Staatsbesuch "Ich bin ein Kölsch"

Vor der Arbeit kam das Vergnügen. Zum Auftakt des Gipfels in Köln sorgte vor allem US-Präsident Bill Clinton für gute Laune in der Domstadt.


Köln - Nach seiner Ankunft hatte der mächtigste Mann der Welt gestern abend mit sechs Bodyguards und einer Gruppe Journalisten im Schlepptau der Kölner Kneipenszene einen Besuch abgestattet. Das Ziel : das traditionsreiche "Brauhaus zur Malzmühle" in der Altstadt. Dort nahm "unser Bill", wie kölsch-angeheiterte Gäste ihn riefen, ohne Umschweife auf einer der blankgescheuerten Holzbänke Platz. Er scherzte, schüttelte Hände, schrieb Autogramme auf Bierdeckel und bestellte dann einen rheinischen Sauerbraten mit Klößen. "Dat gibt et doch jar nit", entfuhr es da der Kölnerin Dagmar entzückt.

In der "Malzmühle": Clinton
DPA

In der "Malzmühle": Clinton

Anderthalb Stunden verbrachte Clinton in der Malzmühle. Ein halbes Kölsch genehmigte sich der Staatsmann - er wolle nicht müde werden, sagte er zu Begründung - und stieg dann auf Cola um. Daß sich der Präsident mit der gesundheitsgefährdenden Brause aus Belgien vergiftete, konnte nicht passieren. In der Malzmühle gibt es nur Afri-Cola.

Der staatsmännische Besuch und die Bierlaune inspirierten eine Runde von Studenten dazu, Clinton mit John F. Kennedy und seinem berühmten Ausspruch "Ich bin ein Berliner" zu vergleichen. Zum Abschied aus der Kneipe habe der Präsident, so behaupten sie, doch tatsächlich gesagt: "Ich bin ein Kölsch."



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