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Spitzelaffäre: Bahn sammelte Krankendaten von Mitarbeitern

Neue Enthüllung bei der Bahn: Der Konzern hat einen weiteren Fall von "unzulässiger Datensammlung" eingeräumt. Demnach wurden Krankendaten von Mitarbeitern auf Listen der Sicherheitsabteilung geführt - die Verantwortlichen sollen nun gehen.

Berlin - Die Datenaffäre bei der Deutschen Bahn weitet sich aus. Krankendaten von Mitarbeitern seien auf Listen der Bahn-Sicherheitsabteilung geführt worden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Berlin mit. Die Informationen sollen zudem innerhalb des Konzerns weitergegeben worden sein. Dabei hätten die Daten gar nicht erst erhoben werden dürfen, räumte die Bahn ein.

Bahn-Zentrale in Berlin: Monatelang in der Kritik
AP

Bahn-Zentrale in Berlin: Monatelang in der Kritik

Der Bahn-Vorstand erhielt den Angaben aus dem Konzern zufolge zunächst interne Hinweise darauf, dass die Listen bei den Regionalbereichen von DB Sicherheit geführt und die Daten innerhalb des Konzerns weitergegeben wurden. Eine externe Untersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die schon bisher die Datenaffäre bei der Bahn geprüft hat, habe den Verdacht schließlich bestätigt.

Kritisch war demnach, dass es sich nicht um für den Arbeitsplatz spezifische Daten handelte. So dürfen Unternehmen etwa Daten über Krankheiten sammeln, wenn diese eindeutig direkt mit der Arbeit der Betroffenen in Verbindung stehen. Dies war bei der Bahn aber nicht der Fall, vielmehr handelte es sich den Angaben zufolge um Gesundheitsdaten allgemeiner Natur. Die Mitarbeiter von DB Sicherheit sind unter anderem für die Bewachung von Bahnhöfen und die Sicherheit in den Zügen verantwortlich.

Der Vorstand habe deshalb sofort Konsequenzen gezogen und werde sich von den "entsprechenden Mitarbeitern" trennen, hieß es weiter. Zugleich sei sichergestellt worden, dass sich ein solches Vorgehen nicht wiederholen könne. Genaue Zeiträume oder Zahlen nannte die Bahn nicht, die Zahl der Mitarbeiter, von denen man sich getrennt habe, liege aber im einstelligen Bereich.

Die Bahn stand bereits über Monate in der Kritik wegen des Massenabgleichs von Mitarbeiterdaten mit denen von Zulieferern. Damit wollte die Bahn nach eigenen Angaben Hinweisen auf Bestechung und Bestechlichkeit nachgehen.

Nach und nach waren die Maßnahmen der Bahn im Frühjahr dieses Jahres ans Licht gekommen. So hatte der SPIEGEL unter anderem berichtet, dass der Konzern mit einem Filtersystem auch intensiv den E-Mail-Verkehr der Mitarbeiter kontrollierte, teilweise Nachrichten löschte und Computer-Laufwerke durchforstete. Mit diesen Maßnahmen versuchte der Konzern auf die Spur von Kontakten der Beschäftigten zu Konzernkritikern und Journalisten zu kommen.

Im Zuge der Affäre musste unter anderem der langjährige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gehen. Seit dem 1. Mai steht Rüdiger Grube an der Spitze des Unternehmens.

