "Am Standort Berlin sind 100 Mitarbeiter, in München 80 betroffen", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person heute am Rande der Hauptversammlung der Senderkette in München der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Rund 80 betroffene Mitarbeiter hätten Zeitverträge. "Bei der anstehenden Programmreform von Sat.1 werden einige Formate ersetzt werden", sagte auch Senderchef Guillaume de Posch auf der Hauptversammlung des Medienkonzerns in München. Dies habe leider auch personelle Konsequenzen für die Mitarbeiter dieser Formate. Wie viele Stellen wegfallen werden, sagte de Posch nicht.

Satellitenschüsseln von Sat.1: Sender hat zu viele Zuschauer verloren
REUTERS

Satellitenschüsseln von Sat.1: Sender hat zu viele Zuschauer verloren

Erst gestern war bekannt geworden, dass die Nachrichtensendungen "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend" kurzfristig eingestellt werden, die 35 Mitarbeiter der Reaktion sind ab sofort freigestellt, ihre Verträge laufen noch bis November. Die Sendergruppe habe 2006 mit 29,4 Prozent einen ganzen Prozentpunkt bei den Zuschauermarktanteilen verloren, sagte de Posch vor etwa 150 Aktionären. "Der Verlust von Zuschauer-Marktanteilen geht vor allem auf das Konto von Sat.1", erklärte er. Der Sender habe im vergangenen Jahr einen Prozentpunkt eingebüßt, wofür eine Schwäche im Programm verantwortlich sei.

Medienberichten zufolge sollen insgesamt sogar 200 bis 300 Stellen bei der Senderkette abgebaut werden. Laut früheren Berichten ist der mit der Übernahme von SBS einhergehende Renditedruck der Finanzinvestoren KKR und Permira Hintergrund der Entlassungen. Die neue Mediengruppe soll etwa vier Milliarden Euro Schulden haben. KKR und Permira sind maßgeblich an beiden Sendergruppen beteiligt und haben die Übernahme, die vollständig über einen neuen Kredit finanziert wird, vorangetrieben.

"Mehr Zuschauernähe gewinnen"

Posch, dementierte, dass die geplanten Entlassungen auf Druck von KKR Chart zeigen und Permira erfolgen. "Die Entscheidung über sämtliche Maßnahmen ist alleine vom Management der Gruppe getroffen worden", sagte er auf der Hauptversammlung. Dies betreffe sowohl die Programmreform bei Sat.1 als auch die Sparmaßnahmen in der Gruppe. "Durch den weiteren Ausbau der Geschäftsaktivitäten der ProSiebenSat.1 Chart zeigen-Gruppe wird es mittelfristig wieder zu einem Aufbau von Stellen kommen", sagte Posch weiter.

Der neue Senderchef Matthias Alberti habe ein Konzept entwickelt, um Sat.1 breiter zu positionieren und wieder mehr Zuschauernähe zu gewinnen, sagte de Posch weiter. Für den Nachrichtensender N24 kündigte er an, er solle der modernste Nachrichtensender Europas werden. "N24 hat für die Zukunft Großes vor", erklärte er und fügte hinzu: "Wie Sie sehen, machen wir viel im Nachrichtenbereich."

Die Finanzinvestoren KKR und Permira hatten im Juni ihren europäischen Fernsehkonzern SBS für 3,3 Milliarden Euro an den Münchner ProSiebenSat.1-Konzern verkauft, an dem sie ebenfalls die Mehrheit halten. Finanzvorstand Lothar Lanz erklärte, man rechne mit Synergien von 80 bis 90 Millionen Euro jährlich. Davon seien zwei Drittel Kosteneinsparungen, ein Drittel komme aus zusätzlichen Umsatzpotenzialen.

sam/ddp/AP



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