Hamburg - Saparmurad Niyazov ist im zentralsasiatischen Turkmenistan allgegenwärtig. Das Staatsfernsehen zeigt das Konterfei von "Turkmenbashi dem Großen" ständig in einer Bildschirmecke. Im Stadtzentrum der Kapitale Aschkabad hat sich der "Präsident auf Lebenszeit" als güldene Statue von elf Metern Höhe verewigen lassen. Selbst die Monate sind nach Niyazov benannt.
Über den literarischen Wert des Buches kann man geteilter Meinung sein. Der turkmenische Staat hält alle anderen Literaturerzeugnisse für derart minderwertig, dass er seinen Bürgern kaum noch etwas anderes als das Ruhnahma zu lesen gibt, von ein paar Gedichtessammlungen des Präsidenten einmal abgesehen. Die Bibliotheken des Landes hat der Diktator, dessen Profilneurose und Herrschaftsstil stark an den nordkoreanischen "Lieben Führer" Kim Jong Il erinnern, kürzlich schließen lassen. Ein von der "Washington Post" befragtes Mitglied des Schriftstellerverbandes PEN kommt zu einem anderen Urteil. Niyazovs Schriften seien "unübersetzbares Gefasel", so Alexander Tkatschenko.
Neues Geschäftfeld für Großkonzerne
Zum Beispiel DaimlerChrysler. Der Autokonzern bestätigte gegenüber dem Blatt, dass Angestellte des Unternehmens das erste Ruhnahma-Buch übersetzt hätten. Im November 2003 hätten die Stuttgarter die deutsche Version der Diktatorenfibel veröffentlicht. Bei DaimlerChrysler
stand zunächst niemand für eine Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE zur Verfügung.
Der zweite Teil wurde laut "Post" von der Zeppelin Baumaschinen GmbH übersetzt. Das Unternehmen wolle Niyazovs Schrift demnächst auch in Deutschland vertreiben. Weitere Details zum Interesse des Maschinenbauers an totalitärer Literatur waren zunächst nicht zu erhalten. Mitglieder der Geschäftsführung sind nach Angabe eines Sprechers zurzeit nicht im Hause, die zuständige Pressesprecherin ist gar in ein entlegenes Land verreist, in dem sie "per Telefon gar nicht zu erreichen ist".
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