yes/Reuters/AP/AFP

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Forum - Bespitzelt und überwacht – sind Arbeitnehmer schutzlos?
insgesamt 227 Beiträge
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1.
Hartmut Dresia, 25.04.2009
Zitat von sysopViele Unternehmen gehen in Sachen Datenschutz rüde mit ihren Mitarbeitern um. Bespitzelungen und Überwachungen scheinen oft an der Tagesordnung zu sein. Sind Arbeitnehmer solchen Methoden schutzlos ausgeliefert?
Nach der Vielzahl der Skandale der letzten Zeit, ist eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes geboten, damit die Schutzrechte für Arbeitnehmer gestärkt werden. Hierbei muss auch geprüft werden, welche Übergriffe von Betriebsleitungen zukünftig strafrechtlich zu verfolgen sind. Ob allerdings das aktuelle Parlament den Mut dazu aufbringt? Heiner Flassbeck: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/)
2.
Homanx 25.04.2009
Zitat von sysopViele Unternehmen gehen in Sachen Datenschutz rüde mit ihren Mitarbeitern um. Bespitzelungen und Überwachungen scheinen oft an der Tagesordnung zu sein. Sind Arbeitnehmer solchen Methoden schutzlos ausgeliefert?
Nicht nur Arbeitnehmer! Alle sind schutzlos!!! Wer das nicht erkannt hat, ist einfach weltfremd......
3.
roflem 25.04.2009
Zitat von sysopViele Unternehmen gehen in Sachen Datenschutz rüde mit ihren Mitarbeitern um. Bespitzelungen und Überwachungen scheinen oft an der Tagesordnung zu sein. Sind Arbeitnehmer solchen Methoden schutzlos ausgeliefert?
Das ganze basiert meiner Meinung nach auf den ehem. Stasi Mitarbeitern, die arbeitslos geworden, sich in der Privatdetektei Industrie angesiedelt haben und ihre "Fähigkeiten" wie Sauerbier anbieten. Nur so ist zu erklären, dass zum Teil berechtigte Überwachungsaufgaben in Stasi-ähnliche Verhaltensmuster ausufern, bei denen Mitarbeiter so tiefgreifend bespitzelt werden, dass am Ende Protokolle wie " M. spuckt nach rechts auf die Strasse, spricht mit dem Gemüsehändler" etc., auftauchen. Wer als Arbeitgeber seine Mitarbeiter bespitzeln will, soll sie einfach darüber informieren und entsprechenden Wisch unterzeichnen lassen basta!
4.
hanjin2 26.04.2009
Ich habs an anderer Stelle schon mal gepostet. Hier nochmal: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/729912?inPopup=true Interessant ist auch wie wir von unseren Volksvertretern vertreten werden. Ab der 28. Minute.
5.
daten-terrier 26.04.2009
Volle Zustimmung. Da spricht nämlich der Praktiker und praktisch selbst Betroffene. Wie man nachlesen kann, bin auch ich gewiss kein Freund unserer Staatsschnüffler, unserer ausweitenden Finanzamts-Stasi-Methoden und z.B. der personenbezogenen und nicht anonymisierten Daten-Schnüffelei des Staates auf unseren Bankkonten. Aber im selben Atemzug wurde momentan von den Medien der anonymisierte Kontenabgleich von Lieferantenkonten mit Angestelltenkonten als Stasi-Schnüffelei aufgebauscht. Obwohl diese anonymisierte Kontrollaktion zur möglichen Korruptionsbekämpfung niemandem schadet, im Gegensatz zu den kafkaesken Finanzamtsmethoden, wurde hier von verblendeten Journalisten bewusst die falsche Sau durchs Dorf getrieben. Sie wollten mit diesem kleine-Leute-Populismus Volkszorn erzeugen, um die Auflage zu steigern. Defakto lenken sie damit von von den in Wirklichkeit ausufernden personenbezogenen Schnüffelmethoden des Staates ab. Und nach wie vor, kann Jedermann von Jedermann mit der einfachen Meldeauskunft sämtliche aktuellen und bisherigen Meldeadressen erfahren. Und Wirtschaftsunternehmen erhalten die Adressen gleich in riesigen Paketen, online, gegen Gebühr natürlich, vom Datenhehler Staat in Persona der Kommunen. Allein Bochum brachte diese Adressenhehlerei einige Hunderttausend Euro ein. Diese Einnahmequelle will man nicht verschliessen. Datenschutz hin oder her. So verscherbelt der Staat weiter unsere Adressen an zahlungswillige Interessenten. Und Zypries und Schäuble lassen den Bundesdatenschutzzwerg dabei ins Leere laufen und freuen sich über die überbordende Hysterie, weil Mehdorn mal ein paar anonymisierte Kontennummern hat abgleichen lassen. Das nenn ich Kunst des Ablenkungskrieges! Ich sehe schon einen gewaltigen Unterschied darin, ob ein Finanzbeamter meine gesamten privaten Geldbewegungen durchschnüffeln kann und ob die Stadt meine Adresse für 3,58 Euro an einen Stalker verkauft, oder ob Herr Mehdorn nur Nummer meines Gehaltskontos anonym mit den Konten aus seiner Einkaufsabteilung vergleichen lässt. Man wollte Mehdorn weghaben, Schäuble und Zypries behalten und zur Wahl etwas Unternehmensfeindliche Datenschutz-Hysterie erzeugen, um von den Staatsschnüfflern abzulenken.
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