Staatseinstieg bei EADS Deutschland erwägt Partnerschaft mit Banken

Die Szenarien für einen deutschen Staatseinstieg bei EADS werden konkret: Inzwischen wird über einen gemeinsamen Einstieg mit Banken oder anderen Privatinvestoren nachgedacht. Finanzminister Steinbrück verteidigte in einem Interview eine mögliche Beteiligung Deutschlands gegen Kritiker.


München - "Es geht darum, ein Unternehmen zu stabilisieren, qualifizierte Arbeitsplätze zu sichern und zudem Augenhöhe zu wahren gegenüber unseren französischen Partnern", erklärte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) der "Süddeutschen Zeitung". Eine Entscheidung über einen Einstieg Deutschlands bei der Airbus-Mutter EADS Chart zeigen sei zwar noch nicht gefallen. Es seien aber durchaus Lösungen denkbar, "die ordnungspolitisch vertretbar sind".

Die Bundesregierung arbeitet bereits seit Wochen an Plänen für eine mögliche Staatsbeteiligung bei EADS. So will sie die Interessen der deutschen Airbus-Werke bei der Lösung der Krise, die durch die Lieferprobleme beim A380 ausgelöst wurde, besser verteidigen können. Der Bund könnte Anteile des Autokonzerns DaimlerChrysler Chart zeigen übernehmen, der seine EADS-Beteiligung von 22,5 Prozent weiter auf 15 Prozent reduzieren will. Nun wird in Berlin über einen gemeinsamen Einstieg mit Banken oder anderen Privatinvestoren nachgedacht. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat bereits offen über die Möglichkeit einer Mischlösung gemeinsam mit Privatunternehmen gesprochen.

In Frankfurt hatten daraufhin in den vergangenen Tagen Gerüchte kursiert, dass sich vor allem die Deutsche Bank Chart zeigenbeim Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen engagieren wolle. Es gebe bereits Gespräche zu dem Thema mit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, hieß es. Außerdem sei die Investmentbank Goldman Sachs als möglicher Partner genannt worden. Sollten diese Szenarien Realität werden, würde die deutsche Eigentümerstruktur der französischen ähneln: Dort besitzen der Staat und der Industriekonzern Lagardère Anteile an EADS.

Der stellvertretende US-Handelsminister Frank Lavin äußerte sich erneut besorgt über einen möglichen Einstieg Deutschlands bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern. Man dürfe "besorgt fragen", warum sich "der deutsche Staat an einem solchen Konzern beteiligen will, der sich offenkundig nicht marktgerecht verhält", sagte Lavin der Zeitung "Die Welt". Es gehe um die Frage, ob Staatsinterventionen der Wirtschaft einen guten Dienst erwiesen.

Steinbrück wies in der "SZ" jedoch Kritik zurück, nach Subventionsmilliarden stecke die öffentliche Hand nun weiteres Geld in das kriselnde Unternehmen: "Kein Mensch in der Bundesregierung beabsichtigt, den Bund plötzlich zum Unternehmer zu machen. Aber man kann Airbus nicht koppheister gehen lassen, nur weil das Unternehmen auf Grund von Managementfehlern in einer Anpassungskrise steckt oder sich ein industrieller Anteilseigner von Anteilen trennen will." Sollte der Staat sich beteiligen, werde aber kein Minister im Aufsichtsrat sitzen.

Am Wochenende hatte es unterdessen erneut Berichte über einen massiven Stellenabbau bei Airbus gegeben. Insgesamt würden der Sanierung bei der kriselnden EADS-Tochter 10.000 Stellen im Unternehmen sowie bei Zulieferern zum Opfer fallen, hieß es. Darauf hätten sich Lagardère und der französische Staat geeinigt. Bei Lagardère wollte man die Berichte nicht kommentieren. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, hieß es. Auch seitens des französischen Staats und von EADS gab es keinen Kommentar zu den Berichten. Bisher ist lediglich offiziell bekannt gegeben worden, dass bei den deutschen Airbus-Werken etwa tausend Leiharbeiter eingespart werden sollen.

ase/dpa/Reuters



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