Stahl-Monopoly Inder Mittal und Thyssen verbünden sich für Milliarden-Deal

In der Stahlbranche steht eine Übernahmeschlacht der Superlative bevor: Der Konzern des indischen Milliardärs Lakshmi Mittal will für 18,6 Milliarden Euro den französisch-luxemburgischen Konkurrenten Arcelor kaufen. Gelingt der Coup, würde auch ThyssenKrupp profitieren.


Amsterdam - Schon am Morgen sorgten die ersten Gerüchte für Unruhe an den Weltbörsen: Die Aktien von Arcelor und Mittal Steel wurden vom Handel ausgesetzt. Da ahnten die Märkte bereits, dass Lakshmi Mittal, nach Bill Gates und Warren Buffett der drittreichste Mann der Welt, einen neuen Coup plante.

Stahl-Magnat Mittal: Überraschender Überfall auf eine europäische Traditionsbranche
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Stahl-Magnat Mittal: Überraschender Überfall auf eine europäische Traditionsbranche

Die Bestätigung kam am späten Vormittag: Mittal Steel bietet insgesamt 18,6 Milliarden Euro für Arcelor. Schon heute ist Mittal Steel der größte Stahlkonzern der Welt, Arcelor die Nummer zwei. Glückt das gewagte Übernahmemanöver, entstünde ein neuer Gigant der Branche mit einer kombinierten Rohstahlproduktion von über 120 Millionen Tonnen im Jahr.

Arcelor wollte das Übernahmeangebot indes zunächst nicht kommentieren. Eine Übernahme des europäischen Unternehmens mit insgesamt 94.000 Beschäftigten dürfte ein Politikum sein, bei dem auch die Regierungen in Paris und Luxemburg mitsprechen wollen.

ThyssenKrupp als lachender Dritter?

Mittals Plan hat noch eine Pointe: Nach einer Arcelor-Übernahme will er das kanadische Stahlunternehmen Dofasco an den deutschen Stahlhersteller ThyssenKrupp weiterverkaufen. ThyssenKrupp hatte erst in dieser Woche eine Übernahmeschlacht um Dofasco gegen Arcelor verloren - nun könnten die Deutschen durch die Hintertür doch noch zum Zug kommen.

ThyssenKrupp jedenfalls hat nach eigener Mitteilung bereits eine Vereinbarung mit Mittal unterzeichnet. Der Ruhr-Konzern hat damit die Chance, vom zehnten auch den sechsten Platz unter den weltweiten Stahlherstellern vorzurücken. Mittal scheint keine Probleme damit zu haben, Dofasco an die Deutschen abzutreten - ThyssenKrupp konzentriert sich eher auf hochwertige Stahlsorten, Mittal auf das Massengeschäft.

Lakshmi Mittal ist in wenigen Jahren zu einem der kapitalkräftigsten Männer der Welt geworden. Sein privates Vermögen wird auf rund 25 Milliarden Dollar geschätzt. Der gebürtige Inder, der einen Wohnsitz in London unterhält, hatte sich bisher darauf spezialisiert, marode Stahlhütten in Osteuropa und in Entwicklungsländern zu kaufen. Diese Unternehmen, die sonst niemand erwerben wollte, sanierte Mittal und steigerte damit ihren Wert.

Der offizielle Konzernsitz der Mittal Steel befindet sich in Rotterdam. Das Unternehmen beschäftigt rund 180.000 Mitarbeiter in 18 Ländern, darunter auch Deutschland. Mittals Gebot für Arcelor ist sein erster Versuch, einen großen westlichen und relativ modernen Konzern der Branche zu übernehmen.

Der Handel mit Arcelor-Aktien wurde am Mittag kurzzeitig wieder aufgenommen. Die Aktie schoss daraufhin um 35 Prozent in die Höhe, so dass der Handel erneut ausgesetzt wurde. Aktien von Mittal Steel sollen erst mit Eröffnung der US-Börsen um 15.30 Uhr deutscher Zeit wieder aufgenommen werden.



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