Steuerfahndung Schweizer Banken wollen keine Deutschen mehr einstellen

Harte Zeiten für Deutsche auf dem Schweizer Arbeitsmarkt: Laut dem Verband der Privatbankiers werden eidgenössische Finanzinstitute bei der Einstellung von deutschen Staatsbürgern zurückhaltender - aus Angst vor Spionage.


Lausanne - Ist es Vergeltung für das harte Vorgehen der deutschen Steuerfahnder? Oder ist es ein sinnvoller Akt der Spionageabwehr? Fest steht: Deutsche Arbeitskräfte müssen sich auf dem Finanzplatz Schweiz auf harte Zeiten einstellen. Das erklärte der Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, Michel Derobert. Wegen der Steueraffäre dürften die Banken in der Deutschschweiz bei der Einstellung von deutschen Staatsbürgern zurückhaltender werden, sagte Derobert in einem Interview der Westschweizer Zeitung "Le Matin".

Er bezog sich auf den Umstand, dass die deutschen Behörden gestohlene Kundendaten aus Liechtenstein gekauft hatten. Solche Methoden seien verwerflich, sagte Derobert. Jede gut geführte Bank tue deshalb gut daran, alle Mitarbeiter, die Zugang zu sensiblen Daten hätten, mit Sorgfalt auszuwählen.

Auf die Frage, ob es deutsche Spione in Schweizer Banken gebe, sagte Derobert, dies sei nicht auszuschließen. Es wäre aber höchst bedauerlich. Solche Personen riskierten zudem dreijährige Freiheitsstrafen wegen Verletzung des Bankgeheimnisses. Die Kritik deutscher Politiker am Schweizer Bankgeheimnis wies der Verbandsvertreter zurück.

Rückendeckung erhalten die deutschen Ermittler dagegen aus Frankreich. Die französische Regierung unterstütze das entschiedene Vorgehen Deutschlands gegen die Steuerflucht nach Liechtenstein, sagte Europaminister Jean-Pierre Jouyet in Brüssel. Angesichts des Ausmaßes der Steuerhinterziehung sei das harte Durchgreifen der deutschen Behörden verständlich. "Ich habe da überhaupt kein Mitleid."

Der Kampf gegen Steueroasen wie Liechtenstein sei ein sehr wichtiges Ziel, das die EU geschlossen verfolgen müsse, sagte Jouyet. Es gelte, die Moral im Kapitalismus zu stärken.

Möglicherweise weitet sich die Liechtenstein-Steueraffäre auch auf Frankreich selbst aus. Die Regierung habe Informationen der deutschen Ermittler "nach gängigen Bedingungen" erhalten, teilte das Finanzministerium in Paris mit. Den Informationen gehe man jetzt nach.

Sie seien "keinesfalls mit Geldzahlungen kompensiert worden". Vielmehr handele es sich um Hilfe im Zuge der internationalen Zusammenarbeit und den regulären Austausch von Untersuchungsergebnissen.

wal/AP/Reuters/dpa-AFX



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