Stellenmarkt der Arbeitsagentur: Viele Angebote existieren gar nicht

Gerne wird der Arbeitslosenquote die Zahl der offenen Stellen gegenüber gestellt - dann hört sich die Misere nicht ganz so schlimm an. Tests haben jetzt allerdings ergeben, dass es rund ein Drittel der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Jobangebote gar nicht gibt.

Nürnberg - Der Anstoß kam aus der Regionaldirektion Hessen: Dort war dem Leiter aufgefallen, dass auffällig viele Arbeitslose nach einer Bewerbung auf eine vermeintlich offene Stelle unverrichteter Dinge zurückkehrten. Eine daraufhin beim Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur in Auftrag gegebene Studie bestätigte den Verdacht: Insgesamt rund ein Drittel der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Stellenangebote existiert in Wirklichkeit gar nicht.

Erwerbsloser bei der Bundesagentur für Arbeit: In manchen Gebieten bis zu 60 Prozent der Stellen nicht verfügbar
DDP

Erwerbsloser bei der Bundesagentur für Arbeit: In manchen Gebieten bis zu 60 Prozent der Stellen nicht verfügbar

Einen entsprechenden Bericht des ZDF-Wirtschaftsmagazins WISO bestätigte John-Philip Hammersen, Sprecher der BA, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Durchschnittlich seien nur 63 bis 73 Prozent der gemeldeten Stellenangebote tatsächlich verfügbar gewesen, so Hammersen. In einigen Gebieten hätten sogar fast 60 Prozent der gemeldeten Stellen in Wirklichkeit gar nicht existiert. Bei Angeboten, die bereits über zwölf Monate alt waren, seien durchschnittlich nur noch 20 Prozent der Jobs verfügbar.

Viele Arbeitgeber meldeten der Bundesagentur zwar offene Stellen, aber nicht, wenn sie einen passenden Kandidaten gefunden hätten. "Darum müssen unsere Mitarbeiter da stärker nachfragen", sagt Hammersen. Vor allem aber seien die zahlreichen Zeitarbeitsfirmen an dem Missstand schuld: "Zeitarbeitsfirmen melden laufend offene Stellen, die es gar nicht gibt, um den Markt abzugrasen", so Hammersen. Auf Nachfrage würde in solchen Unternehmen oft argumentiert, man brauche einen Vorrat an potentiellen Arbeitskräften, falls unerwarteter Bedarf entstehe.

Alfons Schmid vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur fordert dagegen, die BA müsse ihr Meldeverfahren grundsätzlich verbessern, "um die offenen Stellen zu erfassen, die wirklich frei sind". Die Studie sei Anfang des letzten Jahres erstellt worden, als aufgrund der Einführung von Hartz IV die Arbeitsagenturen viel zu tun gehabt hätten, schränkt Hammersen dagegen ein. "Der Kontakt zu den Arbeitgebern war damals sehr schlecht", erklärt er. Inzwischen habe man daran gearbeitet. "Aber natürlich: Wir müssen darauf ein Augenmerk haben", gesteht der BA-Sprecher ein. Bis sich Arbeitslose auf den Stellenpool der Behörde tatsächlich verlassen können, wird es allerdings noch ein Weilchen dauern. Man brauche jetzt sicherlich noch ein Jahr, bis eine stimmige Statistik vorhanden sei, erklärt Hammersen.

Im Bezug auf die Arbeitslosenzahlen für Februar, die morgen veröffentlicht werden, gibt sich der Sprecher ebenfalls nüchtern. "Dass es wieder über fünf Millionen Arbeitslose sein werden, ist ja inzwischen kein Geheimnis mehr", sagt er. Besonders böse Überraschungen wie etwa im Januar dieses Jahres - als der Vorzieheffekt einer Änderung beim Arbeitslosengeld I die Zahl unerwartet in die Höhe schießen ließ - sei jedoch nicht zu erwarten. Aber: "Es gab in diesem Monat den üblichen saisonbedingten Anstieg."

ase/ddp

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