Hamburg - Es ist eine E-Mail von hoher Brisanz, die den Vorstand des Komitees von Unicef Deutschland heute am frühen Abend erreicht hat. In dem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, fordert Alexander Rittweger, der Geschäftsführer des Unternehmens Payback, Unicef dazu auf, "personelle Konsequenzen" aus den Vorwürfen der letzten Tage zu ziehen - andernfalls werde Payback seine Spenden künftig an eine "andere Organisation" versenden.
Unicef bestätigte den Eingang des Mails. Man sei bereits im Gespräch mit Payback um zu erläutern, wie die aktuelle Krise überwunden werden soll, sagte ein Sprecher. Wie SPIEGEL ONLINE aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, wollen Unicef und Payback bereits am Donnerstang das erste mal sprechen.

Reinhard Schlagintweit, Übergangsvorsitzender von Unicef Deutschland: Ausstiegs-Drohung vom Großspender
Payback ist ein Kundenbindungs- und Rabattsystem für Kaufhäuser, Drogeriemärkte, Tankstellen, Optikerketten, Hotels und andere Dienstleister, das insgesamt rund 22 Millionen Haushalte nutzen. Den Kunden werden bei Einkäufen Punkte gutgeschrieben, diese können später gegen Prämien oder Warengutscheine eingetauscht werden. Kunden können ihre Punkte außerdem spenden - bislang vor allem an Unicef.
Seit die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG der deutschen Unicef-Sektion vorwirft, einen Kontrollbericht zu Verschwendung und Misswirtschaft beschönigt zu haben, häufen sich auch bei Payback die Beschwerden. "Seit gestern rufen beunruhigte Kunden in unserem Callcenter an und verlangen ihre gespendeten Punkte zurück", schreibt Rittweger in der Mail. Die "Frankfurter Rundschau" hatte berichtet, von einem gespendeten Euro kämen bei Unicef nur gut 70 Cent beim bedürftigen Kind an.
Die Firma betonte, man gehe zwar nicht davon aus, dass bei Unicef Spendengelder veruntreut oder verschwendet wurden. Man sei jedoch "in großer Sorge" über die mangelnde Fähigkeit im Hause Unicef, "durch eindeutige Worte und Taten Schaden vom bisher untadeligen Unicef-Image abzuwenden".
Rittweger schreibt, er hoffe nun, "dass Unicef den Ernst der Lage erkennt und rasch die richtigen - auch personellen - Konsequenzen zieht. Andernfalls müsse Payback seinen Mitgliedern "eine andere Organisation für ihre Punktespenden anbieten".
Auch andere Geldgeber wenden sich nach Zeitungsberichten von Unicef ab. In den vergangenen Wochen soll das Hilfswerk rund 5000 Dauerspender verloren haben.
ssu/haw
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH