Spitzelaffäre Telekom-Spione sollen auch Bankdaten ausgeforscht haben

In der Telekom-Affäre tauchen immer neue Erkenntnisse auf. Laut einem Pressebericht hat der Konzern nicht nur Telefonverbindungen ausgewertet, sondern auch Bankdaten. Vorstandschef Obermann muss nun zum Rapport nach Berlin: Innenminister Schäuble will mit ihm über Datenschutz sprechen.


München - Die Spähaktionen bei der Deutschen Telekom Chart zeigengingen deutlich weiter als bisher bekannt. So sollen nicht nur Telefonverbindungen, sondern auch Bankdaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgewertet worden sein. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf bisherige Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft.

Telekom-Zentrale in Bonn: Razzia im Büro des Vorstandschef.
DPA

Telekom-Zentrale in Bonn: Razzia im Büro des Vorstandschef.

Nach SPIEGEL-Informationen hat der Konzern sogar detaillierte Bewegungsprofile erstellt. Über Handy-Daten konnte die beauftragte Sicherheitsfirma abgleichen, wo sich einzelne Personen aufhielten.

Wer den Auftrag zu den Spitzelaktionen gegeben hat, ist noch nicht genau geklärt. Die Staatsanwaltschaft hat am gestrigen Donnerstag aber ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und gegen den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel eingeleitet. Mit dem Spähangriff wollte die Telekom offenbar ein Informationsleck in den eigenen Reihen ausfindig machen. Dafür ließ der Konzern in den Jahren 2005 und 2006 Journalisten und Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite ausforschen.

Der heutige Vorstandsvorsitzende René Obermann war im fraglichen Zeitraum noch nicht im Amt. Trotzdem muss er nun in der kommenden Woche zum Rapport nach Berlin: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will mit ihm über einen "verantwortungsvollen Umgang mit Daten" sprechen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Auch andere Chefs deutscher Telekommunikationsunternehmen sind geladen.

Das Treffen findet nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Montag statt. "Uns geht es darum, die Bedeutung des Datenschutzes in Unternehmen zu stärken", hieß es in Schäubles Umfeld. Die Telekom bestätigte, dass Obermann zu dem Treffen erscheinen werde.

Bei einer Razzia in der Telekom-Zentrale am gestrigen Donnerstag war unter anderem auch Obermanns Büro durchsucht worden. Gegen ihn oder andere aktive Vorstände wird laut Staatsanwaltschaft aber nicht ermittelt.

Nach dem Spitzelskandal beim Discounter Lidl ist die Affäre Telekom bereits der zweite Fall von massivem Datenmissbrauch, der in diesem Jahr bekannt wird. Der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) fordert deshalb eine bessere staatliche Kontrolle von Privatermittlern.

BDD-Geschäftsführer Hans Sturhan sagte der "Berliner Zeitung": "Wir wollen, dass es eine staatliche Prüfung für Privatdetektive gibt, auf die sich die Firmen dann verlassen können. Dass in Deutschland jeder - ohne Prüfung, ohne Verhaltenskodex - Detektiv spielen darf, ist ein Skandal."

Sturhan gab zu, dass die Beteiligung von Detekteien bei der Telekom und bei Lidl das Image der Branche in Mitleidenschaft gezogen habe. In beiden Fällen hätten die Aufträge ganz klar abgelehnt werden müssen, weil sie illegal seien. "Die Firmen sind aber keine Verbandsmitglieder bei uns, wir setzen uns schließlich dafür ein, dass Detektive sauber arbeiten."

wal/dpa/AP/ddp

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