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Staatliche Förderbank: Hausbauer büßen für die Fehler der KfW

Von Christoph Rottwilm

Erst überwies die KfW mehr als 300 Millionen Euro an die insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers - dann erhöhte sie die Zinsen für ihre Förderkredite drastisch. Zufall? Experten sehen eher einen Zusammenhang mit einer anderen Krisenbank.

Hamburg - Die "Bild" urteilte: Die KfW ist "Deutschlands dümmste Bank". Noch am Tag der Pleite von Lehman Brothers Chart zeigen vor zwei Wochen hatte das staatliche Förderinstitut mehr als 300 Millionen Euro an die amerikanische Investmentbank überwiesen. Ganz Deutschland lachte über die - O-Ton "Bild" - "Dumm Banker" in der Chefetage.

KfW-Zentrale (in Frankfurt): "'Dumm Banker' in der Chefetage"
Getty Images

KfW-Zentrale (in Frankfurt): "'Dumm Banker' in der Chefetage"

Vielen Hausbauern dürfte das Lachen inzwischen jedoch vergangen sein: Die KfW hat ihre Zinskonditionen unmittelbar nach der Lehman-Panne deutlich erhöht. Der effektive Zins für das "Wohneigentumsprogramm 20/3/10" (20 Jahre Laufzeit, drei Jahre Tilgungsfreiheit, zehn Jahre Zinsbindung) etwa betrug nach Angaben des Finanzberaters FMH noch am Freitag, 12. September, 5,09 Prozent. Am 23. September, rund eine Woche nach dem Fall Lehman (15. September) also, lag der Zins bei 5,41 Prozent.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Hypothekenzins für Darlehen mit zehnjähriger Laufzeit stieg laut FMH im gleichen Zeitraum ebenfalls - aber nur von 5,09 auf 5,25 Prozent; inzwischen ist das Zinsniveau wieder etwas zurückgegangen. Die KfW hat ihre Konditionen also ziemlich genau doppelt so stark angezogen wie der Gesamtmarkt.

"Der jüngste Anstieg der KfW ist etwas stark ausgefallen", kommentiert FMH-Chef Max Herbst. Zudem habe die KfW den generellen Zinsanstieg im fraglichen Zeitraum ungewöhnlich schnell nachvollzogen. "Früher hat die Bank damit länger gewartet", sagt er.

Damit aber nicht genug: Experten beobachten schon seit längerem eine Verschlechterung der KfW-Konditionen im Vergleich zum Gesamtmarkt. Und nicht nur das Wohneigentumsprogramm ist davon betroffen, auch die KfW-40- und KfW-60-Darlehen, mit denen das Institut energiesparende Bauweise belohnen will, werden den Fachleuten zufolge immer unattraktiver.

"Die Zinskonditionen der KfW sind im vergangenen Jahr deutlich schlechter geworden", sagt etwa Christian Schmid-Burgk, Baufinanzierungsexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Früher war die KfW besser als die meisten Banken und Sparkassen, lediglich einige Direktbanken konnten die Konditionen toppen. Das ist heute in der Regel nicht mehr so."

"Banken verdienen an KfW-Darlehen besser"

Ein Blick auf die Grafik der Zinsverläufe von KfW und Gesamtmarkt bestätigt diese Einschätzung: Verlief die KfW-Kurve früher unter dem des Marktes, so bewegt er sich heute meist darüber. Hinzu kommt laut Schmid-Burgk, dass die KfW einen Anstieg der Zinsen am Markt inzwischen immer schneller nachvollziehe - sinke dagegen das Niveau, so lasse sich die Bank damit meist etwas mehr Zeit.

"Der Hauptgrund dafür, dass überhaupt noch KfW-Darlehen in Finanzierungen eingebaut werden, ist, dass die Banken daran besser verdienen als an anderen Produkten", sagt Schmid-Burgk. "Außerdem senkt das KfW-Darlehen bei einigen Anbietern die Beleihungsgrenze. Das kann die Konditionen für das Bankdarlehen verbessern."

Tatsächlich nutzen nach wie vor viele Hausbauer die Angebote der KfW für ihre Finanzierung. Nach Angaben der Förderbank wurden im Rahmen des Wohneigentumsprogramms allein im Jahr 2007 rund 5,1 Milliarden Euro an Förderdarlehen vergeben. In diesem Jahr verlieh die Bank in dem Programm bis Ende August bereits rund 3,1 Milliarden Euro - das Geld floss in mehr als 60.000 Projekte.

"Verschlechterung wegen Schwierigkeiten bei der IKB"

Es scheint offensichtlich: Die staatliche Bank brummt ihren Kunden die Rechnung für die Fehler im eigenen Hause auf. Schließlich war die Lehman-Panne in letzter Zeit längst nicht das einzige Problem der Staatsbank. Viel schwerer wiegt der Fall der Mittelstandsbank IKB Chart zeigen, die sich im großen Stil mit amerikanischen Ramsch-Hypotheken verspekulierte und inzwischen für wenig Geld an den US-Investor Lone Star entsorgt wurde. Rund acht Milliarden Euro hat die KfW bei dem Debakel versenkt. Experten hatten schon vor längerem prognostiziert, dass dies die Attraktivität der KfW-Angebote beeinträchtigen dürfte.

Zinsverläufe im Vergleich: KfW-Konditionen werden schlechter
manager-magazin.de

Zinsverläufe im Vergleich: KfW-Konditionen werden schlechter

"Die Zinssätze in den Förderprogrammen der KfW folgen den Entwicklungen am Kapitalmarkt", entgegnet dazu ein Sprecher der Bank gegenüber manager-magazin.de. "Die Konditionen werden jedoch nicht täglich angepasst, sondern nur bei nachhaltigen Veränderungen." Es werde versucht, diese Veränderungen so zeitnah wie möglich zu berücksichtigen. Aufgrund der aktuell sehr volatilen Entwicklung könnten kurzfristig gegenläufige Bewegungen aber nicht immer verhindert werden.

Generell sei allerdings unbestritten, dass die KfW im Zuge der Finanzkrise Einbußen zu verzeichnen hat, so der Sprecher weiter. Das operative Geschäft der KfW sei jedoch nach wie vor gut aufgestellt. "Diese Aussage hat auch nach der Überweisung an Lehman unverändert Gültigkeit." Explizit weist der Sprecher darauf hin, dass die KfW mögliche Unterstellungen zurückweist, die Zinsen aufgrund der Überweisung an Lehman Brothers überproportional angehoben zu haben.

Baufinanzierungsexperte Schmid-Burgk ist sich da nicht so sicher. "Dass der starke Zinsanstieg kürzlich mit der Lehman-Panne zusammenhängt, kann man nicht ausschließen", sagt er. "Sicher bin ich mir aber, das die allgemeine Verschlechterung der Konditionen auch auf Grund der Schwierigkeiten bei der IKB erfolgte." Grund genug, die Zinsen anzuheben und damit mehr Geld einzunehmen, hat die KfW jedenfalls. An dem IKB-Problem wird sie noch mindestens zehn Jahre zu knabbern haben - trotz des Großaufgebots prominenter Kontrolleure der KfW.

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