Stade Der erste Atommeiler geht vom Netz

Das Atomkraftwerk Stade stellt nach dpa-Informationen am Freitag kommender Woche seinen Betrieb ein. Es wird das erste AKW sein, das nach dem Beschluss der rot-grünen Bundesregierung zum Atomausstieg vom Netz genommen wird.


Grüne feiern Abschalt-Party: AKW Stade
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Grüne feiern Abschalt-Party: AKW Stade

Stade - Der Kernkraftwerks-Betreiber Eon will Mitte November Einzelheiten zum Rückbau bekannt geben, sagte eine Sprecherin des Konzerns am Dienstag. Den genauen Stilllegungs-Termin wollte sie aber nicht bestätigen. Der Betrieb des zweitältesten Atomkraftwerks in Deutschland habe sich wirtschaftlich nicht mehr gelohnt, sagte die Sprecherin.

Der Rückbau des Kraftwerks soll bis zum Jahre 2015 dauern. Rund die Hälfte der 320 Mitarbeiter wird daran beteiligt sein. Im Zuge der Arbeiten entsteht auf dem Gelände auch ein atomares Zwischenlager, wo bis zum Bau eines Endlagers schwach und mittel radioaktiv belastetes Material aus dem Meiler gelagert werden soll.

Das niedersächsische Umweltministerium plant für das Kraftwerk am kommenden Dienstag in Stade die abschließende Anhörung zu den Stilllegungsplänen. Die Grünen wollen am 20. November eine "Abschalt-Party" mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin feiern.

Das Kraftwerk an der Unterelbe ist der zweitälteste kommerziell genutzte Atommeiler in Deutschland. Nur Obrigheim in Baden-Württemberg ist noch länger in Betrieb. Der Druckwasserreaktor ging im Januar 1972 ans Netz. Er wird von dem Stromkonzern Eon Energie betrieben. 33,3 Prozent der Anteile hält der Energieversorger Vattenfall Europe.

In seiner mehr als 30-jährigen Geschichte war der Reaktor wiederholt wegen Störfällen vom Netz genommen worden. Trotz ständiger Investitionen in das Sicherheitssystem wurde der Sicherheitsstandard von Atomkraftgegnern regelmäßig angezweifelt.

Nach der Vereinbarung über den Atomausstieg zwischen Bundesregierung und Energiewirtschaft im Jahr 2000 könnte Stade noch bis Mitte 2004 Strom produzieren. Für jedes Kraftwerk war damals eine Reststrommenge festgelegt worden.



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