Standort Kaiserslautern bedroht: Fiat verspricht nur Erhalt von drei Opel-Werken

Rüsselsheim, Bochum, Eisenach: Diese drei Opel-Werke in Deutschland will Fiat erhalten, wenn ein Kauf des maroden Autobauers klappt. Das sagte Wirtschaftsminister Guttenberg nach einem Gespräch mit dem italienischen Konzernchef Marchionne - Kaiserslautern steht damit zur Disposition.

Berlin - Im Falle einer Übernahme durch Fiat müssten die Opelaner in Kaiserslautern bangen: Bei dem Standort sehe Fiat einen "gewissen Konsolidierungsbedarf", sagte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Montag nach einem Gespräch mit Fiat-Chef Sergio Marchionne. Die drei Endmontagewerke Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sollten dagegen weiter betrieben werden. Marchionne sicherte außerdem den Erhalt der Marke Opel zu.

Opel-Werk Kaiserslautern: Ein deutscher Standort bekommt Probleme
DPA

Opel-Werk Kaiserslautern: Ein deutscher Standort bekommt Probleme

Der Betriebsrat des Kaiserslauterer Opel-Werks reagierte mit scharfer Kritik auf die Aussagen. "Wir werden uns unter dieser Voraussetzung gegen Fiat massiv wehren. Das können wir nicht hinnehmen", sagte der Betriebsratschef Alfred Klingel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er zähle auch darauf, dass Land und Bund solche Überlegungen nicht akzeptierten.

Den Konsolidierungsbedarf im Falle eines Einstiegs habe Marchionne auf fünf bis sieben Milliarden Euro geschätzt, sagte Guttenberg weiter. Es sei jedoch zu früh, den entsprechenden Anteil für Deutschland zu ermitteln. "Fiat will ohne eigene Schulden in dieses Geschäft einsteigen und hier eine Konstruktion schaffen, die das möglich macht", erklärte der Politiker.

Beim genannten Kapitalbedarf handele es sich mangels konkreter Zahlen der Opel-Mutter General Motors nur um Schätzungen für die GM-Schulden und Pensionsverpflichtungen, die zu übernehmen wären. Hierfür wolle Fiat europaweit auf staatliche Bürgschaften und Garantien zurückgreifen, sagte Guttenberg.

"Das ist eine Hausnummer, die man in Europa erst einmal verteilen muss", sagte der CSU-Politiker, der ansonsten eine eindeutige Bewertung vermied. "Das ist ein interessanter Ansatz, keine Frage", sagte Guttenberg, auch wenn der Finanzierungsbedarf "nicht unerheblich" sei. Von der Bundesregierung werde es "heute oder morgen keine Vorfestlegungen" geben. Zunächst werde man weiterhin mit Interesse auf den Plan des kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna warten, der ebenfalls Interesse an Opel hat.

Fiat plant Autogiganten

In der "Financial Times" hatte Marchionne seine Zukunftsvision zuvor in groben Zügen erklärt. Danach strebt der Fiat-Boss nicht weniger an als die Schaffung eines neuen Konzerns, der in der Weltliga ganz oben mitspielt. Sechs bis sieben Millionen Autos jährlich soll der neue Auto-Riese bauen und damit mehr als der Wolfsburger Volkswagen-Konzern, der nach Einschätzung von Experten bereits Toyota hinter sich gelassen hat.

"Aus technischer und industrieller Sicht ist das eine im Himmel geschlossene Hochzeit", zitiert die Zeitung den Fiat-Chef. Der bisherige Opel-Mutterkonzern General Motors würde dann Minderheitseigner des neuen Unternehmens. Bis Ende Mai solle die Fusion beschlossen werden. Inzwischen dürfte aber auch den Opel-Werkern klar sein, dass die Fusion mehrere tausend Arbeitsplätze kosten wird.

Entsprechend skeptisch stehen die Arbeitnehmervertreter Marchionnes Ansinnen gegenüber. Die Italiener hätten selbst "große Probleme", sagte Opel-Aufsichtsrat Armin Schild von der IG Metall im ZDF-"Morgenmagazin". Es sei zu befürchten, "dass die Entscheidungen bei Opel nicht mehr in Detroit, sondern in Turin getroffen werden, aber nicht in Rüsselsheim". Es wäre "sehr viel besser, wenn die Bundesregierung Zeitdruck rausnehmen würde", sagte Schild.

