Spitzengehälter Aufsichtsräte verdienen elf Prozent mehr als im Vorjahr

Deutschlands Aufsichtsräte können sich über deutlich mehr Geld freuen: Die großen Konzerne zahlen ihnen im Schnitt 258.000 Euro im Jahr - das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gut verdient der Chefkontrolleur der Deutschen Bank.


Frankfurt am Main - Von diesen Zuwachsraten können normale Arbeitnehmer nur träumen: Der Aufsichtsratschef der Commerzbank steigerte sein Gehalt in diesem Jahr um 105 Prozent. Bei der Deutschen Bank belief sich das Plus auf 73 Prozent, beim Energieversorger RWE waren es 50 Prozent. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin hervor.

Untersucht wurde die Vergütung der Aufsichtsratschefs in den 30 größten deutschen Börsenkonzernen. Im Schnitt verdienen sie rund 258.000 Euro im Jahr und damit elf Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 618.000 Euro fährt der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig, die höchsten Bezüge ein.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen Jürgen Strube von BASF mit 472.500 Euro und Gerhard Cromme von ThyssenKrupp mit 425.700 Euro. Der am niedrigsten bezahlte Aufsichtsratschef ist der des Pharma-Unternehmens Merck, er kommt auf 53.000 Euro im Jahr.

Betrachtet man nicht nur die Vorsitzenden der Kontrollgremien sondern sämtliche 526 Mitglieder der Dax-Aufsichtsräte, dann stiegen die Bezüge durchschnittlich um acht Prozent auf 84.500 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Gehaltssteigerung bereits 16 Prozent betragen. Auch die Bezüge der Stellvertreter stiegen mit durchschnittlich elf Prozent weniger stark als die der Chefs.

Der Studie zufolge werden bei der Vergütung von Aufsichtsräten stärker als bisher "sinnvolle Bemessungskriterien" angewandt. Die Unternehmensberatung Towers Perrin versteht darunter eine "erfolgsbasierte Bezahlung". Zudem bestehe der Trend, die Tätigkeit der Aufsichtsräte in Ausschüssen besser zu belohnen. Insgesamt geben die 30 Dax-Konzerne für die Vergütung ihrer Aufsichtsräte rund 60 Millionen Euro aus.

Aufsichtsratsvergütung: So viel verdienen die Chefaufseher *

Unternehmen Gesamtvergütung
2007
in Euro
Veränderung
im Vorjahrsvergleich
in Prozent
Adidas 42.000 0
Allianz 302.000 0
BASF 472.500 7
Bayer 270.000 15
BMW 315.000 9
Commerzbank 419.000 105
Continental 202.200 2
DaimlerChrysler 233.800 -2
Deutsche Bank 618.000 73
Deutsche Börse 187.397 0
Deutsche Lufthansa 231.500 43
Deutsche Postbank 148.157 4
Deutsche Post 120.978 -10
Deutsche Telekom 104.086 -27
E.on 426.067 7
FMC 142.996 -6
Henkel 400.000 0
Hypo Real Estate 195.000 0
Infineon 53.465 -5
Linde 305.400 15
MAN 280.000 14
Merck 51.845 20
Metro 201.655 2
Münchener Rück 225.000 4
RWE 355.500 50
SAP 215.000 0
Siemens 258.308 38
ThyssenKrupp 425.709 29
TUI 240.318 -23
Volkswagen 296.000 8

* vorläufige Angaben
Quelle: Towers Perrin

Bemerkenswert ist die Doppelbelastung, der zahlreiche Aufsichtsräte ausgesetzt sind. Von den knapp 300 Vertretern der Arbeitgeberseite in den Dax-Aufsichtsräten haben der Studie zufolge 48 die Geschäftsleitung in einem anderen Unternehmen inne, weitere 27 sind Mitglied im Vorstand oder in der Geschäftsleitung eines anderen Unternehmens.

In 12 Fällen war der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende früher Vorstandsvorsitzender im gleichen Unternehmen. Aktionärsschützer kritisieren immer wieder den Wechsel eines Vorstandschefs an die Spitze des Aufsichtsrats derselben Firma, weil er dort mitunter die Folgen selbst getroffener Entscheidungen kontrollieren soll. Gerade im Korruptionsfall Siemens war immer wieder bemängelt worden, dass das Kontrollgremium seiner Aufsichtspflicht nicht zureichend nachgekommen sei.

Die Autoren der Studie halten die Vergütungen der Aufsichtsräte dennoch für zu niedrig. Bei einfachen Aufsichtsratsmitgliedern sieht Towers Perrin sogar noch Bedarf, die Bezüge aufzustocken, "um die besten Fachkräfte für die Aufsichtsratstätigkeit gewinnen zu können".

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte bei der Hauptversammlung seines Instituts im Mai um Verständnis für das kräftige Plus der Bezüge von Aufsichtsräten geworben. Die Bezahlung der Vorstandskontrolleure sei nicht mehr angemessen, hatte Müller argumentiert: "Komplexität, Zeitaufwand und Verantwortung haben sich für die Mitglieder eines Aufsichtsrates in den vergangenen Jahren generell erhöht." Ähnlich hatte die Deutsche Bank einen Aufschlag für ihre Aufsichtsräte begründet.

wal/AFP/dpa



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