Städteranking Dresden ist Aufsteiger des Jahres

Der Osten als wirtschaftliche Brachlandschaft - dieses Klischee trifft zumindest für die Städte nicht mehr zu. Einem Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge holen die Orte in den neuen Bundesländern ökonomisch im Eiltempo auf.


Hamburg - Wo ist der Wohlstand am größten, welche Städte entwickeln sich besonders dynamisch? Diese beiden Fragen untersuchten die IW Consult GmbH mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der "Wirtschaftswoche" für ein neues Städteranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dabei überraschte die Forscher vor allem eins: Die ausgesprochene ökonomische Dynamik der Städte in den neuen Bundesländern.

Betrachtet man allein die aktuelle Situation der Städte in punkto Wirtschaftskraft, Arbeitslosigkeit und Sozialstruktur, liegen die westdeutschen Metropolen zwar noch vorn: An der Spitze hält sich dabei schon seit vielen Jahren die bayerische Landeshauptstadt München, die sowohl in den Kategorien Arbeitsmarkt als auch in punkto Wohlstand klar siegt. So ist das Arbeitseinkommen pro Einwohner dort deutschlandweit am höchsten, die Arbeitslosenrate dagegen am niedrigsten. Auch München, Frankfurt am Main und Stuttgart schneiden bei der Ist-Analyse gut ab, die untersuchten acht ostdeutschen Städte liegen noch weit abgeschlagen.

Misst man jedoch die wirtschaftliche Entwicklung über die letzten Jahre hinweg, zeigen die Orte in den neuen Bundesländern eine ungewöhnlich hohe Dynamik auf, heißt es beim IW. "Aufsteiger des Jahres" sei die sächsische Hauptstadt Dresden, die vor allem bei den Wohlstandsindikatoren punkten konnte. So stiegen dort etwa die Arbeitseinkommen seit 2000 um 9,3 Prozent und damit stärker als in allen anderen Städten. Das Bruttoinlandsprodukt legte um satte 31 Prozent zu. Erfreulich entwickelte sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt der Stadt, loben die IW-Forscher. Einzige Einschränkung: Bei der Entwicklung der Arbeitskosten landete Dresden auf dem letzten Platz und bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer nur auf Platz 44.

Im Endranking des IW - für das die Ist-Analyse und die Dynamikanalyse zusammengerechnet wurden - machte Dresden insgesamt 20 Plätze gut und schob sich auf Platz 10 vor. Die erfreuliche Entwicklung der Stadt ist in den neuen Bundesländern keine Ausnahme. Magdeburg arbeitete sich um 14 Plätze auf Rang 31 nach vorne. Auch die Entwicklung in Leipzig, Chemnitz und Halle sei erfreulich, erklären die Wissenschaftler. Traurig entwickelte sich dagegen die Hauptstadt Berlin: Sie machte in den letzten Jahren so gut wie keine ökonomischen Fortschritte und landete deshalb in dem Ranking nur auf Platz 48 und damit auf dem drittletzten Platz.

Umso verwunderlicher ist das Ergebnis einer unabhängig von dem Ranking durchgeführten Umfrage unter den lokalen Unternehmern: Die Berliner Betriebe äußerten sich dabei überdurchschnittlich oft zufrieden mit ihrer Standortwahl - gemeinsam mit Hamburg und Münster lag die Hauptstadt bei dieser Frage ganz vorn. Die Berliner setzten wohl vor allem Hoffnung auf die brachliegenden Potentiale der Stadt, erklären sich die Wissenschaftler diesen Widerspruch. In punkto Wirtschaftsfreundlichkeit wurde die Stadt Hamm von den Investoren zum Sieger erklärt. Auch Münster, Kiel, Aachen und Karlsruhe stellten die Unternehmer ein gutes Zeugnis aus.

ase



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