Öffentlich genannte Kriterien für einen Einstieg seien "absolut sinnvoll", sagte Schild weiter. Dies sei "nur fair" gegenüber allen Investoren neben dem italienischen Autokonzern Fiat und dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna, die sich für Opel interessieren könnten. Nach SPIEGEL-Informationen hat Steinmeier einen 14-Punkte-Katalog mit Kriterien für einen Investor bei Opel aufgestellt. Außer dem Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze gehe es auch um die Sicherheit möglicher Staatsbürgschaften, mögliche Synergien und die Vermittelbarkeit der Lösung bei der Belegschaft und den Händlern.

Mit einer schnellen Entscheidung ist allerdings ohnehin nicht zu rechnen. Wie SPIEGEL ONLINE aus Regierungskreisen erfuhr, sind die bisher von beiden möglichen Großinvestoren Magna und Fiat vorgelegten Konzepte nach Ansicht von Guttenberg viel zu vage, um überhaupt als Basis für eine Weichenstellung zu dienen. "Ich kann mir nur erhoffen, dass wir belastbarere Zahlen und Fakten bekommen, weil sich danach das Ob und Wie eines Eintritts der Bundesregierung bemessen wird", sagte der Bundeswirtschaftsminister. Überdies müsse vor einer Entscheidung eine Einigung von potentiellen Investoren mit General Motors abgewartet werden.

mik/dpa/Reuters/Dow Jones

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Forum - Wer soll Opel retten?
insgesamt 2958 Beiträge
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1.
IsArenas, 27.04.2009
Fiat! Soviel Lokalpatriotismus muss sein. Lust wär's und gut iss. Ahnung habe ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit daneben zu liegen, ist aus meiner Sicht bei der Alternative genauso groß, eben deshalb, weil eh NIEMAND den Durchblick hat.
2.
m-pesch, 27.04.2009
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
Egal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
3.
Hartmut Dresia, 27.04.2009
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
So oder so, 5 Milliarden Euro könnte den Staat die Rettung kosten (http://www.plantor.de/2009/opel-5-milliarden-euro-koennte-den-staat-die-rettung-kosten/). Schon jetzt kämpft die Autoindustrie mit großen Überkapazitäten. Sergio Marchionne, Fiat-Chef und UBS-Vizepräsident, glaubt, dass letztlich nur sechs oder fünf globale Autokonzerne überleben werden. Von den 94 Millionen Autos Jahreskapazität seien 30 Millionen überflüssig. Er erwarte eine Welle von Konsolidierungen.
4.
rkinfo 27.04.2009
Zitat von m-peschEgal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,621228,00.html 27. April 15.40 Uhr: Das *General-Motors-Management *bittet die Regierung in Washington um eine weitgehende *Verstaatlichung*. Wie GM mitteilte, soll der amerikanische *Staat die Hälfte* der *Konzernaktien* erhalten und dafür dem Unternehmen im Gegenzug die Hälfte seiner Schulden bei der öffentlichen Hand von 15,4 Milliarden US-Dollar erlassen. Wenn sich die Politik bei uns nicht beeilt wird bald B- Obama Chef bei Opel sein ... "Yes we can" Cars - Made in Rüsselsheim.
5. kkollektives halluzinieren
vanill68 27.04.2009
allenthalben liest man in deutschen medien, daß fiat opel technologie abschöpfen könnte. meine frage dazu ? was kosten eigentlich bekiffte journalisten. gilt es in d. noch, etwas zu recherchieren, bevor man es schreibt. oder genügt dazu das ja vom opel-betriebsrat ? opel hat ***keine*** nennenswerte technik ! beim insignia ist allenfalls die integration zugekaufter komponenten geglückt. fiat entwickelt und baut diesel-motoren, die state-of-the-art sind. und opel kauft sie. wo opel motoren drin sind, folgen verkaufseinbrüche (alfa 159, die benziner) commonrail ist eine fiat entwicklung, entwickelt bei elasis/neapel, erstmals käuflich im alfa 156. fiat hat neueste technologien im benziner bereich in der pipeline ... die qualität deutscher medien ist zum schreien, oder wird bezahlt ? - bisher kannte man das ja nur von der autobild.
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