Spitzelaffäre Telekom-Chef Obermann droht mit harten Konsequenzen

Die Schnüffelaffäre bei der Telekom stellt das Krisenmanagement von Unternehmenschef Obermann auf die Probe. In einem Interview kündigte er an, hart gegen etwaige Spitzel in den eigenen Reihen vorgehen zu wollen. Darüber hinaus bleibt ihm nur noch Schadensbegrenzung.


Berlin - Er war angetreten, um der Telekom neuen Schwung zu verleihen, doch nun muss sich Unternehmenschef René Obermann mit einer beispiellosen Affäre auseinandersetzen: Nach Informationen des SPIEGEL hat die Telekom mehr als ein Jahr lang eigene Manager und Kontrolleure bespitzelt, um undichte Stellen in Vorstand und Aufsichtsrat aufzuspüren. Eine Berliner Beratungsfirma wertete die Datensätze zu den Verbindungen aus und glich sie mit den Telefonnummern von Journalisten ab.

Telekom-Chef Obermann: "Die Daten unserer Kunden sind sicher"
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Telekom-Chef Obermann: "Die Daten unserer Kunden sind sicher"

Obermann sagte jetzt der "Bild"-Zeitung, Fälle von Fehlverhalten müssten aufgeklärt werden und harte Konsequenzen nach sich ziehen. "Die aktuellen Vorwürfe, wenn sie sich bewahrheiten, widersprechen klar unserem Verständnis von Datenschutz."

Die Kunden versucht Obermann zu beruhigen: "Die Daten unserer Millionen Mobilfunk- und Festnetzkunden sind sicher", sagte er dem Blatt. Die Telekom habe 240.000 korrekt arbeitende Mitarbeiter, die sein Vertrauen genießen würden.

Nach Informationen des SPIEGEL sollte mit der Überwachung die Weitergabe vertraulicher Informationen aus Vorstand und Aufsichtsrat aufgespürt werden. Hunderttausende Datensätze von Mobilfunk- und Festnetzverbindungen sollen dabei ausgewertet worden sein. Das geht aus einem Fax einer von der Telekom beauftragten Berliner Sicherheitsfirma hervor, das dem SPIEGEL vorliegt.

Im Visier der Magenta-Schnüffler: eigene Manager, "mehrere Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite" und die "wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren private Kontaktpersonen". Die Aktionen seien vom damaligen Vorstand beauftragt und vom Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke über das Aufsichtsratsbüro bezahlt worden. Aufsichtsratschef war damals Klaus Zumwinkel.

Nach SPIEGEL-Erkenntnissen wird in dem Fax an die Telekom auch behauptet, weitere Spähattacken seien "konkret geplant und beauftragt" gewesen, unter anderem "die Überwachung eines Anteilseigners mit Hauptsitz in New York". Dort ist der Finanzinvestor und Telekom-Großaktionär Blackstone ansässig.

Die Telekom hatte am Wochenende bereits eingeräumt, nach derzeitigen Erkenntnissen sei es 2005 und 2006 zu missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen. Die Bonner Staatsanwaltschaft prüft nun die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Verletzung des Datenschutzes. Die Ermittler wollen im Lauf der Woche über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

Der FDP-Innenexperte Max Stadler sagte der "Frankfurter Rundschau", es sei erschütternd, dass ein Unternehmen, das besonders zur Verschwiegenheit verpflichtet sei, "die Grundrechte nicht achtet und keinen Respekt vor der Privatsphäre hat". Stadler sprach von einer allgemeinen Tendenz, zu der auch der Gesetzgeber beigetragen habe: Schließlich habe dieser so "haltlose Gesetze" wie das zur Vorratsdatenspeicherung erlassen.

ffr/ddp/AP/Reuters



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