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07. September 2007, 16:47 Uhr

Stellenabbau

US-Arbeitsmarktdaten drücken Börsen ins Minus

Erstmals seit vier Jahren ist in den USA die Zahl der Arbeitsplätze gesunken. Beobachter hatten vor der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts dagegen mit einem Stellenplus gerechnet. Die Börsen reagierten prompt.

Hamburg - Der US-Arbeitsmarkt hat im August erste Anzeichen von Schwäche gezeigt. Die Zahl der Beschäftigten ist im August zum ersten Mal seit vier Jahren gesunken. Die Zahl der Beschäftigten (außerhalb der Landwirtschaft) sei um 4000 zum Vormonat zurückgegangen, teilte das US-Arbeitsministerium heute in Washington mit. Dies war der erste Rückgang der Beschäftigung seit August 2003. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg um 118.000 gerechnet. Zudem wurde der Anstieg der Beschäftigtenzahl für die Monate Juli und Juni zusammengenommen um 81.000 auf 137.000 nach unten revidiert.

Arbeiter in Detroit (bei Ford): Erste Auswirkungen der Hypothekenkrise auf die Realwirtschaft
AP

Arbeiter in Detroit (bei Ford): Erste Auswirkungen der Hypothekenkrise auf die Realwirtschaft

Konkret gingen den Angaben zufolge im Handwerk 46.000 Stellen verloren, in der Bauindustrie waren es 22.000 Jobs. Auch die Regierung strich 28.000 Arbeitsplätze. In anderen Bereichen, vor allem in Bildung und im Gesundheitswesen, wurden dagegen neue Stellen geschaffen. Dies konnte die Verluste aber nicht ausgleichen.

Nach Einschätzung von Experten könnte der Beschäftigungsrückgang ein erstes Zeichen realwirtschaftlicher Konsequenzen der US-Hypothekenkrise sein. "Der überraschende Beschäftigungsrückgang ist bemerkenswert und könnte durchaus auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten zurückzuführen sein", sagte HSBC-Volkswirt Thomas Amend. Beachtenswert sei vor allem, dass der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator sei und für gewöhnlich verzögert reagiere.

Die US-Börsen reagierten auf die Zahlen des Arbeitsministeriums mit Kursverlusten. Der Dow Jones verlor an der Wall Street in den ersten Minuten gut ein Prozent gegenüber seinem Schlusskurs von gestern . Die Nasdaq fiel um fast 1,5 Prozent.

Auch der Dax weitete seine anfänglich nur leichten Kursverluste aus. Am Abend schloss der deutsche Leitindex bei 7436 Zählern mit 2,4 Prozent im Minus. Auch MDax und TecDax gaben deutlich nach, ebenso wie der Stoxx50 für die 50 größten börsennotierten europäischen Unternehmen. Auch der Devisenmarkt reagierte auf die unerwarteten US-Arbeitsmarktdaten: Der Euro stieg um fast einen Cent auf 1,3774 Dollar.

"Es scheint für mich fast unvermeidlich, dass wir einer Rezession entgegensteuern. Eine Zinssenkung scheint ausgemacht zu sein", sagte Michael Metz, Anlageexperte bei Oppenheimer & Co. "Wir können jetzt nicht mal mehr einen Zinsschritt von 50 Basispunkten ausschließen", sagte Lothar Hessler von HSBC. Die US-Notenbank hält seit Juni 2006 den Zielsatz für Tagesgeld (Federal funds) konstant bei 5,25 Prozent. In Reaktion auf die vom Hypothekenmarkt ausgehenden Turbulenzen an den Kreditmärkten hatte die Notenbank Mitte August den Diskontsatz - also den Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank direkt mit kurzfristigen Krediten versorgen können - bereits von 6,25 auf 5,75 Prozent gesenkt.

Ein Analyst in New York nannte die Arbeitsmarktdaten "einfach schrecklich". Commerzbank-Analystin Antje Praefcke sagte dagegen: "Die Arbeitslosenquote [in den USA] liegt immer noch bei 4,6 Prozent, von einer drohenden Rezession zu sprechen, halte ich für über das Ziel hinaus geschossen."

kaz/Reuters/dpa-AFX

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